Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 40 (30.9.1848)
- Date
- 1848-09-30
- Page
- Spalte 629-630 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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629 630 Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien. „Die Dornen werden nicht gesäet und nicht nusgejätet, sie wachsen von selbst. Der Walzen viele Mühe erfordert derselben^ bis er gedeihet". Das französische Sprichwort: „mauvaise herbe croit toujours“, welches sich auch wörtlich im Deutschen findet. „Unkraut wachst schnell" entsprechen diesen talmudifchen Reflexionen im Allgemeinen. Ein anderes deutsches Sprichwort: „Narren wachsen unbegossen" ist auch hier in gewisser Beziehung damit zu vergleichen. Der allgemeine moralische Sinn dieser Stelle ist, daß die Zahl der Edlen gering ist, weil die Lugend Kämpft kostet. (Auf diese drei Sprüche machte mich mein verehrter Vater ebenfalls aufmerksam.) (Fortsetzung folgt). Geschichte.der jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. Zehntes Kapitol. (Fortsetzung.) 6. Fassen wir am Schlüsse unserer kulturgeschichtlichen Darstellung die hauptsächlichen chronologischen Auge in der Geschichte der babylonischen Hochschulen während der ralmudischen Periode zusammen, so bieten sich uns folgende von den Chronographen stets sestgehaltenen Zeitbestimmungen dar, die für die Kultur- und Literaturgeschichte der erwähntem Jahrhunderte als Zeitmomente bemerkenswerth sind: a) Zeitbestimmung der Besiegelung oder Abschließung des Talmud's.^ Diese wird zunächst nach der seleukidischen Acre, als im Jahre 811 vollzogen, von Scherira,7933 Seder Tairnaim,^" Nis- 932) Bei Scherira (GR.) 32 und 33 wird diese Abschließung, nüch einer von den Saboräern herrührende Glosse im Talmud (Baba Mezsa 86a), Sof Horaa d. h. Endschaft der traditionalen Lehre genannt, und denselben Ausdruck hat Nissim b. Jakob ausKeiruwä» in seiner Clavis zum Talmud (Mafteach schel Mangle Ha-Talmud, von Jak. Goldenthal nach einer alten HS. zum ersten Male edirt: Wien, 1847, 8), der noch dabei (3d) den Ausdruck nD'flD -llrfttin d» h. Abschließung des Talmud's gebraucht. Das Sestr ha-Kabbala (30 b) hat ‘iiDI?nn HD'nri und für den verbalen Ausdruck ^DDn Dßbnn m Dnn (D"D) und in diesen Ausdrucksweisen bewegen sich alle anderen Chronographen.— 933) Scherira (GR.) 38. — 934) Kerem Chemed IV. 187. Wörtlich heißt es daselbst: „Im Jahre 811 (Ae. s.) verschied R'Abina, der Besim'^ u. 2C. angegeben, und diese alte Zeitangabe haben dann die später« Chronographen, bald mehr bald weniger genau, auf die Jahre nach der Schöpfung übertragen und auf das Jahr 4260, eigentlich jedoch auf 4258, n.d. Schöpfung, festgesetzt.u36 Anderweitige nähere Bestimmungen über die Zeit der Talmudabschließung sind noch das Todesjahr R'Abina’ö, 937 oder das 24. Jahr im Rektorate des Jose aus Be- Chattim in Pum- Badita, 938 oder das 73. Jahr nach dem Tode Asche's,^ was natürlich mit dem bereits erwähnten Datum, nämlich 81 l Ae. sel., 4258 n. d. Sch., 498 n. Chr. genau zusammenstimml. Eine seltene, eigenthümliche aber doch in vielfacher Beziehung wichtige Fixirung der Abschließung des Talmud's nach Jahren vor der Hegb'ra finden wir in dem Ueberlieferungsbuche.des Abraham b. David; dort wird nämlich angegeben, daß der Talmud 123 Jahre vor'der muhammedanischen Zeitrechnung geschlossen wurde. 940 —t>) schließe:- der traditionalen Lehre; der Talmud wurde besiegelt und es folgten nun die saboräischen Lehrer". Bei dieser Gelegenheit will ich noch bemerken, daß eine dunkle Stelle daselbst (1. c. S. 188), die noch Niemand erläutert hat, eigentlich auf dasselbe 'Datum hinauslä'uft. Es heißt da nämlich nach, der Recension des Machasor Vitry: ■PH D'Orcr ymNl DWD 'Wür worunter Hun a-M ar e gemeint ist, der 296 n. Chr. gestorben, und von da bis zum Tode R'Abina's sind wirklich 204 Jahre, wenn man die bei den Chronographen übliche runde Summe von dV 7“I für den Tod Abina's nimmt. Das Seder Tannaim will damit eigentlich die Periode von 188 n. Chr. bis 598 in zwei Hälften theilen, deren eine von 188—296 und deren andere, als die der Sof Horaa, von 296—498 reicht. — 935) Mafteach 1. c. Die nn&tth N^nn erläutert Nisfim mit den Worten: DnDJt£> in MM p)DD rmO lofa “iobnn. — 936) In der Zurückführung des Datums 811 Ae. s. auf die Jahre der Schöpfung (D^yn m^b , \')üb, m"p!?) Hut Sefer Ha-Kabbala (1. e.) 4260, und ebenso Schalschelet (26 a); allein hier ist blos eine rund^e Summe angenommen und schon Seder Ha-Dorot (45 6) meint, es wäre eigentlich 4259. Es ist jedoch 4258. Sonderbar erscheint die Angabe in Jelod Dl am, wo es heißt: Und sie besiegelten den babylonischen Talmud im Jahre 4265. Allein dabei hat der Verfasser offenbar den Jose aus Be-Chattim im Sinne gehabt, der, wenn man für den Tod Abina's 4260 nimmt, erst 4265 gestorben. — 937) Scherira 1. c.; Nissim I. c.; Seder Tannaim U c. — 938) So heißt es in Sefer Ha-Kabbala (1. o.)r „Und im 24. Jahre des Amtes des Jose wurde der Talmud besiegelt", welche Bestimmung Ged. Jbn Jachja in Schalschelet (I. o.) wiederholt (s. oben S. 240). Jedoch ist für *td zu lesen /s, oder wir müssen annehmen, daß um Ein Jahr die Angabe differirt. — 939) Sefer Ha-Kabbala 1. e. Da Asche 426 gestorben, so fällt der Talmudabschluß natürlich mit der gewöhnlichen Angabe zusammen. Wenn jedoch Je so d Dlam 70 und Schalschelet (1. 0.) die runde Zahl 80 hat, so ist das nur als runde Zahl ungenau. — 940) Sefer Ha- Kabbala 1. o. heißt es: ]'Omb DUp) 40*