Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1848)
- Date
- 1848-10-07
- Page
- Seite 326 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360526-2360568--6583-3534506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
326 selbst wollen wir ein anderes Mal eingehen.—Trotzdem daß unser Justizrmmster Hr. Bornemann, öffentlich bekannt machte, daß nunmehr die Jura studirenden Juden zum Examen zugelassen werden, so ließ doch das Kammergcrlcht, oder besser der an der Spitze stehende Hr. Nikolovins den Dr. H. Jon as nicht zum Auskultator- Examen zu. — In Wien ist Hr. Dr. Fischhof im Ministerium des Innern als Ministerialrath mit 4000 fl. angestellt. Darüber schrie Alles Zeter gegen Doblhoff. Die zwei teliten Fakta können nun beweisen, wie unsrre Emancipatioli in Deutschland noch immer nur Theorie ist, cs wird noch lange dauern, bis alle Zöpfe abgeschnitten find. . I. S. Desterreichische Nebenländer. Papa, 6. Sptbr. Von einem schönen Zuge hiesiger Israeliten lvill ich Ihnen heute berichten, und ist dieser Zug wahrlich einer der schönsten ihres bisherigen Lebens! Es zogen nämlich selbe vor mehrcrn Wochen, an Zahl über hundert, die das Loos abzumarschiren getroffen, muthig und freudig, Haus und Hof verlassend, dem. unserem Vatcrlande .drohenden Feinde rüstig entgegen. Selbst unser Rabbiner, Lcop. L ö w, der bei vielfachen Gelegenheiten schon, seinen freien, patriotischen gesunden Sinn und Liebe zum Ungarlande an den Tag legte, schloß sich diesem Zuge an, und füllte er als israelitischer Feldprediger seinen Ehrenposten — durch gediegene Reden * un Beisein der christlichen Garden vortrefflich aus. Konnten zwar die hiesigen Israeliten, die bereits glücklich zurückgekehrt, ihren Mnth und ihre Tapferkeit durch einen Angriff auf den Feind nicht bethätigen, so war cs dennoch nicht zu verkennen, daß sie gewiß die gegnerische Macht nicht geschenet, wenn es sich um die Rettung des Vaterlandes, des Juden Ehre, gehandelt hätte. Dies erkannten auch die christlichen Garden, selbst jene, die hierorts dem Inden feindlich gegenüberstandcn, und schon auf dem Wege nach dort suchten sich diese mit ihnen zu befreunden und im Lager selbst bezeugten sie den Israeliten sogar ihre Anhänglichkeit. Gebe Gott, daß dieses nur von nachhaltiger Wirkung sei und bleibe! Was jedoch unsere Orthodoxen anlangt, so können dieselben ihren christlichen Brüdern hierfür keinen Dank wissen, und wollen sie ferner, in ,der-Annäherung derselben zu ihren jüdischen Genossen und umgekehrt, in der der Israeliten zu den Christen, den Sturz der Religion erblicken und schrillt sie jedesmal Angst und Schrecken zu überfallen, wenn die ähr folgende Emancipation zur Sprache kommt. Wer weiß , möchten sie nicht freute noch darob Zeter erbeben, wie einst sel. Angedenkens, ihre wackeren P r e flb u rg er Brüder,- dächten sie nicht noch mehr verhaßt und verfolgt, noch mehr verlacht und *) Eine ist in ungarischer Sprache im Drucke erschienen. verspottet zu werden. Und dennoch entblödete sich nicht diese Klasse Leute unserem würdigen Rabbiner den Vorwurf einer unverzeihlichen Irreligiosität und Verletzung der so heiligen „Rebbe" Ehre zu machen, weil er den Mitmarsch nicht ablehnte und obendrein der den Minifterbefehl für vollziehende Behörde erklärte, unter tcr welchen frommen Bedingungen nur der ,,Jud" sich zum Abmarsch billigen könne! So beschränkten..Sinnes führt eine sich zur Menschheit rechnende Partei im 19. Jahrhundert das Wort, zur Zeit des Lichtes , der Freiheit, der Aufklärung, und glauben Sie, nur hier in unserer Gemeiude ist ein solches Wort vernehmbar; behüte, auch in unseren Schwestergemeinden, in allen Residenzen der „von Semm e 1 br öseln rc." predigenden Rabbiner kann man derlei unvernünftiges Zeug sprechen hören! —t—o. Pesth, 10. Aug. (Schluß.) - Die General-Versammlung erachtet es ferner für nöthig, fünf Ersatzmänner für den Fall zu bestimmen, wenn etwa einer der Gewählten, die Funktion nicht annehmen wollte, oder anzunehmen verhindert wäre, um an dessen Stelle der Reihe nach, wie sie in der Stimmen-Mehrheit folgen, an der Vertretung Theil zu nehmen. Als Ersatzmänner werden somit die Herren Dav. Lichtmann, Herrmann Pappenheim, I. N. Sichermann, Salomon Singer und Dr. Leop. Wittelshöffer verzeichnet. — Herr Herrmann Pappenheim erklärt für den Fall eine Substitutions-Notwendigkeit eintreten sollte, überläßt er dem Herrn David Lichtmann, obgleich er mit ihm in der Stinnnenzahl gleichsteht, die erste Ersatzmanns-Stelle. 19. Nachdem die General-Versammlung die fixe Anstellung eines Sekretärs für nothig erachtet, um die schriftlichen Arbeiren der gewählten Vertretung zu versehen: so wird hiermit hierzu einstimmig und allgemein Herr Ignatz Varnay, Ober-Notar der Pesther Gemeinde gegen den fixen Iahresgehalt von ft. 400, Vierhundert Gulden in CM. angestellt, und ihm zur Pflicht gemacht, den Israel. Jurisdiktions-Gemeinden die jeweiligen politischen Ergebnisse, welche auf sämmtliche Israeliten des Landes Bezug haben, zu berichten. 20. Auf die zur Verhandlung gebrachte Motion über Vergütung von altern Spesen, für in frühern Reichstagen in Angelegenheiten der Israeliten Ungarns, wirksam gewesene Deputirten: erktgrt Herr Jakob Steim'tzer aus Arad, auf alle diesfällige Entschädigung zu verzichten, da er zum allgemeinen Wohle der Israeliten des Landes'sich verwendend, die gehabten Spesen sehr bereitwillig aus Eigenem bestritten, für welche Erklärung dem Herrn Jakob Steinitzer unter allgemeinem Eljen-Ruf gedankt wird, die weitere Verhandlung dieser Motion wird vertagt. 21. Da in dem Loleranz-Lax-Verwaltungs-Komlt« durch Ableben des Hrn. Bernhard Lackenbacher ein Mitglied zu ersetzen ist; —