Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 35 (26.8.1848)
- Date
- 1848-08-26
- Page
- Spalte 555-556 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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557 Studien. Schriften des R. Meir. 558 derung der ursprünglichen Tertesworte manche Haggada's angemerkt. Dieses Schriftexemplar, welches die Zeitgenossen und der Talmud gekannt , führte den Namen: ■pKO '21 'btö n?C/ oder auch i'ND. fcq£D ' -b& irnin und es wurde den Haggada- Schriften der Mischnaiten zugezähtt.^ Und wirklich war es ein Haggada-Werk, das Haggada's des R. Meir in sich .faßte, und daher in seinem Namen von Zeitgenossen oder später» Lehrern vorgetragen wurden. Die Haggada's waren theils btose Morallehren und asketische Sentenzen,^ theils durch das Beziehern der Schriftworte auf die verhängnißvolle Gegenwart seiner Zeit veranlaßt/ aber auch.manchmal, Llese.Sagendichtung2 3 4 5 6 7 8 oder gar weiter nichts als nackte Textesverbessernng.^ Man darf sich jedoch durch den Namen dieses Exemplars (rTWV ntc()t verleiten lassen, cs blos als über den Pentateuch sich erstreckend anzusehen, da wir ans einer hier unten erwähnten Stelle wissen, daß diese Anmerkungen sich auch bei den Propheten vorfanden. Wir haben, aber in Bezug auf dieses eigenthümliche Haggada-Werk noch zwei Momente zu beleuchten, die für die Einsicht in die schriststellerischeu Zustände jener Zeit wichtig sind, nämlich erstens die Beschaffenheit jener Anmerkungen oder haggadischen Randglossen, zweitens den Grund, warum in dieser Weise und nicht in einer andern die Haggada's angcmerkt waren. Was nun die Beschaffenheit emlangl. so ist sie wohl am Besten aus der Zusammenstellung der noch wenigen vorhandenen Beispiele zu erkennen, die ich hiermit gebe: a) Zu Gn. 1, 21 “KD 21E3_ rtfPI war dort angemerkt: 5nv rum und siehe der Tod ist gut, eine Wohithat (Beresch. rabb. 6. 9. §. 5). d) Zu Gn» 3, 31: Und es machte der Ewige, der Herr, dem Menschen und seinem Weibe Rocke von Häuten, war augemerkt: Röcke von Licht (IW nuro), mit Bezug ans die Sage, daß die Kleider der ersten Menschen wie Licht glänzten oder aus Licht gewoben waren (ib. c. 20 §. 29). c) Zu Gn. 46, 23 und die S o h n e Dan's (^3i), war angemerkt: und der Sohn (id. 6. 94 §. 8). Hier war also eine wirkliche Texteskorrektur angebracht, was viele zu der Meinung verleitet, in dem Werke R. Möirs nichts , weiter als seine Bibclhandschriff zu sehen. 2) Sam. Safe in Iefe Toar zu Beresch. rab. 9 §.5 nennt es daher im späteren AusdruckyE nninH/ womit er die talm. Benenttung umschreibt. 3) Beresch. rab. e 9 §. 5, wo Simeon b. El°asar eine solche Haggada aus diesem Werke als die des R. Meir verträgt. — 4) Beresch. rab. I c. — . 5) j. Sa'anit iv, 1. — 6) Beresch. rab. c. 20 §. 29. — 7) Das. c. 94 §. 8- - 8) j. Ta'antt l. c. — ä) Zu Jes. 21, 11 war angemerkt SDumci ist höchstwahrscheinlich Dumat el-Geudel, ein Ort in der Gegend Gas el-Sir- Han in Ne ged,9 aber die eiserne Tyrannei Nom's lag zir nah, um ihn nicht zu veranlassen, es ausRom ausziiltgen." Was den Grund anlangt, warum er seine Haggada's in dieser Weise angemerkt, so ist dieser in der Scheu, die Haggadot niedcrzuschreiben, zu suchen. Rabbi Seiri, ein Schüler Jehuda Ha-Nast's, nannte die geschriebenen Agadabücher NOO) Zauber-Bücher (pvOp nsv),"- obgleich er selbst Hefte geschrieben (''OpJlD?"ppn).18 Iosua b. Lewi sprach denjenigen, welche die Haggada niederschrciben, die Seligkeit ab, und er rühmte sich, nie in ein Haggadabüch geblickt zu haben,?3 obgleich auch er ein geschrieben.?^ Freilich hat dieser Rigorismus nie im praktischen Leben Platz gewonnen. Jochanan und Lakkisch lasen Haggada- Bücher am Sabbat," und es fallt Niemandem ein, über die Haggada-Bücher an sich zu schmähen, sondern nur darüber, daß sie. dieselben nicht als mbinn nütf abgesehen. Rabbi Chijja las ans einem Haggada- Werk über den Psalter (ü'bn nUN 1DD) und vertiefte sich so, daß er vor Jehuda ha-Nasi nicht einmal aufsta.nd," und daß eine geschriebene m ’Ti NrTtfN existirte, wird ausdrücklich erwähllt.17 Jndeß gehörte. Rabbi M6r zu denjenigen, welche das Niedergeschriebene scheueten und in Folge dessen suchte er auch die Haggada's in erwähnter Weise anzumerken. Unter besonderem Namen wird Meirs Haggada- Sammlung zu dem Dekalog angeführt, nämlich als TNE ':m , vcrmuthlich weil hier eine größere Anhäufung von Haggada's stattgefunden. 2. Dieser berühmte Mischna-Lehrer verfaßte auch ein Fabetbuch, eine Sammlung von drei Hundert Fabeln enthaltend, worin der Schakal oder der Fuchs als Hauptpersönlichkeit figurirte.18 Die schönste Lebensweisheit und die gediegensten Morallehren wurden bildlich in Handlungsweisen und Reden der Thierwelt versinnlicht und der resultirte aus'dem Sinnbilds abstrahirte Weisheitsspruch wurde dann in einem Bibelsprüche 9) Abulf. Arab. p. 50. Niebuhc descr,'p. 297. — 10) j. Sa'anit 1. c. — 11) j. Moasrat c. 4 Ende. •— 12) Sabbat 156 a. — 13) j. Sabbat c. 16. Es heißt mnDH NiTUM Win NDH p^n )b TN. 14) Sabbat 156a» — 15) Gittin 60 a. nÖDD 16) j. Kilaj. c. 9; j. Ketubot o. 12; Bereschit Ratba e. 33. — 17) Sanhedrin 57 b; Beresch. rabba par. Bereschit. 18) Sanh. 38 b. —