Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1848)
- Date
- 1848-09-09
- Page
- Seite 291 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 291 - uitV so milde, unb fuhrt jetzt lauter Revolutionen lln Schilde. Früher kleiner Rabbiner, jetzt großerJakobiner. Marrat— Silberstein. Ein ganz feinJüd- Lein. Hat-von der jungen Freiheit sogleich profllirt, und mit einem Blättlern auf eigene Faust spekulirt. Das Blättlein war geheißen: „Der Satan", und war geschrieben wie der weise Nathan. Trotzdem war nach der Tage drei, „Satan" zum Teufel zu gehen so frei. Darauf der große Silberstein auf die Idee gericth, sich zu asfoeireu mit dem großen Seyfried. Seyfried der Ritter mit so viel Furcht und so wenig Tadel, Seyfried der jetzt Verlaugnet seinen Adel, Seyfried der Unbestechliche, Seyfried der Gerechte, der nie getadelt das Gute, und nie gelobt das Schlechte! Sie thaten mit einander berathen, aus dem „Wanderer" zu machen einen „Demokraten", statt der Komödianten, zu werden dc-S Volkes Advokaten! Es sind auf Ehre, Beide glellh große Charaktere, Beide gleich große Geister, Beide gleich große Schreibmeister. Zwei Seelen kein Gedanke, zwei Herzen von einem Schlag. Nach den drei Schreckensmännern konunen wir schließlich zu dem Manne, der in der Wissenschaft ein Alexander Humboldt, in politischer und historischer Bildung ein Dahlmann, Ln parlamentarischer Kunst ein G tigern genannt zü werden verdient, es ist dies unser großer und gefeierter: Mahler. Vor. der Revolution als Possenreißer und stehender Mitarbeiter der Elysiums-Programme ganz a u se i n e m Platze, glänzt er jetzt in der vordersten Reihe unserer radikalen Publizisten. Es fehlt Monsieur Mahler nicht nur das A B C einer politischen Bildung, es fehlen ihm überhaupt die Anfangsgründe eines wissenschaftlichen Unterrichtes. Die Unwissenheit gepaart mit der Gassenbuberci auf der breitesten Basis, und eine souveräne Keckheit aristokratischer Art lassen Mahler Dinge schreiben, die den Bessergesinnten durch ihre maßlose Frechheit verblüffen und wahrlich.— traurig machen. Denn wenn man das edle, und noch so junge Geschenk der freien Presse so in-den Koth zerren sieht; wenn man sieht, wie Individuen, die ihr Lebelang nichts als Wirthshausreferate geschrieben und deren Talent und'' Bildung auch nicht weiter als dahin reicht, jetzt in demselben Tone die erstell Fragen, und Mällner der Zeit besprechen; wenn man sieht, wie Leute gleich Mahler, sich zu den Beurtheilern der wichtigsten Institutionen des Vaterlandes, zur Belehrung des Volkes aufwerfcu, und einen dankbaren und großen Lesekreis stnden, dann muß einem eine wahrhafte Bangigkeit überfallen, daß' solche Saat nicht auch solche Ernte trage l" — — Der Leser wird leicht einsehen, daß hier Vieles karnkirt ist, und daß die Inden mit bcu Waffen der Satyre geschlagen werden sollten. Das Plakat ist eine kleine Entschädigung für die zahlreichen treffenden Hiebe, die E n g l ä n d c r — ein sehr witziger.Schriftsteller — jeden Tag der alten Partei versetzt. Wenn die guten schwarzgelben Wiener. Christen früher , täglich beteten: „Gieb uns unser tägliches Brod", so lalltet jetzt die Formel: „Gieb uns unsere täglichen judenfeindlichen Plakate!" Wie gestaltet sich aber in der That das Verhältniß der Juden zur Revolution und zur Presse in Wien? Wir wollen die Darlegung desselben versuchen. XXVI. Wenn in Paris, Berlin, Breslau, Hamburg, Karlsruhe, Braunschweig u. s. w. Juden dieVorkämpfer der Freiheit waren und sind, so auch in Wien. Metternich rrnd das alte System regierten noch in der Hofburg, da haranguirle Fischhof das Volk, zu einer Zeit, als die Gefängnisse des Spielbcrgs jcbcm Manne der Freiheit zuwinkten. Ein polnischer Jude, mit langem Barte und in alter Tracht, schleuderte zündende Worte unter die Massen. Spitzer fiel als Opfer. L. A. Frankl in Verbindung mit Andern machte zuerst Gebrauch von der Preßfreiheit, als Niemand es wagte, frei zu sein. Die ersten Journale, welche die Freiheit in glühenden Ausdrücken predigten, das Volk aufklärten, dieProvinzen bearbeiteten, wurden von Juden gegründet, und Haman-Meiternich wurde von mehren Mardcchai's entlarvt. Die Massen, die Basis einer jeden Revolution, wurden von Juden angeführt, geleitet, beherrscht./ Die Studenten, die kühnen jugendlichen Adler der Revolution, horchten aus Fischhoff, Goldmark, Frankl. Die Argusaugen, welche die Schritte der neuen Regierungen bewachten, stammten aus dem Ghetto. Bei jeder Bewegung nach Rückwärts zuckte die Presse ihre Brauen, und jüdische Federn diktirten Staatsgesetze. Pillersdorf mußte durch die Kritiken eines jüdischen Journalisten fallen. Der Sicherhellsauöschuß, der Wien beherrschte, die Freiheit schirmte, für Ordnung wachte, der Reaktion einen Damm setzte, zählte unter seinen besten Redner;:, Juden; und der Präsident desselben, dessen Name dm des Ministers überstrahlte , war Fischhof. Die fein gesponnenen Pläne der Reaktion, der Adelspartei, der Büreaukratie scheiterten durch die Be-, sonnenhell und den gesunden Sinn des nunmehrigen jüdischen Ministerialrathes Fischhof. Und woher waren die Juden, die historischen Sklaven und die Freiheits- Helden der Neuzeit? Aus Ungarn/ Mähren, Böhmen, Galizien n. s. w. Jede Provinz des Kaiserstaates lieferte ihr Kontingent. Und woher dieser glühende Freihellsdmst? ans der versiegten Quelle der Knechtschaft. Und woher der Frciheitömuth? ans den Ghetto's, den Schandrnalen der alten Tyrannei. Das ist die Nemesis der Geschichte. Ihr /alten Ministerial - Tyrannen habet die ganze Wucht Eures menschenfeindlichen Systems die Juden fühlen lassen, und habet sie gelehrt, die Freiheit schätzen-, lieben „ erkämpfen, eroberu. Aus jedem 37*