Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1848)
- Date
- 1848-09-16
- Page
- Seite 302 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der Schrecken war. Man hat gesagt, im alten Testamente herrsche nur ein zorniger Jehova und es sei nur ein Gesetz, was von der Furcht diktirt sei und. nur aus Furcht befolgt werde. Man hat' gesagt, diese Israeliten haben den nicht anerkannt, der ihnen-in Liebe und Aufopferung Heil und Rettung bringen wollte. Man hat aber schon hier vergessen, daß es auch Juden waren, die uns das Ehristenthum gebracht haben, das nur einen praktischen Begriff, nur eine die Grenzen Judäa's überschreitende und die Welt umfassende praktische Mission hatte, wie auch der Meister Jesus selber sagte: ,,Jch bi u n i ch t g-ek o-m m en, das G e se tz a u fz u löse n, sondern in Erfüllung zu bringen," und ^daran will ich erkennen, ob ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt." Aber meine Herren und Brüder! Es ist ein Spruch gerade im neuen Testamente der heißt: ,, Forsch et in der Schrift, prüfet -Alles und behaltet das Beste!" Run ich habe dies gethan,'ich habe dies 11 Jahre g et Han, und habe an jedem Tage mehr gefunden, daß in beiden Testamenten eine Lehre und ein Glaube ist, daß in b e i d e n zwei Bildungsstufen sind, die sinnlichere -und die geläuterte und daß letztere die Anhänger des alten und die des neuen Testamentes in einer religiösen Ueberzeugung vereint. Ist es nun nicht ein furchtbarer Wahn, der die Geisel über die Israeliten schwang, -weil sie eben dieser.Lehre treu geblieben waren, weil-sie nicht Christen werden wollten, um nicht aus dem Regen unter die Traufe zu kommen , und nicht kirchlich-dogmatischen Wust anzuerkeuneu,, während sie, wenn auch nicht-von einem eiteln Ceremouieudienst und von manchem talmudischen Unsinn, doch von verknöcherten symbolischen Lehren befreit, auf die heilige Schrift gewiesen waren. Meine Herren und Brüder! es könnte aber-Jemand sagen, jene Einheit der Lehre sei eine seltsame Behauptung, indem ich zugebe, daß die Vorurtheile mit.der Muttermilch cingesogen sind und ich sie selber auch eingesogen hatte, so stark , daß sie mir erst nach Jahren in meinem Amte vor den biblischen Sonnen-' strahlen wie Schuppen von den Augen gefallen sind. Nehmen Sie dies vor der Hand mit Vertrauen auf, ich werde es der Welt, der Oeffentlichkeit Nachweisen, biblische Zeugniffe werde ich geben. Vielleicht sind Manche unter Ihnen, die denselben dann ihre nähere Aufmerksamkeit widmen werden, aber damit Sie Alle schon jetzt einen Kern-Beleg für jene Einheit der Lehre des alten und neuen Testamentes haben , so. will ich Ihnen die Quintessenz dieser'Einheit in folgenden sieben Sätzen mittheilen. 1. Wir glauben an den einigen Gott nach dem geläuterten Geiste biblischer Offenbarung, den Schöpfer und Regierer des Himmels und der Erde, in dem wir leben, weben und sind, an den Vater des Lichts sind der Vollj kommenhcit. - j , Wir sehnen uns danach und kämpfen darum, Gott! ähnlich zu werden.! 3. ■, l Das Gebot des Vaters im Himmel ist der einzige i Bewegrund unseres freudigen Gehorsams, der uns in Begeisterung und Liebe , zunächst mit dem Vaterlande, auch-mit aller Menschheit verbindet. \ i 4. Wir glauben., daß uns die Gnade Gottes nur in der eigenen Erneuerung unserer freien und selbstaufopferuden Gesinnung den verlorenen Frieden. wieder zurückgibt. 5. Wir glauben, daß jeder Menschensohn durch geistige Veredlung zum Gottessöhne wird und in dem Maaße er die Erlösung der Menschheit vom Uebel fördert, messianischen Charakter' hat. ' 6. Wir glauben ,, daß die geistliche Wirksamkeit und kirchliche Erbauung nur mit dazu dienen soll, selbst-' , thätige Frömmigkeit für alle Verhältnisse des bürgerlichen und menschlichen Lebens zu erregen. 7. ' l -; Wir glauben an das ewige Leben, den sicheren \ Fortschritt der Wahrheit in ihrer unwiderstehlichen Kraft, \ den unausbleiblichen Sieg des Rechts in seiner göttlichen Macht, an die stets vollkommene Entfaltung des Reiches Gottes und an den Himmel auf Erden." 1 (Beschluß folgt.') Desterreichische Nebenlander. Lemberg, 12. Aug. Ich muß Ihnen über eine. seltsamliche Erscheinung berichten, die meines Wissens, wenn auch nicht ganz neu -doch sehr seltenist. Es erscheint hier in der bekannten jüdischen Druckerei des Hrn. l a dfis eine Zeitung mit hebräischer Quadratschrist, letztere in jüdisch-deutscher Sprache und wie in den ähnlichen russischen Drucken, ist das Deutsch noch zum Ueberfluß punktirt. Ich muß bemerken, daß der * Inhalt durchaus nicht jüdisch ist, sondern die Weltbegebenheiten ' überhaupt und vorzüglich wird alles von demokratischem Standpunkte angesehen. Der Titel ist das Format guart und allwöchentlich erscheint ein Bogen.und 17 Nummern sind bereits erschienen. Der Zweck des nichtgenannteu Herausgebers scheint zu sein, der nngebjldeten jüdischen Masse die Tageserscheiuuugen vorzuführeu und sie für das politische Leben empfänglich zu machen. Etwas Aehnliches hatten wir vor 46 Jahren, da erschien “tyBBnj; L/Nl' -U82, Brünn, 1802 , 8 in gleichem - Sinne, aber auch hier hat man.schon-Fortschritte gemacht.