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Der Orient · 1848-09-09 · Heft 37 (9.9.1848) · p. Seite 289

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 37 (9.9.1848)
Date
1848-09-09
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Th!r. M-M abonnirt bei allen £ÖbI* Poftänucrn und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 9. September 1848. Inhalt. Die Juden in Oesterreich. XXV. und XXVI. — Deutschlands verein'igte Staaten Leipzig. Um'versijatsangelegenheiLen. Anträge des Dr. Fürst. Dresden. Nekrolog. Wien. Eine Interpellation des Ministeriums. Prag. Aktives und passives Wahlrecht der Juden. Frankfurt a. M. Die Debatte der konstituirenden Nationalversammlung in Betreff der Gleichstellung aller Konfessionen. — Personalchronik und Miscellen. Petersburg Frankfurt a. M. Wien. — LB. d. Or. Die Jude« in Oesterreich. XXV. Wir sind in Wien. Um den Leser sogleich in medias res einzuführen, möge eine Stelle aus Börne's „Briefe aus Paris" (4. B. S. 139 ff.) als Wegweiser dienen. „Es ist wie ein Wunder!" — schreibt Börne —. „Tausendmate habe ich cs erfahren, und doch bleibt es mir ewig neu. Die Einen werfen mir vor, daß ich ein Jude sei; die Andern verzeihen mir es; der Dritte lobt mich gar dafür; aber Alle denken daran.' Sie sind wie gebannt in diesem magischen Judenkreise, cs kann keiner hinaus. Nein, daß ich ein Jude geboren, das hat mich nie erbittert gegen die Deutschen, das hat mich nie verblendet. Ja, weil ich ein Knecht geboren, darum liebe ich die Freiheit mehr als' Ihr. Ja, weil ich die Sklaverei gelernt, darum verstehe ich die Freiheit besser als Ihr. Ja, weil ich keinem Vaterlande geboren, darum wünsche ich ein Vaterland heißer als Ihr, und weil mein Geburtsort nicht größer war, als die Judengasse, und hinter dem verschlossenen Thore das Ausland für mich begann, genügt mir auch die Stadt nicht mehr zum Vatcrlandc, nicht mehr ein Landgebiet, nicht mehr eine Provinz. Und weil ich einmal aufgehört, ein Knecht von Bürgern zu sein, will ich auch nicht länger der Knecht eines Fürsten bleiben; ganz frei will ich werden. Ich bitte Euch, verachtet mir meinen Juden nicht. Wenn der Frühling kommt, wollen wir sehen, was früher grünt, der Jude oder der Christ". Diese goldenen Prophetenwerte schrieb das' „Kind aus der Judengasse", dm?. Februar 1832! Und jedes Wort dieses großen Geistes bewährt sich in Wien. Man wirst dort den Juden vor, daß sie Wühler, Republikaner, Ruhestörer, Revolutionäre sind. Natürlich geht dieser Vorwurf vom bemoosten Haupte der Reaktion aus, für welche die Luft der Freiheit Kerkerlust ist, und die nach Vorwänden hascht, die Bewegung zu verdächtigen. Wie der gemeine jndenseindliche Krämer warnend ausrnft; „Kaufet nicht von den Inden, sie betrügen Euch", während er selbst an seine Börse denkt, so wirst die vielköpfige Reaktion den Männern der Freiheit, deren Judenthum an den Kopf. Wer soll aber in der That heißer für die Freiheit glühen, wärmer für die Freiheit empfinden, kräftiger für ihre Verwirklichnng arbeiten, als der bisher geknechtete und mit Füßen getretene Jude? Wer hat so tiefe Wunden des alten Druckes aufzuweisen, als der Bürger des Ghetto? Wer wurde so gequält, gemartert, gefoltert von tyrannischen Ausnahmsgesetzen, als die ewige Ausnahme von der Staatsregel, der Jude? Ihr Wiener schwarzgelben Spießbürger wundert Euch, daß die Inden die Fahne der Freiheit so hoch schwingen; sollen sie etwa in die alte Sklaverei' zurück'kehren? Ihr sagt, daß die Juden die Presse beherrschen; zugegeben r allein fehlt es Euch etwa an 37

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