Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-08-26 · Heft 35 (26.8.1848) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 35 (26.8.1848)
Date
1848-08-26
Page
Seite 279 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360562--6530-3534399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

279 kam zum Glücke herbei und versprach die Untersuchung selbst anjiijlcflcn> und hat nach angestellter Untersuchung sich von deren Lügenhaftigkeit überzeugt, die übrigens jeder Verständige im Voraus eingesehcn hatte. Wir haben es nur der Energie des Hm. H—-cs zu verdanken, daß größere Unruhen verhindert wurden, indem das Volk dann ruhig auseinander ging. Tags darauf wurden in den drei Stadtvierteln, die von Ungarn bewohnt sind, die Juden der Nationalgarde einvcrleibt,und haben sich die Korps dieser drei Viertel auch mit einander vereinigt. Die Neustadt, von lauter Schwaben bewohnt, bleibt noch immer bei ihrem Separatiomuo, will sich mit den andern Korps nicht vereinigen, und nimmt auch die Juden nicht in die Reihen ihrer Garde auf. Also wer.ist hier der Separatist? Der Jude etwa! So lauge diesen schwäbischen Spießbürgern nicht das Handwerk gelegt wird, werden wir noch immer den reinen ungarischen Namen mit der Schmach der Intoleranz behaftet sehen. Im Namen der ungarischen Nationalehre, Volksrepräsentanten, legt diesen Leuten, das Handwerk! — (D. ung. Jsr.) Pesth, 10. Juli. (A n d i e u n g arische n Israeliten!) Wohl fühlend, was unsrem innernMenschen zur Stillung der höhren religiösen Regungen noththue; durchdrungen von dem Bedürfnisse und dem lebhaften Triebe nach einer unserer religiösen Anschauung entsprechende)! Reform; — haben wir ohne materielles Hinzuthun, blos durch die uragnetisehe Kraft der Wahlverwandtschaft angezvgen, uns brüderlich und der großen Sache geziemend Zahlreich eingefnnden, um mit eine m Herzen und mit einer Seele uns für dieKonstituirung eines radikalen Refvrmvereins auszusprechen. Dies heißeVerlangen gehört nicht mehr in den Bereich der frommen Wünsche, denn am 8. Juli l. I., an diesem für uns so denkwürdigen Tage ist dieser Verein unter dem Namen: ,,Cen Ir al- Reform -V er ein der ungarischen Israeli t eu", faktisch ins Leben getreten, und . hat seine Wirksamkeit mit der Wahl eines aus 25 Personen bestehenden provisorisch leitenden Ausschusses, so wie mit der Erklärung begonnen, daß solange der Verein ein eigenes aus der Wahl seiner Mitglieder hervorgehendes geistliches Oberhaupt entbehrt — die Reformanstrebungen unserer Brüder in Deutschland uns als Basis dienen mögen. Gleichzeitig war auch die Versendung eines den Komplex unserer Bestrebungen enthaltenden Rundschreibens an die Gemeinden Ungarns, sowie die Abfassung einer das Wesen unserer Reform besprechenden Broschüre beschlossen. - Indem wir Euch gesinnungsverwandte Brüder unter uns, wie in der Provinz von diesem in der Kulturgeschichte der ungarischen Israeliten Epoche machenden Ereignisse in Kenntniß setzen, fordern wir. Euch in der Nahe und Ferne auf: Euch mit uns in erwünschte Verbindung zn setzen.. Die Einigung stärkt und darum, und nicht wegen etwaiger Usurpation empfehlen wir Eurer Intelligenz , Eurem regen Eifer einen Verein, der sich 'Wahrheit, Liebe und Versöhnung zum unabänderlichen Wahlspruche gemacht. Pesth, 10. Juli 1848. Im Namen der Generalversammlung des Ceutral-Reform-Vereius der ungarischen Israeliten. Dr. Josef Roszüi (früher Rosenfeld), prov. Präses. Dr. Ludwig S ch w a r z, prov. 1. Seeretär. Josef Ligeti, prov. 2. Sekretär. Pesth, im Juli. Verehrte Land eöv er trete r! Im Namen der Israeliten Ungarns und seiner Ncbenläuder verlangen die Unterfertigen von Ihnen Gere ch t i g k e i t, F r e i h e r t u n d G l e i ch h e i t. Wir verlangen sie darum, weil wir dazu berechtigt sind und unsere Ansprüche darauf vor Gott und Menschen geltend machen können. Oder wäre es nicht eine Verhöhnung der Gerechtigkeit, eine Verkrüppelung des Freiheitsbegriffes, Verleugnung der so laut verkündeten Gleichheit, wenn man die Segnungen derselben einer Volksktasse verjagen wollte, deren einzige Sünde . in ihrer Schwäche bebe stehet? Als der Druck noch allgemein war, und die Fesseln der übrige): Volksktassen nur von etwas feinerem Stoff als die unferigen waren, und wir jenen gleichgestellt zu werden wünschten, da fragte man nach den Gründen unseres Verlangens, nach den Verdiensten, die uns einer solchen Auszeichnung würdig machen. Das war sehr richtig, sehr natürlich, denn der Sklave — denkt sklavisch. Aber vor eine freie Nation hintreten, Grunde und Verdienste zur Erlangung des einfachsten Rechts auszähleu und die von der Böswilligkeit und Engherzigkeit vorgebrachten Klagen und Einwürfe widerlegen wollen: Das wäre nichts Anders als ein sündhaftes Zweifeln au dem Freiheitsgefühl dieser Nation. Wir verlangen unser Recht darum, weil wir Menschen sind. Wir wollen allen andern Landesbewohuern gleichgestellt sein — gleich in Pflichten und Rechten, weil wir eben so gut Söhne dieses Land.es sind. Wir sind hier geboren, hier erzogen worden: wir wollen hier auch frei leben und sterben; und Niemand stehet es zu — Gewalt abgerechnet — uns von dem Busen unserer geliebten Mutter wegzuweiseu, aus ihrer Liebe zn verstoßen, auch nur auf einen Augenblick uns Das zu entziehen, was wir aus der Hand Gottes besitzen, dessen Bewußtsein die Natur in unser Herz gepflanzt. Vertreter!Aeußere und innere Feinde uuterwühlen den Frieden dieses schönen Vaterlandes, Gefahr drohet der Freiheit, ja der Existenz der ungarischen Nation: kann Derjenige ein Ungar, ein Patriot sein, der seinen Nebenmenschen zu eben dem Schicksal verdammen will, dem er selbst so eben glücklich mtroüuen, der während

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.