Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1848)
- Date
- 1848-09-09
- Page
- Seite 290 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 290 — Schreibmaterial, oder fehlt Euch der Geist? Gründet doch Journale, um das alte System zu verherrlichen, die Reaktion auf den Gipfel der Zeit zu erheben! Entfernt die Juden aus Wien — und aus dem Grabe erhebt sich die alte Zeit mit Kanonen, Bajonetten und Soldateska! — Die Reaktion, die alte und die neue, ist unerschöpflich in Plakaten gegen die Juden, die allerdings auch erwiedert werden. Fast jeden Tag kann man an den Mauern Wien's große, marktschreierische, gemeine Plakate gegen die Juden prangen sehen. Der Eine warnt vor den Juden; der Zweite sagt, daß ste Juden sind; der Dritte erzählt von den Juden; der Vierte giebt den Juden einen wohlmeinenden Rath u« s. w. Da aber sämmtliche Plakate aüö der Unterwelt der Reaktion stammen, so stehen sie auch in Miskredit. Um dem Leser eine Anschauung von der antijüdischen Plakatenliteratur Wierüs zu verschaffen, theilen wir eines mit, das sich wenigstens durch Humor auszeichnet. Inden Juli-Tagen wurde Wien durch folgendes Plakat erfreut, zumFrommen der Judenfeinde, zurBelustigung der Freien: ,,Die jüdischen Feder-Helden oder: Das politisch-literarische Schabeögärtle in Wien. Motto: Gottes seine Wunder, was haben wir für e Leut, Alle sind se gescheidt. Jtzig -der Jud im Faße. Ms die neue „Wallhalla" fertig ist, welche das dankbare Vaterland den radikal-mosaischen Federhelden Wiens bestimmt bauen wird , wollen wir ihnen einstweilen hier ein papiemes Capitolium widmen. So mögen sie denn eintretm in die Halle des Ruhmes, ohne Unterschied des ausgewechselten Ranges und der eingewechselten Religion. Es kommt da, gleich gekommen zu gehen ganz verwegen und keck: Dr. H. Jellinek, Sophist, Socialist, Fatalist, Antichrist, Talmndist. Schreibt Artikel in der ^österreichischen Zeitung", unterspickt mit gelehrten Citaten, und spaltenlangen historischen Daten, so unklar und unbegreiflich , wie sie sein Herr und Meister Schwarzer, (Minister der öffentlichen Arbeiten) -der gerne in ein mystisch-politisches Dunkel gehüllt ist, für sein Blatt nur wünschen kann. ■— Jell inekö Artikel durch einen Kommentar erläutern, wäre zwar ein mühsames aber gewiß höchst verdi erist l ich es Werk. - Ko lisch. Das Bild der rührendsten Anspruchlosigkeit, das bescheidenste Veilchen in unserem Schabesgärtle. Spricht nie von sich , ohne sich eine Liebeserklärung zu mache::, und nie von seinen unsterblichen Werken, ohne sich mit dem prächtigsten Lorbcerkranze die hohe Dichterstirne zu schmücken. Hört bescheiden jede Ansicht und nimmt demüthig jede Belehrung an. Hat übrigens Talent und Bildung, und wäre ein ausgezeichneter Publicist, wäre er den zehnten Theil so ausgezeichnet, als er ausgezeichnet-zu sein, von sich die unerschütterliche Ueberzeugung hat. En g lä n der. In der vormärzlichen Zeit ausschließlich priv. Lobessänger der k. k. Hofschauspielerin H c;6 b e l und ihres Gatte::, des übrigens trefflichen Poeten , Herrn Enghaus. Spielt seit dm Märztagen verschiedenes Kolorit. War schwarz-gelbig in der „Donau-Zeitung" und ist hochroth in der >,Katzenmusik". Nicht ohne Wissen und. Befähigung, aber'starker und geschwollener Phrasenmacher. Beck, Bruder des herrlichen Dichters. Macht als Redakteur der „Katzenmusik" zuweilen gute Späße, größtenthcils aber solche, daß er dafür verdient, eine: „Katzenmusik". Engel, Louis. Auch ein Literat? Pfui! Tauber. Macht nette Gedichte, höre ich aber seine Prosa, so wäre ich gerne ein — Tauber l Heller, Isidor. Vielleicht der begabteste und nnterrichtctste unter den großen Wiener-Wortführern in Israel. Schade, daß er sich mit einem Mahler associrt hat, wodurch sein Talent gemißbraucht und sein Name übclanrüchig wird. Frankl, Adolph. Seit IO Jahren sich mit Literaten herumtreibend, stets sich an Notabilitäten reibend, immer große und kleine Werke schreibend, stets ungedruckt, unbekannt bleibend! Stern. Ist dieser große Radikale, derselbe kleine Jude, der früher lauter talmudische Schriften schrieb, und dafür Geschenke von den allerhöchsten Herrschaften in sehr loyaler Weise einstcckte? Oder ist dieser Stern ein neuer geschwänzter Komet am politischen Himmel? Pollak, A. u. B. Liefern Artikel voll Gluth und Feuer, nämlich in der — Zündh'ölzel-Fabrik. Weinberg er. Steckt sein großes Licht in der „Laterne" auf. Kann sich damit „heimleuchten" lassen. König. Wir rufen ihm mit Göthe zu: Der Dichter und der König sie stehen b'eide auf der Menschheit Höhen, darum sollen sie auch miteinander gehen! Jetzt bitten wir um Respekt ganz feierlich, denn jetzt kommen zu gehen schauerlich, nngehenerlich, es kommen zu gehen helf uns Gott, es kommen zu gehen mit Guillotine und Schaffet, es kommen zu gehen, o wai! es kommen zu gehen, der Schrcckensmänner drei, es kommen zu gehen, habt Acht, die Hand an's Gewehr, Danton, Marrat, RobeSpierre, es kommen zu gehen mit feuriger Peitsch, es kommen zu gehen: Silbe r st e i n, Lö b c n st e i n, Deut sch. R o b e sp i e r r e — L ö b e n st e in. Generalissimus der radikal-demokratisch-mosaischen Schreckensmänner. Speit lauter Blut und Glut, schreibt lauter Dolche und Schwerter, spricht lauter Kanonaden und Barrikaden. . Ist die köstlichste Parodie eines Schreckenmannes, die possierlichste Figur eines Terroristen, aber sehr geachtet und gefürchtet von: Danton — Deutsch. War früher so sanft