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Der Orient · 1848-09-16 · Heft 38 (16.9.1848) · p. Seite 301

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 38 (16.9.1848)
Date
1848-09-16
Page
Seite 301 (sequence 9)
Language
German
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— 301 — Lippen. Nun wurde Fisch Hof in den Reichstag gewählt, gewählt von Wim, der Kapitale Oesterreichs, zum Vertreter, der Einwohner, in deren'Mitte die Juden immer nur noch geduldet werden, und eine schmähliche pierzehntägige Aufenthaltssteuer zahlen müssen. Fischhof als Abgeordneter'rechtfertigt dies Vertrauen vollkommen; er ist auch der Einzige, dem der Neid und die Gehässigkeit sich nicht nahe trauen. Sein Thun ist tadellos, fein Charakter rein — wenn auch seine Fähigkeiten -der Stellung eines Ministeriälrathes, die er nun inne-hat, nicht, gewachsen sein dürften. Wir bedauern es mit Allen, die Fischhof's edler Thätigkeit mit Aufmerksamkeit und Vorliebe zusahen , daß er sich so frühe auf einen Posten begeben, der ihm leider kaum einen festen'Stützpunkt gewähren dürfte. Hätte Fischhof gewartet — die Zukunft hätte ihm einen sicheren Wirkungskreis, ^gewiesen! Wien,. 30. Aug. Die Reaktion erhebt auch hier in dem Centrum der Demokratie ihr Haupt — und der zehnfach politische Renegat Minister Schwarzer ist der Chorführer des Rückschrittes geworden. Dieser Edle von Schwarzer ist ein Judenfeind, weit er die jüdischen Federn fürchtet, die ihn früher, als er ein heuchlerischer Demokrat war, auf die Ministerbank hoben. Unter Metternich hat Schwarzer den Heros der Tyrannei getobt, in der Revolution hat er die Trikolore aufgepssanzt, und jetzt versucht er es mit der Reaktion, um seinen Ministergehalt ferner zu beziehen. Er soll eine Mettcrnich-Sedlnitzky'fche Maßregel gegen die Juden im Schilde führen: die schwarzgelben Spießbürger, die verrosteten Aristokraten, die dummdreiste Hierarchie wird ihm zujubeln ' Allein der Edle von Schwarzer ist auch nur Maschine, und die Grube in welche er "die Freiheit stürzen will, wird auch sein Grab sein. Durch die Feder .eines jüdisch e u Publicistm in Wien ist' das Chanläteon Schwarzer' ins Ministerium getreten — und nun will er die Juden aus dem Wege räumen. Was wird der Ministerialrath Fischhof sagen? Wird es sich mit seiner Ehre vertragen'in einem Ministerium zu sitzen, das feindliche Maßregeln gegen die Juden ergreift? Der Haß der bessern Wiener Bevölkerung lastet auf Schwarzer, den die liberale Partei in gutem Glauben vorgeschoben. Wahrscheinlich wird die Reaktion hier mit den Juden. ihren Anfang machen, da die Juden ihre gefährlichsten Gegner sind. Allein, Ihr Wiener laßt die Juden angreifen — und Eure Freiheit war ein schöner Traum, ein leuchtender Blitz, ein. Gedankenstrich in . den Annalen Oesterreichs! Wien, 31. August. Die Würfel sind gefallen: Der Kampf zwischen der Reaktion und dem Fortschritt hat begonnen, und'auch hier in dem jungalten Wien bewährt sich der anerkannte Satz : die Reaktion ist gegen die Juden, die Freiheit.für dieselben. Seit den Arbeiterunruhen , dem feingesponnenen Netze der Renegatenpartei, geht Alles mit Sturmesschritten rückwärts, und da die Juden in Oesterreich auf dem Boden des Gesetzes' bis jetzt Nichts erlangt haben, so können sie nur mit Kummer den Machinationen der alten Partei entgegensehen. / Dazu kommt, daß der Minister Schwarzer, der leider, noch immer Minister ist und der die liberale Parteischnöde verrathen hat, ein Erzjudeufeiud ist, und ohne Kenntnisse und ohne Befähigung, nur durch Jntriguen auf Kosten der Freiheit sein Ziel zu erreichen strebt. Um die Bourgeoisie zu hätscheln, ist der Herr Minister im Stande,, die Freiheit bis auf ihren letzten Kämpfer zu verrathen und die Juden ins Mittelalter zurückzusühren. Wir hoffen, daß dieses schnöde Ministerregiment bald ein Ende nehmen werde, um würdigeren Männern Platz zu machen. Wien, Ende Aug. Der erste Preßproceß ist hier öffentlich geführt worden — und siehe da, ein Mischer Schriftsteller, Adolph Buch heim, Redakteur des ,,Studenten-Kurier", eröffnet den Reigen der Preßproeesse. Er vertheidigte sich sehr scharfsinnig und die Geschworneu haben das „Nichtschuldig" ausgesprochen. Nun werden die tolerirten Juden Wiens ruhig sein, da sie sonst alle Schuld auf die jüdischen Schrifsteller werfen , uud in ihrem dolce far oienie meinten, ihre Untätigkeit werde der Welt die Freiheit bringen. — Adolf Buchheim ist der Sohn eines seligen orthodoxen Rabbiners, und so hat die Orthodoxie den ersten Republikaner geliefert. Frankfurt er. im August. Gegen Ende Juli ver-anstaltete der wackere Dr. Robert Haas im hiesigen Montagskränzchen eine Versammlung, worin die Gründung einer deutschen Nätionalkirche besprochen wurde. Gestatten Sie mir, einige Auszüge aus den gehaltenen Reden müzutheilen. Die Geschichte wird sie zu Protokoll nehmen. Dr. Robert Haas sagte in der Einleitungsrede, welche die Vereinigung aller Konfessionen zu Einer Kirche motivirte: „Meine Herren und Brüder! ich gehe nun einen Schritt weiter; aber dann heißt es selbst im 19. Jahrhundert : bis hierher und nicht weiter. Aber hier komme ich an eine Stelle, wo ich mit Entrüstung reden könnte, und doch will ich mich besinnen, ich will nicht mit Entrüstung reden, ich will meine Rüstung behalten, ich muß aber reden mit dem tiefsten Seelenschmerz, und schaue ich in das Reich des Geistes, dann sehe ich in diesem Augenblicke den Genius der Menschheit, wie er sein Angesicht in die tiefste Trauer hüllt und blutige Thränen weint. Ich deute nämlich damit an den Fluch, der seit 18 Jahrhunderten und zwar im Namen einer Kirche, die sich vorzugsweise die Kirche der Liebe nennt und nannte, unsere israelitischen Brüder in unsäglichen Formen mißhandelt hat, und warum? Nur um eines Wahnes willen, der freilich von jeher der schrecklichste

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