Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 37 (9.9.1848)
- Date
- 1848-09-09
- Page
- Spalte 583-584 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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583 Studien. Die Emancipationsfrage es wird nicht lange dauern, und Juden sitzen im englischen Parlament — trotz Zopftund Lord und Oberhaus. Charakteristisch ist, daß die beiden der Judenbill günstigen Beschlüsse im Unterhause vor dem 24. Februar, die Abwertung derselben im Oberhause aber nach dem 24. Februar 1848 erfolgt ist. Die sociale Revolution, die in Frankreich und Deutschland so heilsame Veränderungen hervorgerufen, scheint also spurlos vor den edlen Lords vorüber gegangen zu sein, sie haben wie ihre Gesinnungsgenossen von früher, die Bourbons, unseligen Andenkens, Nichts gelernt und Nichts vergessen; gethan aber haben sie Etwas: sie haben sich blamirt. Sie, in deren Lande die Juden schon bürgerlich gleichgestellt sind, und wie selbst die Gegner im ' Unterhaus^ wenigstens zugegeben, sich ehrenvoll auszeichnen, sie schütteln verneinend ihre bezopften Häupter, da, wo es gilt, die den Würgern als solchen gleichgestellten Juden sich selbst, den Parlamentsmitgliedern gleichzustellen; und zwar zu derselben Zeit, in der Deutschland seinen bisher nicht einmal bürgerlich gleichgestellten Juden Theilnahme, einräumt an dem höchsten Rechte, an der Wahl und Wählbarkeit zur deutschen Reichsversammlungzu derselben Zeit, da Juden in Frankfurt, Wien und Berlin mit abstimmen über die wichtigsten Interessen Deutschlands. Man sieht daraus, wie Deutschland, wie das wegen seiner Judenbedrückung bisher oft und mit Recht verschrieene deutsche Volk, doch in der Humanität etwas weiter vorgeschritten ist-, als die englischen Lords. Das gegenwärtige gesetzliche Verhältnis; der Juden Englands zu denen Deutschlands ist nun dergestalt, daß die Einen die Rechte haben, die den Andern fehler; die deutschen Juden haben nur das Parlamentsrecht, die englischen aber alle Rechte außer diesem mit ihren christlichen Mitbürgern gemein. Jndeß dies wird nicht lange andauern; in wenig Wochen wird Deutschland seine Ehre gerettet — die Juden gleichgestellt haben. Das Ergebniß der Judenfrage in Frankfurt erscheint uns ganz unzweifelhaft, unserer vollen Gleichstellung sehen wir mit bestimmtester Gewißheit entgegen, denn in Frankfurt t a g t k e i n O b e r h a u s, sondern e i n e V o l k s k a m m e r, ein „Haus der Gemeinen". Lassen wir uns indeß durch den Erfolg nicht abschrecken, die vorliegenden Verhandlungen des Unterhauses näher zu betrachten. Die nächste Veranlassung zur Einbringung der Bill war die auf Leonel Rothschild gefallene Wahl der City. Das Haupthindermß aber für den Eintritt eines Juden ins Parlament ist die Eidesformel' „auf den wahren Glauben eines Christen". Lord John Rüssel brachte nun die Bill in folgender Fassung ein: „Es sei zweckmäßig, alle bürgerlichen Beschränkungen aufzuheben, die gegenwärtig noch auf den der jüdischen Religion angrhörigen Unterthanen Ihrer Majestät lasten, mit denselben Ausnahmen, welche für die römischkatholischen Unterthanen Ihrer Majestät statuirt worden sind." — Außer dem Antragsteller sprachen über diese Bill in England. Biographische Skizzen. 584 am 16. und 17. December 1847 20 Redner und zwar zehn für, zehn .gegen den Antrag. Betrachten wir zunächst die Gegenreden, so müssen wir unsere Freude darüber aussprechen, wie würdevoll im Allgemeinen der Gegenstand behandelt wurde/ und mit welcher Achtung selbst die Gegner von den Juden sprachen. Wir würden dies nicht hervorheben, wenn wir nicht bisher von unfern deutschen Miniaturkammern so verwöhnt worden wären, bei jeder Verhandlung über die Judenfrage Eisemnengerische Phrasen, feindselige Anklagen,' ja mitunter gemeine Schimpfreden auf die Juden zu Horen. Kein Wunsch, es möchten die Juden sich vermindern, sie möchten ausrvandern, keine Befürchtung, sie würden das Land überschwemmen, wie wir sie oft auf sächsischen und anderen Landtagen hören mußten, kam hier zum Vorschein., Glücklich wir, wenn unsere Gegner auf den Landtagen sich stets so würdig gehalten hätten, wie die Gegner der Bill im Unterhause; unser rechtlicher Zustand wäre vielleicht nicht gebessert, ■ aber das Vorurtheil, der Aberglaube, der Judenhaß im Volke, sie waren verschwunden, wenn die Vertreter des Volkes auf den Landtagen weniger vorurtheilvoll und gehässig gesprochen hätten. Unter diesen ehrenhaften Gegnern nimmt die erste Stelle Lord Ashley ein. Er ist der Ansicht, „der Staat dürfe allen, denen, die sich nicht zur Staatsreligion bekennen („auch Bekennern christlicher Sekten!") Beschränkungen auferlegen, und von diesen Beschränkungen dürfe man nur dann absehen, wenn irgend ein Vortheil für den Staat daraus erwächst, oder sich die Nothwendigkeit desselben herausstellt" (d. h. wenn die Beschränkten eine numerische Macht bilden und Miene machen, sich das mit Gewalt zu erzwingen, was man ihnen gutwillig nicht geben mag, wie dies bei der Katholikenemancipation der Fall war, und wie es bei den 30— 40,000 englischen Juden nicht zu befürchten steht) „Beides sei nicht der Fall, im ganzen Lande werde die Judenfrage sehr gleichgiltig ausgenommen." Nach diesen Worten aberschließt Lord Ashley mit einer Lobrede auf die Juden, die, wie der Redner nach ihm nachweisr, seine Gegengründe sehr entkräften muß. (Beschluß folgt.) Biographische Skizzen. XXIII. Iehudrr MjjLfch (t£/Nv>y), ein Schüler des 1729 (O. CH. G. 14) noch lebenden Salomo Zeror, Rabbiners in Algier, wird etwa um 1690 geboren und um 1750 gestorben sein. Im Jahre 1714 (Orach Chajjim Gutachten 9) war er Vorsteher der Unterrichtsgesellschaft, später Dajjan in Algier, hielt sich vielleicht 1738 in Almadia, einem unfern Algier belegenem Dorfe auf (CH. Ha-M. G. 8), machte 1745 der Herausgabe seiner Werke wegen eine Reise nach Livorno