Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1848)
- Date
- 1848-09-16
- Page
- Seite 300 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 300 - Hrn. T. an das hiesige Land- und Stadtgericht und da. Dieses den Bescheid ertheilte, Daß Das qu. Gesetz vom Juli a. p. und die Darauf erlassene Instruktion (J.M. Bl. pnZ 233) bi s j ctz t noch n ich t aufg eh ob en und er daher außer Stand sei, -Die. nachgesuchte Dispensation von der Zahlung der qu. Gebühren zu bewilligen, sandten wir im Namen des Hrn. I. folgende Petition an'das hohe Justizminrsterium: ,,Vertranend auf die Gerechtigkeit und Humanität Eines hohen Jnstiznunisterii wagt cs der gehorsamst Unterzeichnete, Hochdcmselben folgende Bitte vorzutragen: Durch Verfügung des hiesigen Königt. Land- und Stadtgericht vom 31. Mai e. so wie Durch eine abermalige vom 7. Ang. 6. bin ich angewiesen für die Eintragung meines am 12. April c. gebornen Sohnes' in Das Geburtsregister der Juden 1 Thlr. 10 Sgr. zu zahlen. Da nun die Erhebung dieser Gebühren lediglich auf das Gesetz über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli a„ p, beruht, dieses aber durch die allerhöchsten königt., Proklamationen, sowie Durch den Vcrfassungsentwurf, wonach der Genuß bürgerlicher Rechte fortan von dem religiösen Bekenntnisse unabhängig, außer Kraft getreten ist, so erlaube ich mir Ein hohes Justizministerium ganz gehorsamst zu bitten: Dem hiesigen. Königl., Land- und Stadtgericht hoch-? geneigtest aufgeben zu'wollen, inich von der Zahlung der erwähnten Kosten mit 1 Thlr. 10 Sgr. zu dispensiren. Einer huldreichen Gewährung meiner gehorsamsten Bitte entgegen sehend, zeichnet :e. re. Die Ailtwort werden wir zur Zeit mitzutheilen nicht verfehlen. Man ist schon von mehrern Seiterl gegen diese ,,J u d e nstener^ eiugekommcn, aber bis jetzt ist unseres Wissens noch Niemandem ein Bescheid darauf geworden. ' . I. W. Neustadt-Eberswttld, im Sptbr. Die Berliner Hände und Spenersche Zeitung vom 24. v. M. bringt folgende Nachricht: ,,Der Missionsprediger und Proselytenmacher S ch w a r tz sucht, Da er hier se hr schlechte Geschäfte macht und deßhalb abberufen werden sollte,^ eine schottische Kirche zu stiften^. Wie wir hören soll ihm dieser Versuch gänzlich mißlungen fein, da Die Berliner Christen sowohl als auch die dortigen Proselyten weder an Prediger noch an Kirchen Mangel haben. Auch dürfte die sogenannte ,,freie schottische Kirche'/ in Deutschland am wenigsten Anklang finden, da sie weder frei noch eine Kirche ist^ Wenn aber die erwähnte. Zeitung behauptete , daß S. in Berlin schlechte Geschäfte machte, so müssen wir dem widersprechen. Denn abgesehen, daß Schwach ein großes Haus macht und bewohnt, so soll er noch in der kurzen Zeit seines Aufenthalts in Berlin mehrere Tausend Thaler schon auf die Kante gelegt haben. Was Wunder! erhält er doch Geld genug aus Schottland zur Unterstützung Der Proselyten. Da ihm nun das Projekt mit der Stiftung einer schottischen Kirche mißlungen ist, so soll er erschlossen sein nach Prag zu gehen. Er wird den Prager Juden keinen Schaden zufügen; er wird sie von ihrem Jndenthume nicht abführen können, da er ein sehr großer pNn Dy ift — und seine Persönlichkeit möchte ihm wohl schwerlich in Prag/mehr, Freunde nnd Achtung als in Berlin zu verschaffen im Staude sein. . , Ende. Aug. Die Sonntagsblätter geben Silhouetten der Reichstagsabgeordneten, und initcr diesen findet sich auch eine über Den Israeliten, Ministerialrat!) und.Reichstagsabgeordneten Fischhof, die ich Den Lesern dieses Blattes gern mittheile. Fischhof ist am 15. Deeember 1816 in Pesth geboren. Er hat den Kampf mit der Existenz in seiner ganzen Ausdehnung und Härte kennen gelernt. Frühzeitig unterstützuugslos, war er darauf hittgewiesen, sich, während seiner Studienjahre durch Unterricht von Kindern den Lebensbedarf zu erwerben, und mußte diesem prekären Nahrnngszweig noch lange nachdem er graduirt war (1844) anhallgen. Endlich gelang es ihm, eine Seknndararztenöstelle (1846) im allgemeinen Krankenhause zu erlangen. In Dieser überraschte ihn die Revolution. Fischhof tauchte gleich am Morgen des 13. März aus der Menge hervor — im. Hofe des Ständehauses, und ist seit jenem Tage auch keinen Augenblick von der Schaubühne der Revolution gewichen. Sein Name war der erste, der populär geworden, und dieser Popularität hatte er es zu danken, daß ihn die medicinische Abtheilung der akademischen Legion zu ihrem Kommandanten wählte. Er hat sich als Kommandant nicht sonderlich hervergethan. Fisch-- Hof ist eines jener wenigen Talente, das eine so ansgezeichnete Einseitigkeit besitzt, daß es sich in gar keinen ihm fremden Wirkungskreis finden, und mtr dem einen ihm zukommenden, oder nirgend thätig sein kann. Eül glücklicher Stern führte ihn bald in eine ihm vollkommen zusagende Sphäre. Er wurde Präsident des SicherheitsauSschnsses.. Hier zeigte sich Fischhof ganz an seinem Platze. Er'versteht es, wie wellige zu präsidirerl, wie wenige, eine Versammlung zu leiten, ohne sich dabei heryorzudrangen, oder etwas anzumaßen. Bezeichnend in Fischhofs Erscheinllng ist die Ruhe der Haltung, die Ruhe der Rede. Fischhof spricht immer aus der Seele, Daher immer zur Seele; man sieht ihm den Enthusiasmus an, ohne Daß man von ihm hingerissen wird. Fischhof versteht es, wie wenige, zu vermitteln. Er war eine Zeittang der Vermittler in den schwierigsten Zerwürfnissen öffentlicher sowohl als privater Verhältnisse. Wenn die Debatten des Sicherheitsausschufses, in denen bekanntlich wenig auf parlamentarische Sitte Rücksicht genommen wurde, noch so stürmisch vor sich gingen — cm Wort von Fischhof genügte, um sie zu beschwichtigen. Es, siet wie ein Oeltropfen ins stürmische, Men und rauschender Beifall schollvon allen