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Der Orient · 1848-09-16 · 38 (16.9.1848) · p. Spalte 601-602

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Journal
Der Orient
Volume
1848
Issue
38 (16.9.1848)
Date
1848-09-16
Page
Spalte 601-602 (sequence 5)
Language
German
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601 Kritiken. Verhandlungen über die Emancipation. Angez. v. E. Lehmann. 602 leidigen werde. Das würde mich tief betrüben, denn ich schäme mich nicht zu gestehen, daß ich selbst den ärmsten Israeliten mit einer gewissen Ehrfurcht betrachte, weil ich in ihm einen Abkömmling des merkwürdigsten Volkes sehe, das jemals auf dem Schauplatz der Erde aufgetreten ist, und das berufen ist, noch eine edle Rolle in der Geschichte der Menschheit zu spielen. (Hört! hört!) Mancher sieht in den Juden eine ungebildete, niedrige, geldsüchtige Ra?e, nur gut für die Stockbörse, und Orangen auf der Straße zu verkaufen. Ich aber habe die Juden kennen gelernt als ein Volk von großem Verstände, von gebildetem Geiste, und einem Forschungseifer, welcher die unermüdlichsten Deutschen hinter sich läßt. — T)er merkwürdigste Zug aber in dem Charakter der heutigen Juden ist der, daß sie vieles von den Eigenthümlichkeiten abgelegt haben, die sie der übrigen Gesellschaft ent-' fremdeten, und unbezweifelt wünschen und streben sie mehr als je danach, in die große Familie der Menschheit wieder einzulreten." — Man glaubt Bileam reden zu hören, der im Begriffe Israel zu fluchen, es segnet. — Im Uebrigen wurde von den Gegnern nichts Neues vorgebracht, sie stellten sich Alle auf den Standpunkt des christlichen Staates; die Erhaltung der britischen Verfassung, das Vorurtheil im Volke gegen die Juden, ihre Absonderung, ihre Schmähung auf Christus, die Akte Heinrich des Achten, die Minister (und das konnten nach Annahme der Bill die Juden werden), die Wahl von Bischöfen überhaupt, der ungünstige Eindruck den die Annahme der Bill beim Volke machen werde, als sei man gegen die Religion gleichgiltig geworden, endlich der natheilige Einfluß aufs Missionswesen in den Kolonien („Wenn sie erfahren, daß wir zu Hause unter unseren Gesetzgebern keinen Unterschied machen, ob Christ oder Hindu, so werden wir die Macht verlieren) .die wir besaßen, jene Millionen in den Schoos des Christenthumä zu führen". S.45. — Also nicht die Ueberzeu'gung, sondern nur die Hoffnung auf Theilnahme an der Gesetzgebung hatte bis jetzt jene Millionen dem Christenthume zugeführt!) — dies waren die, wie man sieht, sehr gesuchten und leicht zu widerlegenden Gründe, die man der Bill ent-- gegensetzte; Gründe die einzig und allein dazu dienten, den Satz zu bemänteln: Wir wollen ohne Noth unser Vorrecht riicht aufgeben, und am allerwenigsten an Juden. Wie aber die Gegner der Judengleichstellung zugleich Gegner der Freiheit, des Liberalismus sind, das geht am Klarsten hervor aus der mehr als naiven Rede des Mr. Drummond, in der es heißt (S. 67): „Man hat gesagt, daß die Annahme der Motion des edlen Lords den Triumph des Liberalismus vervollständigen, daß sie den letzten Ueberrest von Bigotterie aus unserer Verfassung forträumen werde. Ja, es wird der Sieg des Liberalismus sein; aber was ist der Liberalismus? Der Widersacher und Bekämpfer der Religion. Die Religion lehrt die Menschen Gott ehren, aber der Liberalismus lehrt sie, was sie frei macht von aller Verbindlichkeit gegen Gott (Unterbrechung). Der Liberalismus läßt die Menschen sich nach ihrem Gutdünken ihren eigenen Gott machen, und predigt ihnen die Verachtung der Dogmen der Kirche. .(Nein! nein! Zur Ordnung!)" Und ferner giebr derselbe Herr Drummond in seinem Schmerze darüber, daß der Eid nicht den Eintritt liberaler, und mithin unreligiöser, gottloser Christen ins Parlament verhindere, folgenden guten Rath: „Die einzige Weist, wie man eine wirklich christliche Legislatur haben könnte, wäre von den Kandidaten zu verlangen, daß sie Bescheinigungen der Geistlichen beibringen, ob sie an den Sakramenten halten, und in Verbindung mit der Kirche sind (Ol o! Hört!) —- Noch ist das Land christlich, aber wenn die Maßregel durchgeht, so wird es sich nicht länger so nennen können." — Kommen wir auf einen erfreulicheren Punkt, auf die Redner für den Antrag, und vor allen Dingen auf die Rede des Antragstellers selbst, des edlen Lord John Rüssel. , „Es ist wohl Gefahr, sagt er, freilich nicht für die öffentliche Ruhe, wohl aber für den Charakter und die Würde der Gesetzgebung vorhanden, wenn die Ansprüche unserer Mitbürger ferner zurückgewiesen werden". Er widerlegt darauf die Einwürfe, die man der Bill machen könnte; die jüdischen Parlamentsmitglieder werden, so sagt er, das Parlament ebenso wenig entchristlichen, als die 30 — 40,000 Juden den Staat. Dann weist er geschichtlich nach, wie die Eidesformel auf den wahren Glauben eines Christen" zu Anfang des 17. Jahrhunderts in den Eid eingeschaltet worden nicht aus religiösen, sondern nur aus politischen Gründen und zwar einzig und allein der Katholiken wegen, um diejenigen unter ihnen, „die der Krone dieses Reiches eine treue Huldigung darbrachten, von Denen zu unterscheiden, welche aufrührerische Plane hegten." Endlich weist Lord John Ruffel darauf hin, wie jene Eidesformel gewissenhafte und verdienstvolle Männer zurückhalte, die ihre Pflicht als Burger und Gesetzgeber mir der den Forderungen der Religion gebührenden Rücksicht erfüllen würden, während sie dagegen Andere nicht ausschließen, „vor deren Zulassung Sie unverhohlen ihre Scheu ausgesprochen; ich meine damit jene Klasse von Männern, welche die Verbindlichkeiten der Religion abgestreift haben." — Von den^ folgenden Sprechern für die Bill sind besonders hervorzuheben: Fox G la dst o ne, und vor allen D'Jsra eLi. Fox macht auf den Widerspruch zwischen christlich und ausschließlich aufmerksam, und sieht die Ausschließung der Juden als Rechtsentziehung an, weniger der jüdischen Parlamenkskandidaten, als der christlichen Wähler selbst, da sie nicht wählen dürfen, wen sie wollen. G l a d st o n e widerlegt den Lord Ashley: „Nur das will ich sagen, daß , wenn wir einer Klaffe unsrer Mitbürger, welchen Namen sie auch habe, ihr Recht bewilligen, ich nicht besorge die Rache Gottes auf unser Haupt zu laden; sondern daß diese Furcht wohl eher gerechtfertigt wäre, wenn wir dem Geschrei des Vorurtheils nachgebend, zu thun unterlassen, was wir für recht und billig erachten. — Spätere Ereignisse werden Zeigen, daß es ein mißverstandenes Chrisienthum war, in dessen Na-

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