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Der Orient · 1848-09-30 · Heft 40 (30.9.1848) · p. Seite 316

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 40 (30.9.1848)
Date
1848-09-30
Page
Seite 316 (sequence 7)
Language
German
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— 316 — vier Ab Heilungen: 1) Wir wollen nicht die-Ungercchtigkeit begünstigen, sondern das Recht vertheidigen. 2) Wir wollen nicht der Willkür Vorschub leisten, sondern ine' gesetzmäßige Freiheit unterstützen. 3) Wir wollen nicht die Rohheit pflegen, sondern die Kultur fordern. 4) Wir wollen nicht den Aufstand schützen, sondern den Thron unseres erhabenen Königs befestigen. In der dritten Abtheilung weiset Hr. Ä ö w. treffend nach, worin die Bestimmung und die Aufgabe Ungarns im europäischen Völkerverbande bestehet. Ungarn stehet als Grenzmarke da zwischen dem Osten und Westen, zwischen europäischer Bildung und asiatischer Rohheit, der ungarischen Ration kommt also jener hohe Ruhm zu, wie, ein Cherub mit flammendem Schwerte Wache zu halten und das Paradies der europäischen Bildung auch jetzt wie ehedeni gegen den wilden Einbruch der Barbaren zu schützen. In der vierten Abtheilnng stellt Hr. Low, folgende schöne Vergleichung an: Als ehemals König Hiskia die Altäre aller Götzen niederriß, so suchte hiemit ein Gesandter des assyrischen Königs das jüdische Volk gegen ihn aufzureitzen und klagte denselben der Gottlosigkeit an, in einer Anrede an das Volk rief dieser Aufwiegler ans: Und so Ihr zu mir sprechet: Wir verlassen uns auf der: Herrn unfern Gott. Ist cs eben nicht der, dessen Anhöhen und Altäre Hiskia uiederriß. (2 B. K. 18, 22.) Ganz so, ruft unser Redner aus, verfahren auch jene Aufwiegler, die unsere Freiheitsmänner der Treulosigkeit gegen den König anktageu, die doch nichts mehr gethan, als daß sie die götzendienerischen Altäre der falschen Räthe niederrissen. St. Weißenbuvg, Sept. Aus meinem langen Stillschweigen werden Sie vielleicht vermuthet haben, daß ich bei dem beabsichtigten hiesigen Judcnkrawall im April körperlich oder doch geistig todtgeschtagen worden bin, und doch kann ich Sie vom Gegentheil versichern, daß dies nicht der Fall ist. Von unserer Lage in Ungarn kann ich Ihnen nichts Bestinuntes mittheilen; bald stehen wir besser, bald schlimmer, bald so wie vor den Märztagen, mit jedem Tage ändern sich unsere Aussichten und Hoffnungen. Die Hauptschuld, daß wir bis jetzt in Ungarn noch nicht emaucipirt sind, tragen vorzüglich das Spießbürgerthum in einigen Freiftädten, welches wie das habsüchtige Kind die Freiheit nur für sich allein haben will, anderseits das hasenfüßige Ministerium, das in seiner allzngroßen Furcht vor jedem Gassenlärm sich mit diesem recht unartigen und polternden Schooßkinde vertragen zu müssen glaubte. Das Ministerium hat sich aber durch seine anderweitigen Anträge, z. B. seinen konfessionellen Unterrichtsplan, vorzüglich aber in der italienischen Angelegenheit tttib bei der schwarz-gelben Truppenausstellnng sehr unpopulär, ja sogar reaktionär gezeigt, dazu noch der Umstand, daß sich Ungarn in jüngster Zeit von Seiten Oesterreichs mit Verrath allenthalben umgeben sieht, woran e6cu dasselbe Ministerium durch sein Zögerungssystem die meiste Schuld trägt, dies alles erregte eine mächtige Opposition, die auch unsere Sache mit ins Schlepptau nimmt, das Ministerium steht am Vorabend seiner Auflösung. Unter den vielen Resormverciuen, die in neuerer Zeit auch in Ungarn auftanchtcn, hat sich bis jetzt der einzige in Pesth aus mehrern hundert Mitgliedern bestehend konstituirt. Hr. Einhorn, Redakteur des ,,Ungarischen Jöraeliten" ist als Seelsorger dabei angestellt und befindet sich gegenwärtig in Berlin, um die Reform zu stndiren. — Er will jedoch sein Blatt nicht als Organ der Reform betrachtet wissen, der Seelsorger der Reform ist eine eigene, und der Redakteur deS Israeliten auch eine eigene Person. Ein solcher Dualismus ist jetzt in Ungarn nicht neu, ja unser Freiheitsheld Kossuth äußerte sich bei der ital. Angelegenheit, daß er als Privatinan die größte Sympathie für dieses unglückliche Land hegt, jedoch als Minister die Befolgung anderer Grundsätze für .gut findet«. Herr Schwab hat auf Aufforderung seines Vorstandes ein sehr kräftiges Gutachten gegen den Reforrnverein erlassen, worin er ihm unter Andern vorwirst, daß er seiner: Meister, den Berliner Reformverein, durch die faktische Verlegung des Sabbats auf dm Sonntag schon übertroffen hat. Der Zweck dieser Broschüre ist nicht die Reformer zu bekehren, als vielmehr deren weiteres Umsichgreifen zn verhinderrr. Der arme Schwab steht zwischen zwei Feuern, den starren Orthodoxen einermrd den radikalen Reformern andererseits. — Meine Gemeinde schreitet auf dem langsamen aber sichern Wege der historischen Entwickelung einer bessern Gestaltung ihrer Verhältnisse immer mehr entgegen nrrd so gelang cs mir trotz den überhandnehmenden Wirren, die in neuerer Zeit fast ans allen unfern Gemeinden schwer lasten, einen Choral-Sang, ferner manche neue Einrichtungen in das Gotteshaus wie auch in das soziale Leben einzuführen. Den 2?. d. M. weihen wir urrsern neuer: Tempel ein. ' Ich befasse mich jetzt mit einem,,Entwurf zn einer neuen Hexapla", wo ich die Septuaginta, zwei chatdäische und zwei lateinische Versionen zum Original- Texte hinstelle und in Anmerkungen die vom Texte abweichenden Varianten gebe und zugleich ihre Begründung oder Nichtbegründung nachzuweisen suche. Zipser. Pesth, 10. Amg. (Fortsetzung.) Nachdem sich die Herren Dr. Groß aus Bihur und Dr. Schön aus Aemplin über das nützliche Wirken dieses wahrhaft würdigen und patriotischen Vereins, über sein Bestreben, Ungar. Element, Gesinnung, Sprache und Gebräuche immer mehr unter unfern Glaubensgenossen zu verbreiten/ besonders lobend ausgesprochen, und die Nothwendigkeit hervorgchoben, die statistischen Daten zu sammeln, da selbe als mächtiger Hebel zur Verbesserung unserer Verhältnisse dienen können, so wirdallgemein das Wirken dieses

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