Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1848)
- Date
- 1848-09-09
- Page
- Seite 292 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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292 jüdischen Sklaven, den Ihr zurückgestoßen in die Nacht des Mittelalters , ist Euch ein furchtbarer Gegner erwachsen, der angezündet das Licht des neuen Morgenroths, geschürt die Gluth, worin die Schranken prasselnd auftoderten, zerbröckelt das Gebäude, das Ihr für unerschütterlich gehalten. Wie ein Phönix erhob sich der geknechtete Jude aus der Asche der Tyrannei, die ihm kaum die Lebenslust gönnte, und seine Flügel erhob er kühn in die Regionen der Freiheit, die Euch vernichtet. Ihr feigen Sklaven behauptet, der Jude kämpft nur für sich; Thoren! Glaubt Ihr etwa, der Jude würde am Dome der Freiheit mitbaueu , und dann in die'niedrige Hütte des Ghetto zurückkehren, um unter der Last von Ausnahmsgesetzen sich erdrücken zu lassen? Der Jude würde sein Blut in Wien verspritzen, sein Gut der Bewegung zum Opfer bringen und daun die Arme ausstrecken, damit man ihm die alten Ketten anlege, den Rücken hinreichen, damit das alte Gesetzbuch ihn zu Boden drucks? Wenn er das thäte, dann wäre er verächtlich! Wer für die Freiheit sich begeistert, sich ihr hingiebt, will und muß und wird auch selbst frei sein. Der Jude will sich auch an die Tafel setzen, die er hat mitdecken helfen, und die Speisen dieser Tafel darf selbst der altorthodoxe Jude genießen. Die Juden, haben wacker gekämpft; sie wollen auch den Orden der Freiheit erhalten. — Der P r e sse in Wien, in ihrem Verhältniß zu den' Juden, müssen wir einen besoudern Artikel widmen. - Ad. Iellinek. Deutschland's vereinigte Staaten. Leipzig, 1. Sptbr. Als Vorbereitung für die Abgeordneten zu der Versammlung nach Jena in Betreff der Reorganisation der Universitäten Deutschland haben die Professoren und Docenten hier einige Vorversammlungen gehalten, um die dort anzubringenden Anträge kennen zu lernen. Es wurden gegen 30 Anträge den Abgeordneten mitgegeben, nachdem sie vorher in der Versammlung berathen und angenommen worden sind. Unter diesen ist auch der von Dr. Fürst, der 6 verschiedene Anträge gestellt, über Aushebung aller Konfesflonsunterschiede für die Lehrbefähigung an den Universitäten, welcher die Leser ürteressiren dürfte. Er wurde gegen zwei Stimmen angenommen. Dresden, 2. Sept. (Nekrolog.) Sonntag den 27. Aug. erlitt die israelitische Gemeinde Dresdens leider den Verlust eines ihrer gcachtetsteu und geliebtestcn Mitglieder, des allgemein von seinen Mitbürgern jeder Konfession, die ihn kannten, wegen seiner strengen Rechtlichkeit, Wohlthatigkeit und friedlichen liebevollen Gesinnung hochgeschätzten Bankiers M. Schie, der in seinem 68sten Lebensjahre nach langen,- mit musterhafter Ergebung ertragenen Leiden in die ewige Ruhe einging. Er verdient als'Familienvater, als Mitglied seiner Gemeinde sowie als Bürger seiner Stadt gleicher Weise unter die Vorzüglichen gezählt zu werden. Durch seine Redlichkeit' und fern emsiges Streben im.Geschäft erwarb er sich das Vertrauen seiner Mitbürger dermaßen, daß jein 1818 ctablirtes Bankiergeschäft, in kurzem eins der blühendsten itub solidesten, an Umfang so sehr wuchs, daß er sich im Jahre 1823 bewogen fühlte, seinen Sohn Hrn. W. Schic, der ihm schon seit dem Jahre 1818 beigcstanden hatte, und im Jahre 1837 auch seinen Schwiegersohn Hrn. M. Meyer als Associes eintreten zu lassen. Durch diese Glücksumstände, größtentheils natürliche Folge seiner redlichen Strebsamkeit, wurde es ihm und seiner gleichgesinnten würdigen Gattin, welche ihm während einer 46jährigen glücklichen Ehe in allen seinen wohlthätigen Bestrebungen zur Seite stand, möglich, Allen, die sich an ihr liebendes Herz wandten, mit Rath und That hülsreich beizustehen. Aber nicht zufrieden, sich nur Einzelnen als Rather und Helfer zu bewähren, sorgte er auch mit echt religiösem Sinn für das Allgemeine, und unterhielt bis zum Vau der neuen Synagoge eine solche größtentheils auf eigne Kosten, deren musterhafte Leitung durch Ordnung, Geschmack und Anstand sie vor den andern damals bestehenden Privat-Synagogen so auszcichnete, daß man sie mit vollem Recht eine Vorschule des in der neuen Synagoge gcctt’iicteii Kultus nennen kann. Aber so theuer und lieb ihm dieses sein Werk geworden, so bereitwillig, wenn auch nicht ohne Wehmnth, gab er cs später auf, als es die Beförderung der Einheit durch die neu erbaute Synagoge erheischte, die er selbst durch bedeutende Beiträge unterstützte. Seinen Gemeinsinn und sein von Liebe geleitetes Streben bekundete er besonders in seiner 24jährigen Wirksamkeit als Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde, in welcher es ihm wie nur Wenigen gelang, durch Wohtthätigkeit, Besonnenheit und duldsamen, friedlichen Sinn, der sich nie beleidigt glaubte und immer nur Zwistigkeiten vorzubengen oder sie zu schlichten bemüht war, sich aller Gemeiudegtieder Liebe, Verehrung und herzliche Anhänglichkeit zu gewinnen; sowie er durch reges Interesse am Gedeihen der israelitischen Schule und durch freundliche Aufmunterung der Kinder die Liebe der Jugend sich in hohem Grade erwarb. Und so wie er ein hochverdientes Gemeindeglied war, so rechtfertigte er auch als Bürger das ehrende Vertrauen seiner christlichen Mitbürger dur-ch wohlwollendes Streben und pstichtgetrene Thätigkeit in seiner Eigenschaft eines Ausschußmitgliedes des Blindenvereins, der Gesellschaft für Rath und That und eines Mitgliedes der städtischen Armenversorgnrlgsbehörde. Trotz seines Leidens in seinen letzten Lebensjahren