Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 40 (30.9.1848)
- Date
- 1848-09-30
- Page
- Spalte 631-632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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631 Studien. Die talmudische Periode. 632 Die chronologische Angabe über den Umfang des Zeitraumes, welcher von der Redaktion oder Niederschreibung der Mischna bis zur Redaktion oder Niederschreibung des babylonischen Talmuds reicht, oder richtiger über Ausdehnung der talmudischen Periode. Dieser Umfang wird nach Angabe sä'mmtlicher Chronisten auf 311 Jahre, d. h. von 188—498 n. Chr., bestimmt, o" und die Fixirung der talmudischen Periode in den jüdischen Schriften von 500—811 Ae. set., oder von 3949— 4258 n. d. Sch. , oder endlich von 120—431 n. d. Zerst., geben dieselbe Ausdehnung der talmudischen Periode in den verschiedensten Weisen. Anstatt der 311 Jahre der talmudischen Periode, wofür zuweiten richtiger und genauer 310 Jahre angegeben sind,^" im allgemeinen aber selten davon abgewichen wird,^" werden jedoch manchmal blos 280 Jahre ftp D^NJJDKP, und da wirklich diese Zeitrechnung mit 622 n.Chr. beginnt, so läuft diese Angabe ebenfalls auf die sonst angegebenen hinaus. Schon der Landsmann C h ananel in seinem Pentateuch-Kommentar, citirt bei Bachjä b. Ascher zu Gn. 17, 20, gedenkt des Beginnes dieser Aere, die er im Jahre 2335 nach der Beschneidung Abraham's, d. h. 4382 nach der Schöpfung, anfangen läßt, und dieses ist eben 622 n. Chr., wo die Aere wirklich beginnt (siehe Rapaport, Chananel S. 34). 941) Sefer Ha-Kabbala 1. c. fag't: pftOT rD'TlD rWD JW Nft nobnn HDTH N)), was also voraussetzt, daß die Besiegelung der Mischna im Jahre 188 n. Chr. erfolgt. Eben so setzt Schalschelet (1. c.) die Abschließung des Talmud's in das 311. Jahr nach Abschluß der Mischna und der'Verfasser von Jesod Dlam (1. c.) sagt ebenfalls ausdrücklich: „Und die Mischna wurde abgeschlossen und besiegelt im Jahre 3949 n. d. . Sch., das da ist 120 nach der Zerstörung des Tempels", was auf dieselbe Ausdehnung der talmudischen Periode hmausläuft. — 942) Diese Daten geben Sef.ha-Kab., Schalschelet, Sed. Ha-Dor. u. A. und daß diese Angabe nach allgemeinen Annahmen gestellt sind und daher mit 1 oder 2 Jahren differiren, ist bekannt.— 943) Schon manche Chronisten haben ft d. h. 310 Jahre, was chronologisch richtiger ist und .durch dieses genauere Datum wird uns auch ein Satz in Seder Tannaim klar, der sonst höchst barok erscheinen muß. Es heißt nämlich daselbst (L e. S. 200): ft ppn 2")d. h. Rab lebte 310 Jahre; was offenbar nichts weiter sagen will, als daß die talmudische Periode, welche Rab begründet310 Jahre gedauert, oder daß Rab als Schöpfer dieser Periode sie gleichsam durchlebt. Ein anderer Satz daselbst (1. e.), der da lautet »W n"n TI pniv'n, d. h. R. Jochanan hat 408 Jahre gelebt", ist in ähnlichem Sinne zu erklären. In demselben Seder Tannaim (1. c. S. 188) heißt es nämlich daselbst nw is"p rvon rimn1? D*np own um d. h. die Lannaiten lehrten vor der Zerstörung des Tempels 196 Jahre, und da nach den Angaben der Chronisten Jochonan um 4039 d. Sch., d. h. 279 n. Chr. gestorben, so umfaßt die Zeit, von der ab die Tannaiten -begonnen, nämlich 129 v. Chr., bis zum Tode Jochanan's