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Der Orient · 1848-09-02 · Heft 36 (2.9.1848) · p. Seite 282

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 36 (2.9.1848)
Date
1848-09-02
Page
Seite 282 (sequence 3)
Language
German
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- 282 - Wodurch kann aber eine allmälige Annäherung erzielt werden? Durch die Schule. Zum Unglücke giebt es noch in Mähren sogenannte jüdische Norntal- oder Triviatfchulen. Diese sind unwillkürlich die Pflanzschulen des Separatismus. Wozu. d e u L sch e Separatschulen für die jüdische Jugend? Es ist bekannt, daß in Norddeutschland das gemeinsame Schulwesen viel dazu beigetragetr hat , den schroffen socialen Gegensatz zwischen Juden und Christen aufzulösen. In der gemeinsamen Schute schlingt sich ein Frcundschaftsband um die Jugend verschiedener Konfessionen, die sich sonst "fremd gegcnübcrstandm, rücken einander näher, und der konfessionelle Friede gewinnt eine breite Unterlage. Auf den schwachen Schultern der zarten Jugend erhebt sich der Dom der konfessionellen Einigkeit und Eintracht. In' Mähren würde das Auflösen der jüdischen Normatschulen noch von vielen andern Vorthciten begleitet sein. Der jüdische Jargon, diese feindliche Macht, welche zwischen Juden und Christen tritt, dieses traurige Erbe des alten Druckes und der alten Absperrung, dieser sprachverwirrende Dämon, der viel Unheil verursacht, würde unter der Jugend schwinden, wenn sie in christlichen Schulen ihren deutschen Unterricht genösse. Man kann nicht oft genug gegen den jüdischen. Jargon zu Felde ziehen, Und kein schöneres Werk können die Gebildeten Mährens zu Stande bringen, als wenn sie jenen Damen bannen^ Du siehst, lieber Leser, einen ernsten Mann, der manches Saatkorn aus dett Speichern der Wissenschaft sich geholt und verarbeitet hat — rede ihn aber an , und in entert gellenden Jargon antwortet er dir, und die schönsten Gedanken , die du etwa-hören kannst , erfüllen dich mit Widerwillen ob der Form, in der sie gekleidet sind. Mit Frertden gewahrst du die blühende männliche und weibliche Jugend — der Jüngling— oft das Ideal eines schönen Mannes — die Jungfrau — oft vollendet in den äußern Formen — sie offnen, ihren Mund, und entsetzt trittst du zurück vor diesen haarsträubenden Lauten, vor dieser mittelalterlichen Sprache, die dich an all' das Elend und all' die Schmach früherer Jahrhunderte erinnert. Du freust dich des geistigen Aufkeimcns derKittder — ihr ganzes, oft staunettwerthes Wisstm tragen sie dir nt einer Sprache vor, die dich au Babylon erinnert. .— Wird aber den Separatschulen ein Ende gemacht, treten die kleinen jüdischen Sprachmörder in die gemeinsame Orts sch ule, so wird doch wenigstetts zum Theil diesem schädlichen Elemente mtgegengearbeitet. Auch manche Unsitte würde dadurch aufhören. Es giebt noch Rabbinen in Mähren , deren Gewissen sich dagegen sträubt, die jüdischen Kinder wahrend des deutschen Unterrichts ohne Mütze sitzen zu sehcn l Wir wollen mit ihnen nicht rechten, obwohl es uns mit tiefster Betrübniß erfüllt, die Vorurtheile, von denen die Hyperorthoxen Deutschlands sich längst befreit haben, in Mähren noch-so trefflich wuchern, zum allgenteineu Schadett wuchern zu sehen. Allein auf die christliche Schule erstreckt sich dieser Gewi ssenfkrnpel -nicht, und darum noch eintnal die genteinsatne Ortsschule. Die Genteindcit muffen Religionsschulen errichten, in denen Hebräisch , Bibel, Talmud, Geschichte, Geographie von Palästina gelehrt wird. Der Rabbiner unterrichtet die höheren Klassen in Religion, da doch der Rabbiner der beste Religiondlehrer ist. Als Kaiser Josef die jüdischen Normalschnlen ins Leben rief, war, tn Folge der damaligen Zeitverhältuisse, der Separatisnttls nothwendig; in unserer Zeit ist er ein Anachronismus. Möchten doch die jüdischen Gemeinden diese Worte beherzigen,, und bei der Neorg.anisat.iott des Unterrichtswesens in Oesterreich darauf'.dringen, daß ihre Jugend keine besondere Unterrichtskaste bilde; mögen sie darauf bedacht fern , daß nicht nur das Herz und Gcmüth, sondern auch die Zunge ihrer Kinder rein sei, rein von der verderbten Sk'tavcnsprache, rein von den Mistönen des Jargons, damit sie nicht ihrer Umgebung zum Spotte und zttm Hohne diene. Nicht etwa, daß wir jene hätnischett Judenfeinde unterstützen wollten, welche die Sprache der Juden karrikiren, belächeln, höhnen und spotten; jene Judenfeinde haben eine knltivirte Zunge und ein barbarisches Herz. Der Jargon ist eitt Ueberrest des Drttckes, ein Schandmal der alten Gesetzgebung, das Kainszeichen .der unsteten Wanderungen , der Weheruf der alten Tyrannei. Den alten Inden gebührt eine Thräne des Mitleids, daß sie nicht mehr besser sprechen können, und derjenige, der einen alten Inden wegen dessen Sprache' verspottet, ist ein herzloser Purist, der nur Ohren für Latttc, aber keine Augen für den Kummer und dett Schmerz deS Juden hat. Allein an den Juden liegt es, int Interesse der Bildung, der Gleichstellung und deS Wohls ihrer Kinder, den Geist der Jugend nicht zu verkrüppeln durch eine verderbte Sprache, vott welcher sie sich nicht so leicht befreien kann. Unter dett hohen Gütern, die Oesterreich errungen , ist auch die Red e fre i h e i t; nur Euch in Mähren wird sie verkümmert durch — Euch selbst. Ihr seid die Henker Euerer Redefreiheit. — Nun wollen wir uns nach dem Centralpunkte des KaiferstaateS, nach Wien werden', um die jüdischen Verhältnisse einer Besprechung zu unterwerfen. . Ad. I e l l i n e k. Deutschlands vereinigte Staaten. Berlin, 24. Ang. Ich lese .so cbm im „Orient", daß der „ZionSwächter" in der Lage ist, bald eingestellt zu werden, tmd dies führt ntich aus.-eine Mittheilung, die noch gar nicht in diesem Blatte gestanden, nätnlich daß der ,,Israelit des neunzehnten Jahrhunderts", ob-

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