Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 40 (30.9.1848)
- Date
- 1848-09-30
- Page
- Spalte 637-638 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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638 637 Studien. Biographien der Lalmudisten. Biographien Her Talmudiste«. i. Rabbi Chijja. Von .Raphael KLrchheim. (Fortsetzung.) R. Chijja hatte keine besondere Schule gegründet und war auch mit keiner geistlichen Würde bekleidet, trug aber mehr als irgend einer seiner Zeitgenossen zur Verbreitung der Bibel" und rabbimscher Gelehrsamkeit bei und zwar durch Errichtung von Schulen gegenseitigen Unterrichts, durch Heranbildung vieler Jünger, die nachher selbstständige Schu-, len gründeten und endlich durch die Redaktion und Sammlung von Mischmjjot und Barajtot. Seine Bestrebung hatte so glänzenden anerkannten Erfolg, daß er, wie Esra, der Wiederhersteller des Gesetzes genannt wurde (Sukka 20), und Rabbi selbst wurde einmal zu einer solchen Anerkennung seiner Wirksamkeit hingerissen, daß er ausrief „wie groß sind die Handlungen Chijja's; und als R. Jsmael b. Jose ihn fragte „sind sie auch größer als die meinigen", fo nahm Rabbi keinen Anstand auch das zu bejahen " (B. Mezia 85 b). R. Chijja selbst erzählt, freilich auf eine hyperbolische Weise, wie er die Kinderschulen errichtete, wie folgt. „Ich bewirke, daß die Lora nicht mehr in Vergessenheit kommen kann. Ich säe Leinsamen, spinne Garn, drehe' Seile und verfertige davon Netze, womit ich Hirsche fange, dos Fleisch derselben gebe ich armen Waisen zur Speise und aus den Häuten mache ich Pergament. Ich gehe nun an die Orte wo keine Jugendlehrer sind" und schreibe für fünf Kinder die fünf Bücher Mosis, für sechs andere die sechs Mischna- Ordnungen und sage alsdanu zu jedem Kinde, theile das Erlernte Andern mit (Ketub. 103b; jer. Megilla 15b). — Von den Jüngern, die er unterrichtete und heranbildete, werden mit Namen genannt seine Neffen Nab" und Raba bar bar 12) Das Bibelstudium wurde in der Schule von Rabbi vorzüglich getrieben (cf. Joma 87; Ab. Sara 19); daß aber, wie Fürst im LB. d. Or. 1846 S. 826 aus Jebamot 71 und Jalkut zu Hosea §. 533 ableiten will, Chijja im Talmud wegen seiner Schriftkenntniß Kara genannt wird, ist uns unbekannt und findet sich auch keine Spur davon in den allegirten Stellen. 13) Der jer. Talmud (Kilajim 23 b) sagt im Widerfprudj mit dieser Stelle 'll D’JdV N31 N»n 'l ’JS1? 'DP 13. 14) Dem Resch Lakisch, welcher Chijja's Verdienste und Größe auch für sich in Anspruch nahm, erwiederte die Himmelsstimme ,,Du bist umhergereist um zu lernen, Chijja aber um zu lehren". 15) Er nannte Nab oft *>nnD “13 '(Berach. 13, 43; Sab. 3; Nasir 69); wir können die Bedeutung dieses Beinamens nicht mit Sicherheit angeben. Raschi erklärt es mit Chana, für die er auch, als sie in ihre Heimath zurückkehrten, von Rabbi das rabbimsche Diplom forderte (Sanhedrin 5), .ferner Jehuda ben Knisi lB. Kamma 81b), R. Leaser (jer. Ketub. 30; Kidduschin 17); andere werden im Allgemeinen als „Chijja's Schüler" angeführt (jer. Terumot 12) und diejenigen, welche vorzugsweise seine haluchischen Kolekteneen studirten N3 '33 genannt (B. Mezia 34). Die Tosiftot und Barajtot, welche er in Verbindung mit seinem Freunde R. Oschaja" — der auch einmal „der Vater der Mischna" genannt wird (jer. Ketub. 29) — redigirte,17 enthalten Zusätze, Ergänzungen und Abänderungen der rabbischen Mischna-Redaktion; von den Tosiftot wird von Scherira (in Jggeret) ausdrücklich gesagt, daß sie von R. Chijja zugleich ober nach der Mischna-Redaktion redigirt wurden j-qro nv3 '3 NDDOinn. 3Y))f, ND«DO N'3 WO) 1DP in« ]DI3 IN .13133 1MQ1 11 nnn3 IN *»33 idi'3 '»N"3 unermittett ist es auch, ob vor oder nach dem Tode von Rabbi; Chagis in seiner Vorrede zu den Regeln der Mischna (abgedruckt in Sefer Keritot) ist jedoch der Meinung, daß Rabbi selbst ihm die Tosiftot diktirt habe. Das Material scheint jedenfalls vor Abfassung der Mischna schriftlich" aufbewahrt gewesen zu sein, das unter dem Namen Megillat S etar i m, geheime Gesetzrollen, von Chijja, angeführt und Stellen hieraus im Talmud citirt wird (Sab. 6 b; 96 b; B. Mezia 82). Von diesen Kollektaneen sind uns nur die aufbewahrt, die im Talmud unter der Formel ft33 NN oder nr,3 "ün citict worden und die Zusätze wurden so werthvoll gehalten, daß es Regel war, jede andere Barajta sei korrupt n'Si rf'l '33 'JD b'hl {DODD hj N'H Vi\mm (Chullin 141). Da Chijja die Mischna nur ergänzen oder erklären konnte, so wurde diejenige Barajta, welche mit der Mischna tollidirt, dieser hintenangesetzt und wo etwas in der Mischna unentschieden gelassen wurde, da wurde der Decision in der Barajta keine Giltigkeit beigelegt, woher das Sprichwort pjD nS üb '33 (Erubin D'^3.) p. Rab war auch der Meturgeman von Chijja (Joma 20 b). 16) Seine Freundschaft zu Oschaja wird (Ber. Rab.27a) als Beispiel angeführt, daß die Männer der Wissenschaft keinen Handwerksneid kennen, 17) In den Midraschim werden sie „die großen Mischnijot" genannt (Mid. Chasit 25 o; Kohel. Rab. 65,73; jer. Horajot 14). In Echa Rab. 38<1 scheinen die,Worte rn hw nrWD ausgefallen zu sein. 18) Chagis beweist in der erwähnten Einleitung mit schlagenden Gründen, daß Rabbi wohl die Mischna geordnet, sie aber nicht schriftlich redigirt habe. 19) In T. Babli werden zuweilen Stellen anonym citirt, die im Jeruschalmi und im Midrasch mit n’S NN angebracht sind; so z. 35. nw N3pi nüh (Soma 54), im Jer. (s. 1.) rn rwms>i w nym pni NN (Sukka45), in Waj. Rab. (171) l"i lJHj ablci. 170) N'S D3^D 11 VN, in Sukka 83 anonym.