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Der Orient · 1848-09-16 · Heft 38 (16.9.1848) · p. Seite 299

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 38 (16.9.1848)
Date
1848-09-16
Page
Seite 299 (sequence 5)
Language
German
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— 299 — Berlin, 7. Sptbr. Die Reaktion wollte den Juden eine Falle legen. Unsere famosen Konstablerzählten' auch Inden in ihren Reihen. Man sah die Juden gern/ weil sie nüchtern und mäßig sind. Als man aber die Konstabler zu Spiondiensten gebrauchen wollte, traten alle Juden aus der Mitte der Konstabler! Man hätte gern die Juden in den Verruf der Spionerie gebracht, allein die Rechnung' wurde ohne den Wirth gemacht. Frankfurt a. Mt., im Sptbr. Unter den Männern, welche über die Errichtung einer demokratischen Universität berathen haben, war auch S. D e n t sch aus Wien-/ Präsident des Wiener Demokraten-Vereins. Prag, Ende Aug. Hier fand eine Versammlung der böhmischen Kreisrabbinen statt, um die Sache der Juden und das jüdische Schulwesen in Erwägung zu ziehen. Es wurde beschlossen, den Religionsunterricht zeitgemäß zu reformiren, und es muß lobend anerkannt werden, daß selbst die älteren Rabbirim sich der Reform geneigt zeigten. Wanii wird in uilserem Nachbarlande Mähren ein Lichtstrahl sich blicken lassen? Die dortigen Rabbinen regen und bewegen sich nicht; sie lieben den Stillstand, sie sind Sta n d e Spers.on e n. - Anklam, 14. Aug. Von vielen Amtsgeschäften und andern Arbeiten umdrängt, bleibt mir kaum so viel Zeit, einen einfachen Bericht abzufassen und dennoch kann ich^ nicht umhin , Ihnen wieder Etwas für Ihr geschätztes Blatt zukommen zu lassen. Das bei seiner Geburt schon den Todeskeim in sich tragende Gesetz vom 23. Juli a. p. wandelt trotz der weltcrschütternden Märzereignisse noch immer unter den Lebenden und, .während auf der einen Seite die Zulassung jüdischer Gelehrten zu höhern Lehrämtern re. ausgesprochen, forderten einige Regierungen — als ob gar Nichts vorgefallen wäre, als ob wir noch in der guten alten Zeit lebten — die resp. Gemeinden zur Ausführung der im genannten Gesetze vorgcschriebenen Bildung der Synagogengemeinden re. auf. Auch die hiesige Gemeinde erhielt eine solche Aufforderung, allein sie erklärte der Regierung, daß sie sich nicht verpflichtet halte, den Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Juli a. p., das nunmehr außer Kraft getreten, zu entsprechen. Die Regierung hat hierauf nicht weiter geantwortet, und so. bleibt es einstweilen beim Alten. In unserer Gemeinde, deren Verhältnisse näher zu beschreiben ich heute keine Zeit habe, geht Gottlob noch Alles seinen regelmäßigen Gang; dagegen spukt, wie man Hort, in andern Gemeinden ein Gespenst, genannt: Zwietracht, und will man in mancher derselben , die mit Jubel begrüßte junge Freiheit dazu benutzen, die Gemeindeverbände aufzulösen und so auch das Judenthum zu untergraben! Aber wird das Judenthum dadurch erhalten und gepflegt, wenn man daö einende und einigende Band, das Gotteshaus und Schule um die Gemeindeglieder schlingt, leichtsinnig zerreißt; wenn man diese das Gebäude des Judenthumö stützenden Pfeiler gewaltsam in ihren Fuudamenterl erschüttert? O welche Gewalt übt doch der Mammon, dieser eherne Götze, daß man selbst in großen Gemeinden sich ohnmächtig utlter seinem Joche beugt, seine Fesseln, weil sie g o ldne oder silberne, -nicht /achtet und bald Predigt bald Chorgesang re. abzufchaffen droht! Ist der Riß noch nicht groß genug? Soll denn Inda durchaus der Vorwurf treffen: Aus deiner Mitte kommen die Zerstörer! Seht Ihr ihn nicht den Götzen, genannt Zeitgeist ansdemThrone sitzen , und lachen und mit den Augen blinzeln, daß seiner Vasallen immer mehr werden und es nicht ahnen , daß sie einem Wahngcbitde huldigen! Seht Ihr ihn nicht, den grüßen Drachen, genannt In d ifferen tiömus, wie'er alles was heilig und göttlich ist mit seinem süßlichen Gifte tödtet — Alles was die Höhen des Lebens zu erklimmen befähigt, in den Staub schleudert? Doch was sag' ich da: der A l l e s . . . tödtet —- A lles . . . in dm Staub schleudert? — Wissen wir-es nicht, daß das Heilige und Göttliche bleibet, so lange Menschenherzen schlagen, niemals untergehet — und wenn auch der Unglaube mit seinem Höllischen H o h n g e l ä ch t er und der I n d i ffe r en t i s m u s mit seiner e i s i g e n K ä l t e und derwielgepriesene Z e i tg ei st sich noch so viel Mühe geben und noch so sehr'dagegen an kämpfen? Wissen wir es nicht: Funkeln nicht noch immer die «Dt'erne, wie von "Anbeginn? wandeln sie nicht noch immer ihre Bahnen, die unzähligen Sonnen? und lebt-nicht über den funkelnden Sternen, über den leuchtenden Sonnen ein Gott, vor dem sie zerstäuben alle Götzen und alle Wahngebilde wie Spreu vom Winde verweht! Und das durch die Finthen der Jahrtausende muthig sortsteuernde Schifftein desJudenthums, dessen Mastbaum der Glaube, dessen Anker die Hoffnung ist, dessen Segel die Liebe und dessen Ziel die Heiligung ist, sollte im Wogendraug der Ereignisse stranden oder auch nur einen Leck bekommen?' Nein, das glauben wir nimmermehr! Unsere Vergangenheit ist Bürge für unsere Zukunft. Darum hoffen wir thcnrer Leser , daß auch diese Zeit der Krisis glücklich vor übergehen undsich Altos gut gestalten werde! W — fl. Anklam, 15. Aug. In unserem gestrigen Ar-- tikel sagten wir, daß das Gesetz vom 23. Julien, p. noch nicht das Zeitliche gesegnet; noch ein Beweis dafür sind die in demselben vorgeschriebenen Amvaldgeb rühren bei Gcburts-, Heiraths- und Sterbefällm, die noch immer erhoben werden, was für Manchen eine drückende Ausgabe ist. Neulich-erhielt ein hiesiger jüdischer Kaufmann (Hr. T.) ebenfalls /die Aufforderung für-die Eintragung feines Sohnes an das Geburtsregister 1 Thlr. 10 Sgr. zu zahlen. .Nef. wandte sich im Aufträge -des 38' .

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