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Der Orient · 1848-09-09 · 37 (9.9.1848) · p. Spalte 581-582

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
37 (9.9.1848)
Date
1848-09-09
Page
Spalte 581-582 (sequence 3)
Language
German
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581 582 Kritiken. Verhandlungen über die Emancipation. Angez.v.E. Lehmann. I cher von einem .Engel gebraucht wird. Es ist dies etwa | wie ' der Hegelische ,,Wcllgeist" zu nehmen. Dieser l Ausdruck kann übrigens allerdings auch mit der tal- 1 mudischen Engellehre Zusammenhängen, die allerdings J auch wieder aus gewisse Metaphern zurückzuführen ist. , Manche paradox k'tillgeude Stelle des Talmuds hat eine speeiell jüdische Farbe, und diese sind ebenfalls von 1 jüdischen Gelehrten auf sehr geistreiche Weise erklärt wor- } den. So z. B. die Stelle rvssD pfipav napn ,,Gott 1 hüllt sich in Schaufädm" welches unser Caspi (Amude ] Kesef) auSlegt ,,Gott ist verhüllt in.den Erscheinun- { gen". Es ist diese Erklärung geistreich, aber man hat?! nach der Enthüllung der Allegorie doch nur das früher Ü schon Bekannte nur erfahren. j Maimüni war der Gipfelpunkt jüdischer Erui dition. Sein Buch „der Lehrer der Verirrten" blieb! der Mittelpunkt aller Bildung und aller Polemik. (Fortsetzung folgt). j Die Grundidee der Stelle des Buches Jezira (!l. 4): nm pN) 'äty'o rhytb mim pN nmi? p^D nn — Mv rcöüb l Wörtlich übersetzt heißen die Worte: im Guten giebts nichts höheres als Vergnügen, im Schlimmen giebts nichts widrigeres als den Aussatz". An und für sich, ist dies sehr klar. Der allegorische Sinn, den diese Worte enthalten, und der Verfasser desselben hat diese Worte allegorisch gebraucht, ist der, daß es in der Natur selbst an und für sich weder Gutes noch Böses grebt, alles bestehet aus denselben Be standtheilen, in dieser oder jener Mischu ng. Der Edelstein und der Stein in der Blase Haber einen Urspru ng u. f. f. Diese Idee-ist philosophisch und sehr wichtig für die Erkenntniß des Allgemeinen. Dieser Gedanke nun ist fthr geistreich an zwei hebräische Worte geknüpft, die aus denselben Buchstaben bestehen und verschieden gesetzt sind, nämlich (O n e g,Wonnc,Wergnügen1 und yjj (Nega, Plage, Aussatz). Wir begnügen uns hier mit dieser Andeutung, anderwärts mehr. Weder Hr. v. Mayer, der deutsche Uebersetzer des Buches Jezira, noch Hr. Prof. Franck in. seinem Buche über Kabbala, haben Rücksicht ans den wahren Sinn dieser Stelle genommen. 4) Im Talmud findet man Engel angeführt, welche über gewisse Gebiete der Natur sowohl innerhalb als außerhalb j des Menschen gesetzt sind. Diese Engellehre ist älter als der? Talmud, sie findet^ sich bereits in dem Buche der Weisheit. Daselbst z. B. (S/432 Kap. 58, 9) ist der „Geist des Meeres" erwähnt. Im Talmud lesen wir ebenfalls von Q' bw 'W* I Daselbst (S. 133) ist auch die Rede von „Engel des Lichtes", welcher Arsajaliuer in Aetiopischen heißt, und welches uns f so aussiehet, als entspräche es den hebräischen Worten | bw. Wenn im Talmud die Rede ist vom „Engel der sge- - fchlechtlichenj Lust" so sichet jeder hierin die j Metapher. Wie wir jetzt sagen: der Geist der Leidenschaft j u. f. w. 22) Verhandlungen des englischen Unterhauses über die Emancipatwn der Juden am 16. und 17. December 1847. Nach den Berichten der Times. Berlin, 1848, 8. Adolf u« Comp. Ein seltsam trauriges Gefühl überkommt uns, da wir gerade jetzt über vorliegende Broschüre zu' sprechen in Begriff sind. Vor einem halben Jahre Hätten w,ir diese Anzeige beschlossen mit den Worten: Wir zweifeln kaum, daß die Bill der Aufnahme der Juden ins Parlament auch im Oberhause durchgehen, und somit der letzte Stein von der Ruine der Judenbedrückung in England abgebrochen werde. Wie ganz anders müssen wir jetzt sagen, jetzt da das Schicksal der Judenbill entschieden ist, entschieden zu Gunsten des Mittelalters. Im Unterhause bei der ersten Lesung am 17.December 1847, wie wir aus den vorliegenden „Verhandlungen" ersehen, mit 353 gegen 186 Stimmen, bei der zweiten Lesung am 1 I. Februar 1848 mit 277 gegen 204 Stimmen angenommen , gelangte sie ins Haus der Lords, und — wurde abgeworfen. Die Herren von der Aristokratie konnten den Gedanken nicht ertragen, einen Juden neben sich sitzen zu lassen, einen Juden, dessen Stammbaum ja nicht bis aüfNormännische Eroberer, sondern nur bis auf Abraham zurückgeht, dessen Ahnen ja nicht die Kreuzzüge nach Palästina, sondern nur die Kreuz- und Querzüge durch das unduldsame -Europa gemacht haben. Also die Juden Englands sind vom Oberhause für unfähig erklärt, im Parlament zu sitzenz ein Beschluß, kränkend für die Juden, betrübend für den Freund der Menschheit, und doch abgesehen von dem Specielleren —- erfreulich. Er hat einen neuen, schlagenden Beweis geliefert zu der Ansicht, die Gott sei Dank doch endlich die übtt'wiegmde wird, daß das Zweikammersystem ein unzweckmäßiges, ein widersinniges ist, daß, so lange dieses besteht, der Aristokratie, und svnrit der Rückschritts- Partei, den egoistischen Feinden der Freiheit, freier Spielraum gelassen, ist zur Entfaltung ihrer die Volksfreiheit gefährdenden Pläne, zur Vernichtung freisinniger, zeitgemäßer Beschlüsse der Volkspartei. Erste Kammer oder PairSkammer oder Oberhaus, und wie diese Nebelgallerien alle heißen mögen, haben stets dem Willen des Volkes in seiner Gesammtheit sowohl, als seiner Vertretung in den zweiten Kanrmern, dem Unterhanse u. s. w. widersprochen und entgegengearbcitet. Am schärfsten tritt dies bei der Judenfrage und besonders bei den letzten Verhandlungen über diese im Oberhause hervor. Die City hatte einen Juden ins Parlament gewählt, in den bedeutendsten Städten waren Monstermeetmgs zu Gunsten der Judenbill abgehalten, und Adressen ins Parlament gesendet worden; das Unterhaus hatte sich bei zwei Lesungen für die Zulassung der Juden erklärt, und — das Oberhaus verwarf sie. Doch seien wir getrost. Die Sache der Judengleichstellung ist die Sache der Freiheit, wie diese, ist auch jene so mächtig , daß sie durch Nichts— und wäre es selbst ein Oberhaus — zurückgehalten werden kann. Wir glauben, 37 *

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