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Der Orient · 1848-09-30 · Heft 40 (30.9.1848) · p. Seite 315

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 40 (30.9.1848)
Date
1848-09-30
Page
Seite 315 (sequence 5)
Language
German
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315 ctttct' sehr peinlichen Lage. Wohin sie sich auch halten, haben sie eine starke Partei gegen sich. Allein die Inden. sind deutsch, und müssen Deutsche bleiben. — In Pestch müssen fast alle waffenfähige jüdische Jünglinge zmn Militär gehen. Darin hat man sie emaneipirt. Sie sollen den Magyarismus vertheidigen, der nicht den Muth hat, sie 31t cmaneipiren, während die Kroaten längst die Gleichstellung ausgesprochen haben. —- Merkwürdig, daß bis jetzt lauter Juden vor dem Preßgerichte standen. Engländer, der witzigste jüdische Journalist, hat nun den zweiten Prozeß. — Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß der Minister Doblhoff sich an einen jüdischen Journalisten, wegen der Gründung eines ministeriellen Journals, gewendet hat. In der Journalistik werden die Juden also anerkannt. — S. Deutsch hat von Frankfurt aus die Mission erhalten, wegen der Gründung einer freien Akademie mit dem Ministerium zu unterhandeln. Derselbe erläßt auch einen Aufruf zu einer mährischen Rabbinerversammlnng, damit die Herren Rabbinen endlich aus dem Schlupfwinkel des Nichtsthnns hcrvortreten und sich zum Lichte bekennen. Prag, 4. Sept. Die Auswanderungen nach Amerika sind hier stets im Wachsen begriffen. Natürlich tragen die Czechomanen die meiste Schuld. In dem deutschen konstitutionellen Klub sitzen viele Juden und das erbittert die Czechomanen. — Notorisch ist es, daß die jüdischen Wahtzettel auf dem Nathhause unter den Tisch geworfen wurden. Mit Ausnahme zweier Kirchen wird überall in czechischer Sprache gepredigt. Man wird es daher den Juden sehr verargen, daß sie nicht czechisch predigen. Mit einem Worte, die hiesigen Zustände sind sehr betrübend. Oesterreichrsche Nebenländer. Pesth, 8. Sptbr. Der Kandidat Einhorn ist vom hiesigen Neformvercin nach Berlin geschickt worden, um die dortigen Einrichtungen kennen zu lernen. Berlin ist also ein zweites Jerusalem geworden, wohin nicht blos die Demokraten, sondern auch die Reform wallfahrtet. Hr. Einhorn hat auch in Berlin gepredigt. — Die Wirren mit den Kroaten bedrohen die jüdische Handelswelt in einem sehr hohen Grade. Die Inden opfern Gut und Blut für die Magyaren, die eö in der That nicht verdienen, da sie zu feige sind, um die Juden zu emancipiren. Auch von hier aus steht eine 'große Auswanderung nach Amerika bevor. Die Wanderungen der Inden haben im Jahre 1848 noch nicht cmfgehört. St. Weißenburg, 12. Sept. Kann ich auch für jetzt Ihrer freundlichen Aufforderung, den Lesern des Orients eine genaue Bibliographie der von Seite der ungarischen Juden herausgegebenen literarischen Werke vorzuführen, nicht entsprechen, so sehen Sie dies keineswegs als eine Abweisung des in unserem eigenen Interesse gestellten Verlangens an, vielmehr glaube ich zu einem solchen Unternehmen mir Zeit und Muße zu lassen, wie auch die gehörigen Materialien und Hülfsmittel mtterdeß verschaffen zu müssen, um dann etwas Ausführliches Ihnen mittheilen zu können. Für jetzt diene Ihnen folgende Notiz, daß unsere Leistungen im magyarischen Gebiete m eine vierfache Verzweigung auslaufen. Den Anfang machte die Übersetzung der Bibel und der Gebete, manche kleinere Schul- und Religionsbücher für die Jugend, Predigten und Gelcgenheitsreden, die durch besondere, vorzüglich nationale Begebenheiten hervorgerufen worden, bilden das zweite Stadium. Literarische Werke, belehrende oder unterhaltende Schriften folgten bald nach, was die dritte Phase des Magyarismus ausmacht und jetzt befinden wir uns aus einer vierten Stufe, wo der Kampf für Freiheit und Gleichheit von unfern Glaubensgenossen energisch geführt wird. Jndeß ist Alles blos Anfang, das Meiste haben bis jetzt Bloch, durch seine Blbclübersetzuttg, Schwab durch eine in ungarischer und deutscher Sprache abgefaßte Religionslehre, Löw durch mehre Predigten und der ungarische Leseverein in Pesth durch seinen Nap tür geleistet. Bei dieser Gelegenheit will ich blos auf eine jüngst von L L w erschienene Predigt aufmerksam machen, sie führt den Titel: „Az Islen Teliink ■vogyon Täbori Beszed.<c ,,Gott ist mit uns" eine Feldpredigt. Es ist nicht die Predigt an und für sich, sondern der Umstand, dem sie ihr Dasein verdankt, warum jetzt ihrer vorzüglich Erwähnung geschieht. Hr. Löw als muthiger Kämpfer für Hans und Heerd längst bekannt, bot sich als solcher in jüngster Zeit auch für das ungarische Vaterland an. Die Papaer Grundherrschaft forderte nämlich die dortige Nationalgarde, in der auch die Juden stark vertreten sind, zum Ausmarsch nach der kroatischen Grenze auf. Während die christliche Geistlichkeit sich durch mancherlei Ausflüchte davon zurückzuziehen suchte, ist es der jüdische Rabbine, der mit Zurücklassung seiner theuern Familie sich muthig der kriegerischen Schaar anschließt, um ihr Trost und Gottvertrauen auf. diesem beschwerlichen Wege cinzuflößen. Dieses bildet auch den Stoff der Rede, die Hr. Löw auf Aufforderung der gesummten Nationalgarde unter freiem Himmel an dieselbe hielt. Sich an Jesai 66, 6 lehnend, weiß der Redner gleich anfangs diesen Umstand meisterhaft zu benützen und begeistert spricht er die Werte: „In einem erhabenen Tempel, in dem weiten Tempel der großartigen Natur haben wir uns versammelt, um das Opfer unserer heißen Andacht in unserm Herzen anznzünden und unser Gebet als Weihrauch zum Himmel emporsteigen zu lassen." Die Rede selbst, der 5 Mos. 31, 6 zum Texte dient, sucht die Versicherung der göttlichen Hilfe in diesem Kampfe ans einem vierfachen Grunde darzulegen und zerfällt also in 40*

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