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Der Orient · 1848-09-02 · Heft 36 (2.9.1848) · p. Seite 281

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 36 (2.9.1848)
Date
1848-09-02
Page
Seite 281 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Neunter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das üiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. S 3G. Leipzig, den 2. September 1848. Inhalt. Die Juden in Oesterr?icb. XXUl. und XXiV. — D e ut schl a n d's v e r e i nig t e St a a.t en Berlin. Das Schicksal der Journale. Posen. Uebelstande. Ein Koinito. Frankfurt a.-M. Versammlung. Wien. Eine Interpellation. Aus Oesterreich. Der 9. Ab. Wien. Petitionen. L. Kompert. Berlin. Gemeindezustande. —• Oesterreichische Nebenlander. £ arnopol. Cbolera. Auszeichnung der Juden. Pestl). Ein Protokoll als Aktenstück. -- Personalchronik und Miscellen. Seesen. Wien. Berlin. Pesth. Prag. Oesterreich. — £23. b. Oc Die Juden in Oesterreich. XXIII. Aus der alten Zeit der geistigen Versumpfung ist noch viel Schlamm zurückgeblieben, den der mächtige Strom der Neuzeit noch nicht fortgespült hat. Wir heben heute zwei Punkte hervor: die Re kru tirungen und die jüdischen G emeiu deverfassung en. Wenn der Staat Soldaten anshebt, so verlangt er von jeder mährischen Gemeinde ein bestimmtes Duotum. Dies ist ungerecht, unpraktisch und unhaltbar. Es werden z. B. von einer Gemeinde sechs Mann verlangt: wie aber, wenn ste in den Reihen ihrer Jugend keine waffenfähige Jünglinge findet? Es ist in der That auch oft der Fall, und Ungerechtigkeiten find die. Folgen dieses Zwangsystemcs, das gar feinen rationalen Boden hat. Die Gemeinden müssen alle Mittelaufbieten, ihre Kontingent zu stellen, wenn sie es auch von: Standpunkte des Rechts nicht können. Jeder Zwang demoralisirt, und dieser unbegründete militärische auch. Armeen lassen sich nicht aus der Erde stampfen, und Soldaten können die Gemeinden nicht hervorzaubcrn. Die Juden sollen ihre Kräfte dem Vaterlande weihen, aber nach einem rationalen Verhältnis'. Es wäre in der That an der Zeitdaß.alle mährischen Gemeinden in einer Kollcktivpetition sich an den Reichstag.wendeten, daß er diesem Uebelstande abhelfe. Jeder junge Mann werde assentirt, diene oder lasse sich vertreten — so lange die Dienstzeit so hoch angesetzt ist und das Soldatenthnm zu Parademärschen und Manövers mißbraucht wird —] man verlange nicht, daß die Gemeinden ä lout prix, wie jetzt noch, eine bestimmte Summe Schutzgcld, eine gewisse Zahl Soldaten stellen. Jedes System, das nicht ans den Grundpfeilern der Vernunftmäßigkeit beruht, muß untergehen, und daher auch das herrschende System der Setdatenanshebungen. Ist der Gemeindevorstand nicht im Stande, die verlangten Rekruten einzustcllen, so wird er — eingesperrt! Diese Kerkerlogik steht isolirt da. — Die Gcmciudeverfassungen müssen eine radikale Reform erleiden. Die Inden müssen ihre Autonomie in Kommunalangelegenheitm ganz anfgeben, und blos Knltusbchörden konstitniren. Sie sollen, wie die christlichen Bürger, von'dem Bürgermeister vertreten werden, in Kultnsangelegenhciten einen Ausschluß bilden— und das ,,Jndenrichteramt" zu Grabe tragen. Der Knltnsausschuß sorgt für die Besoldung der jüdischen Knltusbeamten und steht dem Rabbiner als Vertreter der Laien zur Seite. Die gegenwärtigen — allerdings demokratischen — Gemeindeverfassungen beruhen ans Censns und indirekte Wahlen — und sind daher veraltet. XXIV. Es bestehen Scheidewände zwischen-Inden und Christen. Das alte System hat e§ nicht au Mühe fehlen lassen, die Kluft so tief als möglich zu machen. 36

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