Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1848)
- Date
- 1848-08-26
- Page
- Seite 278 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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278 eigen sein muffen, auf daS Wortheilhasteste auszuzeichnen, und erwerbet dadurch nicht nur Euch selber, sondern auch dem Stamme , dem Ihr angehört und dem Glauben, zu dem Ihr Euch bekennt, ehrende Anerkennung und Werthschätzung. > Alle diese Betrachtungen aber werden sich bei Euch erst dann recht wirksam und fruchtbar zeigen, wenn eine fromme Gesinnung ihnen. zu Grunde liegt, wenn sich namentlich damit der Gedanke verbindet, daß Euer L e b e n u n d Lebens g e schick unter G o t t e S w e iser und gütiger Vorsehung stehet. Und so ist es , meine Lieben. So lehrt es unsere heilige Religion und so bestätiget es unser denkender Geist. Der allmächtige Schöpfer itnb Regierer des Weltalls, der jeden Stern bei seinem Rainen nennt und seine Bahn ihn: vorzeichnet, der das kleinste Sandkorn am einsamen Meeresgestade siehet und seinen Ort ihm anweist, der kennt auch Euch, hat auch Eure Tage gezählt, wieviel desselben werden sollen, ehe einer noch da war. Ohne Eures himmlischen Vaters Wissen und Witten kann kein Leid, kein Schaden, kein Tod Euch treffen, imb wenn er Euch trifft, so ist nicht das Leben, sondern der Tod Euer Bestes. Rur um eine Spanne Zeit gehet der auf dem Bette der Ehre gefallene Kämpfer den übrigen Brüdern voran, und verklärt und verherrlicht erhebt sich sein Geist zu einem bessern Dasein, zu Gott, der ihn gegeben hat. Muthig also und tapfer im Streite fürs Vaterland, thenere Brüder! Es ist Gottes Sache. Es ist.die edelste, heiligste Angelegenheit, wofür Ihr kämpfen werdet. Darum zaget nicht und bebet nicht und weichet nicht feige der Gefahr! Wie dort der edle Juda Makkabi seinen Waffenbrüdern zuruft, ruft auch Ihr einander zu: Ist unsre Zeit gekommen, so wot'ten wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen, und u n fr c Eh re nicht lass e n zu Schanden : werden. (1 Makkabäer 9, 10.) Nein, meine Brüder, lasset Eure Ehre, die die Ehre Eures Stammes und Eures Glaubens ist, nicht zu Schanden werden. Beweiset Euch als Israeliten stark und standhaft und ausdaurend zum Siege. Habet stets 'Gott vor Augen und im Herzen. Er wird Euch ' alle Eure Wege ebnen. Bleibet treu Eurem Glauben,, eingedenk Eurer Religion überall. Sie wird Euch ein Schutzengel sein auf allen Euren Wegen und Stegen; sie wird Euch bewahren vor Wildheit, wodurch der Krieger sich entmenscht, vor Ausschweifungen, wodurch er sich entnervt, vor Feigheit, wodurch er sich entehrt; sie wird Euch stets zu einer würdigen Ansicht Eures Standes und Berufes erheben, und Euch Kraft und Stärke verleihen, die Gefahren und Beschwerden deffelben in Geduld und Ergebung zu tragen. Und so segnd Euch Gott alle; Euch meine Glau-- bensbrüder und alle Eure Waffenbrüder. Zieht muthig und 'getrost hin in den Kampf gegen Frevelmuts) und Verrats). Die Wunsche und Segnungen aller Vaterlandsfreunde folgen und begleiten Euch, Gott wird sie nicht unerfüllt lassen. Ihm befehlen wir alle Eure Wege, Ellern Ausgang und Eingang , Euer Leben, Eure Waffen, Eure Ehre, Euer Herz. Er bleibe Euch schützend und schirnlend zur Seite, rüste Euch :nit Kraft und Mutt), mit Giailben und Hoffnung in der Stunde der Gefahr und Versuchung und leite Euch an seiner allmächtigen Hand zu einem herrlichen Ziele. Amen. Gott segne und schütze unfern geliebten König! Gott segne und schütze unser theueres Vaterland! Gott segne und schütze die vaterländischen Krieger und Waffen! Gott segne und schütze Jeden in dessen Busen ein warmes, treues Herz fürs Vaterland schlägt. Amen. Amen. @t\ ÄWardein, 20. Juli. Was ist der Unterschied zwischen ungarischem u. deutschem Judenhaß? Meiner Uobcrzeugniig nach der: Den Deutscheil ist der Judenhaß 'm Blut und Milch eingeinlpft, er lebt und wächst mit ihm auf , dieser giebt sich daher in ihren Th aton kund; bei den Ungarn hingegen ist das nur eine von außen hereingebrachte Treibpsianze, die bei ihnen nur vegetirt, und sich, aus den höchsten Grad gestiegen, nur in Worten offenbart. Wir haben die vorige Woche ein Stück ungarischen Judenhasses in den Komitatssitzungen aufführen gesehen, da's sich nur in Worten Luft, durch seine dumnleil Anträge aber Zugleich lächerlich machte. Jetzt sollten wir ein Stück deutschen Judenhasses in seiner ganzen Glorie mit Schlagen, Morden und Plündern wohl anSftaffirt zu sehen bekommen. Die Geschichte ist im Kurzen diese. Unsere Bürger hatten früher die Inden alis der Rationatgarde zurnckgewiesen. Wie überall wollen sie sie jetzt, wo Gefahr im Spiele ist, wieder in die Garde aufnehnlcn, da überhaupt der ungarische Theil der Bevölkerung in die Abweisung nie recht vom Herzen eingewilligt, sondern gewissermaßen es für nothwendig erachtet hatte, um seine freistädtische Ehre zu retten, und nicht hinter seine Schwestern Zurückbleiben wollte. Jetzt war bei der ungarischen Bevölkerung der Wunsch allgemein rege geworden, die Juden in die Rationatgarde aufzunehmcn, und sollte auch nächstens vollzogen werden. Die Schrvaberr-Phitistcrschaft wollte unsere Stadt vor diesem Sakri'effinm bewahren und suchte einen Jndenkrawall diesem Zwecke zu arraugiren. Den Vorwand dazu sollte die Verbreitung einer lächerlichen Lüge hergeben : Die Juden hätten in ihrer Synagoge Pulver, Gewehre und weiß Gott noch was Alles verborgen. Natürlich war man einmal bei der Synagoge, so konnte es dann über die einzelnen Juden hergehen. — Der Krawall nahm auch seinen Anfang. Es sammelten, sich bereits Haufen Volkes um die Synagoge, um sie zu erbrechen; das Plündern wäre natürlich bald uachgefolgt. Hr. Oberstuhlrichter H —cs