gerade 408 Jahre. Jochanan ist dort also blos als Typus der palästinischen Tradition, die bei Jochanan's Tod bereits 408 Jahre durchlaufen, angesehen. — 944) Wenn es in Jesod Dlam (I. c.) heißt: „Und 316 Jahre waren es, die seit der Riederschreivung derMschangenommen, insoweit man den Beginn der talmudischen Periode sich mit der Gründung der soranischen Hochschule, die freilich erst 30 Jahre nach Abfassung dcr Mischna erfolgt ist, gedacht.'"b — c) Die Spaltung der talmudischen Periode in Beginn der traditionalen Lehre (Techillar ha - Horaa) d. h. wo die talnuidischeUcberlieserung sich entwickelt und gesteigert, und in Abschluß der überlieferten Lehre (Sof Horaa) d. h. wo die talmudische Entwickelung abzunehmen begonnen, wobei man jedoch nur die hauptsächlichsten Aeitmomente bestimmte und dabei feste Angaben hatte. Die traditionalen Lehren, welche aus dcr Mischna und anderen alten Traditionsquellen gewonnen oder nach bestimmten hermeneutischen Regeln entwickelt wurden und gleichsam zu kanonischen Gesetzen erstarrt sind, bilden bekanntlich die ®oraa94G oder (§5cmara,947 die man auch ohne traditionelle Beweise (Ta*ama), ohne rationelle Begründungen (Sebara), als geltend und bindend angesehen,^" und diese talmudische Horaa hat, nach dem Zeugnisse der ältesten Berichte, mit Rab ihren Anfang genommen,der von seinem Lehrer und Meister Jehuda Ha-Nasi zu diesem Zwecke ocdinirt wurdet" Diese Horaa begann mit der Rückkehr Rab's nach Babylonien, mit seinem Eintreffen in Neharde'a bei Abba Schela, nämlich im Jahre 188 n. Chr. oder 500 Ae. sel., in welchem die Mischna abna bis zum Abschluß des Talmud's verlaufen", so ist dieses Plus von 5 Jahren dadurch entstanden, daß der Verfasser den Talmudabschluß um 5 Jahre hinausgerückt, nämlich bis zum Tode Jose's (s. Anm.936). — 945) Nissim in Mafteach (l. e.) sagt: nQTlD ]'2 NäDJl iw dS -mobnn no™1? imDn, wobei, wie gesagt, an die Gründung der soranischen Hochschule, bis dahin der Abschluß der Mischna sich hingezogen haben konnte, gedacht wurde. Jndeß ist zu bemerken, daß dergleichenAngaben höchst selten und isolirt erscheinen, so daß sie in keiner Weise maaßgebend sein können. — ' 946) Siehe oben S. 198 Anm. 602. —- 947) Sanhedrin 36d. @ emata (fOD.l) war der aramäische Ausdruck für das neuhebräische Horaa (ruoin) und wird schon im Talmud selbst von der Sebara geschieden, die blos die rationelle Begründung und Deutung der Horaa ausmacht. S. oben S. 217 Anm. 665. 948) Joma 33 a; Kidduschin 53 a. Vergl. oben S. 166 Anm. 494 und S. 224 Anm. 694. — 949) Seder Tannaim 1. e. S. 188 heißt es: m HNlim ^nnn d. h. Rab, der große, hat die Horaa begonnen. Die Benennung Rab rabba, d. h. Rab, der große, ist zum Unterschiede von gleichnamigen Lehrern, (vgl. Rab aus Difta, Sabb. 142b; Rab. b. Schabba, Mo^od Katan L6 a) — da Rab schon Eigennamen werden konnte — gebraucht worden. — > 950) Er bildete den Anfang der Horaa, weil er bei seiner Rückkehr nach Babylonien von Jehuda ha-Nasi mit den Worten p-p , TTT ordinirt wurde (Sanhedrin 5 a). Seder Tannaim (I. c. S. 186) sagt daher: &ynpn N'IN ■'D'O Njn-irus nnSnt "invii ddn mini biih m ri’ und diese Ankunft zur Zeit Rabdi's in Neharde^a war um 188 n. Chr. oder 500 (pn) U, da Rabbi 190 n. Chr. gestorben. —