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Der Orient · 1848-09-23 · Heft 39 (23.9.1848) · p. Seite 310

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 39 (23.9.1848)
Date
1848-09-23
Page
Seite 310 (sequence 11)
Language
German
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Keiner wird zu finden sein, . der äuftritt mit der Verkündigung: „ich ruft den Bauer hinter dem Pfluge Hervor, ich ruft die Kindlein zu mir Und den Sklaven von seiner schweißtriefenden Arbeit- und ertheile ihm feinen Antheil an Gottesliebe und Freiheit, welchen ihn Niemand rauben kann, weil sein Ursprung fester begründet ist als der Stand der ewigen "Sterne." Das hat erst Christus gethan und Diejenigen', welche seine befreiende Lehre zur Sklavcnsatzung machten, sie haben nicht nur sich an ihm bersündigt, sie haben die Menschheit gelästert. (Beifall). Obwohl ich mich nun der Hervorhebung ewiger Grundwahrheiten freue, glaube ich doch nicht, daß der eingeschlagene Weg der Fortpflanzung beglückender Wahrheiten günstig sei. Es ist aus den Jndifferentismus viel losgeschölten worden, und gewiß, jenes indifferentes Phlegma, dessen Behaglichkeit durch jeden angestrengten Entwickelungskampf, durch jeden Anspruch aus entschlossene Selbstständigkeit gestört wird, verdient herben Tadel. Mit dem Jndifferentismrls ist es aber ebenso, wie mit jeder Aeußerung der Seelenruhe; ein Zeichen von Stumpfheit uitto Herzlosigkeit, wenn sie angeboren, das Edelste und Höchste aber, wenn sie selbstständig errungen ist. Der Jndifferentismus gegen Religionsformen, wenn er das Resultat derTäuschungen und Zweifel und . endlichen Klarheit ist, welche der Mensch in bangen Nächten seinem Genius abgerungen hat, er ist eine schöne, werthvolle Blüthe des forschenden Geistes. Ach wären wir soweit, daß alle Menschen auf diese Art in religiöser Hinsicht zur Indifferenz gelangt wären, dann käme das Gottesreich. Sein Recht verschaffen, können und sollen wir Jedem im Staate, das ist des Gesetzgebers Pflicht, ist des Bürgers Anspruch, einen hohen Standpunkt verleihen, können wir nicht, dazu muß jeder Einzelne sich selbst verhelfen. In den dunkelsten Zeiten hat es Männer gegeben, die sich einen solchen innerlich erkämpften; sie standen wie einsame Felfengipfel da, welche ein schwaches Roth beglanzt, während die Thäler im Finstern liegen. Nicht auf Jeden steigt Begeisterung hernieder und eitet ist hierin die quäkerische Weise, jene Einbildung des schwachen Geistes, als ein unwürdiges Gefäß erleuchtet zu werden durch Aufnahme der erleuchtenden Gottesgnade. Nicht in schlechte Gefäße senkt sich der messianische Kern, sondern wie goldene Aepsel in silberne Schalen, bietet sich die endlich erkannte Wahrheit dar. Pfuscherei ist Sünde und fromme Pfuscherei ist doppelte Sünde, nicht nur gegen den guten Geschmack, sondern auch gegen die Religion. Der Deutfchkatholicismus war in matter Zeit ein Surrogat für die allge- * meine politische und geistige Freiheit, ein treffliches, anerkennenswerthes, edles Surrogat. Wir haben die Männer, »welche ihn unter Hemmnissen jeder Art begründet haben, um ihre edle Anstrengung zu preisen. Erlauben Nie mir jedoch, das Wort unseres hochgeehrten Pfarrers, Herrn Floß noch zu steigern: wären alle rönnschkatholischen Geistlichen so gewesen wie Kuenzer, es hätte me einen deutschkatholifchen Geistlichen gegeben. Ebenso wären alle Rabbiner seines gleichen gewesen , während doch äußerst selten ein Vereinzelter es war, es wäre nie ein jüdischer Reformvererein ausgetreten. (Beifall.) Aber was soll uns ein Symbotum helfen, eine Aufstellung von Glaubenssätzen, an deren jedem die philosophische Wort-Kritik, die geistige Sachkritik sich versuchen wird. Nein statt Freiheit wird es eine neue Knechtschaft sein, wir werden wieder eine Kokarde am Hute tragen, - da doch geläuterter Glaube eine blühende Rose am Herzen sein sott. Der Abgeordnete Hr. Professor Wigard, hat das richtige Wort gesprochen. Freie Versammlungen werden wirken, in denen Gleichgesinnnte sich erkennen und Gegner sich annähern; sie werden wirken wie jene Sonnenwärme,^ vor welcher der Wanderer seinen Mantel ablegen mußte; wie Tropfen, die den Stein anshöhlen. Ein gedeihlicher Weg, ans welchem als mächtigster Bundesgenosse die freie Schule sich anschließen muß. Wenn Moft auch nicht jeden Theil und Anhang seiner Lehre auf das Ewigwahre bauen konnte, Eines hat er verstanden und gethan , was gelten wird, so oft neue Lichtgedaukm in die Menschheit cuttreten, er hat das alte Geschlecht aussterben lassen, damit das neue einziehe ins Land der Verheißung und der Freiheit (stürmischer Beifall). Mögen auch die Ansichten des hohem Jndifferentismuö hie und da bedenklich erscheinen, mögen die Grundsätze des freien Glaubens flach gescholten werden: wir wissen was der Charlatanismns der Tiefe zu bedeuten hat, wir sahen, was er hervvrzubringen vermag, in jener trüben Epoche, als er unter dem Schutze des gekrönten Romantiömus mit den Privilegien des Mittelalters hausiren ging. Lessing's Natan der Weise und Josefs Toleranz - Edikt sind für diese Herren Produkte der Flachheit; wenn aber-der Unterwäldner Bauer sich aus dummer Bigotterie zur Sonderbündelei verhetzen läßt, darin finden sie Originalität, Raeentüchtigkeit, charakteristische Kraft rmd Bedeutung. (Beifall.) Jene Ansichten sind flach wie der Oeean: flach für das blöde Auge, das nur die Oberfläche zu. schauen vermag, nicht aber mit der Taucherglocke des Geistes sich auf den Boden senkt Und ungeahnte Wunder all das Tageslicht zu ziehen versteht. Freier Glaube aber kein Symbolnm! Schön und ehrenvoll ist e§ , wenn Einer die holde Wärme der Jugend sich auch in reiferen Jahren erhält, wenn er sie trotz aller Quälerei in trüben Zeiten sich - bewahrt hat. Rein und edel ist auch das Streben unseres Haas, jeder gesinnungstrene Deutsche reicht ihm gern die Hand und drückt ihn im Geiste an das Herz; auch wir Versammelten danken ihm, daß er uns hier kredenzt hat den schäumenden Becher der Begeisterung. Dennoch aber glaube ich ün Sinne aller Freigesinnten Ihnen zuruftn zu dürfen: em religiöses Symbolum einer Reichs- oder Nationalkirche ist nicht der Berg Ararat, auf dem nach

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