Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1848)
- Date
- 1848-08-26
- Page
- Seite 277 (sequence 9)
- Language
- German
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-, 277 - zu bedenken'und zu erwägen gebe, was Euch von diefcm Flügel»blicke an nie ans dem Sinne und aus dem Herzen kommen soll, dann werdet Ihr Euch gewiß stets zur getreusten und 'gewissenhaftesten-Pflichterfüllung anfgcfordcrt und aufgennlntert fühlen: Ihr habt Euren B e r u f. f e l b st u n d f r c.i g e w ä h l t — d i e S a ch e für dieJhr kämpft ist eine gerechte, heilige S a che — von Eu er in Betrag e n hängt die E h r e Eures Na m c n s a l s I s r a e l i L c n a b — Eller Leben und Lebensgeschick steht unter Gottes w ei s e r n n d gi'lti g e t V e x f e h u n g. Der Beruf in dem Ihr nun steht, nicht menschliche Willkür und Laune, llicht äußere Macht und Gewalt hat denselben Euch aufgedrungcn; nein, Ihr habt ihn aus freiem Entschlüsse gewählt. Ihr fühlte! einen Drang und Trieb ihn zu übernehmen, Ihr hortet in der Stimme Eures Herzens die Stimme Gottes, und tratet mit Lust utrd Liebe in Eure Reihen und Glieder. Muß nun nicht schon die Erwägung dieses Umstandes Euch zur ausgezeichnetesten Pflichttreue anspornen itnb ciueiferu? Muß Euch nicht um Alles in der Welt daran gelegen sein, Euch nicht durch cm unwürdiges und ungehorsames Betragen vor der Welt und vor Eurem eignen Herzen zu Schanden zu machen? — Als Freiwillige müßt gerade Ihr in pünktlicher Folgeleistung der Euch gegebnen Befehle und Vorschriften, in Haltutlg der strengsten Ordnung, iu unerschütterlicher Treue gegen Eure Obern und Vorgesetzte allen übrigen vaterländischen Kriegern mit Eurem Beispiele herrlich vorleuchten. Schande, ja die größte Schande würde es Euch still, wenn einer von Ench dlwch Strafen zur Ordllung und zur Pflichterfüllung angehalten werden müßte. Ihr seid Freiwillige, Euer Gehorsam muß also ein freier Gehorsam und ein desto pünktlicherer und herzlicherer sein. Dies das Eine, was Ihr zu erwägen und zu beherzigeil habt, um den.Pflichten Eures Standes volle Genüge zu leiflcn. Noch stärker und lebendiger aber werdet Ihr Euch hiezu gedrungen fühlen, wenn Ihr auf die Größe und Heiligkeit der Sache sehet, für welche Ihr jetzt ausziehen und Euch zum Kampfe rüsten sollt. Nicht voil der Ehrulld Ruhmsucht eines Willkürherrschers wird Eure Treue und Hingebullg in Anspruch genommen; nicht um einem Despotell-Gclüste zu stöhnen, um ungerechte Eroberungen zu machen, um freie Völker zu knechten und zu unterjochen sollt ihr den Gefahren ulld Mühseligkeiterl'des Krieges Euch unterziehen; Nein, das Vaterland, das in seinen heiligsten Rechten ulld Interessen gefährdete Vaterland ruft Euch zur Abwehr ulld zur Abhilfe auf. Bösgesinnte und böswillige Menschen gehen in eilligen Gegenden mit verrätherischcn Planen und Anschlägen um. Sie wollen das Baud zerreißen, das viele Jahrhunderte lang Ungarn zu einem großen Staat verbindet und ihm eine achtunggebietende Stellung unter den Staaten unseres Weltthcits sichert. Sie werfen ihre treulosen Blicke nach Auswärts, buhlen mit fremden Mächten, machen mit den Feinden des Lichtes uild der Freiheit gemeinschaftliche Sache, und suchen so des Vaterlandes inneres und äußeres Wohl zu uiltcrgraben, des Vaterlands schönste Errungenschaft, stille Freiheit, seine Selbstständigkeit, seine hoffnungsreiche Zukmlst zu verllichten. Dabei artet ihr verrätherischcs ©innen und Treiben in gemeine Raub - und Plunderungssucht aus , setzt ihr fanatisches Wüthen die ilu'.wohnellde Bevölkerung, die nicht zu ihnen gehört, iu bange Furcht und Schrecken, überfatteii sie ruhige und friedliche Bewohner und verüben an ihnen die schändlichsten und grausamsten Gcwaltthaten. Sehet, meine Lieben, das ist der Feind, gegen den Ihr ins Feld rücken sollt, das die Sache zu deren Verfechtung Ihr erkoren und berufen seid! Kann es eine heiligere und gerechtere geben? und wäre es Euch bei ihr möglich, die Erwartungen zu täuschen, die das Vaterland von Euch und Euerll Waffengen offen hegt? Nein, Ihr werdet dieß nicht, Ihr werdet ihr mit all der Treue und Ausdauer, mit all der Hingebung und Aufopferung dienen, welche das Vaterland voll allen seinen Angehörigerl zu fordern berechtigt ist, wo es sich um die Erhaltung .seiner höchsten Güter, um seine Ehre und Würde, Freiheit und Sicherheit, handelt. Und Ihr werdet dieß um so nlehr, wenn Ihr noch bedenkt., daß von Eurem Betragen nn t> Verhalten die Ehre Eu-- res Nam ens a l s Jsra eli te n a b h äugt. Brüder, Ihr kennet ja die gehässigen Vorurtheile, die gegen unsere Stammes- und Glaubcnsgenosstnschast hierlands noch immer im Schwünge sind. Die Verschulduilg des Einzetllen von uns wird gleichsam uns Allen zllgerechnet, und giebt Stoff und Anlaß unfern Namen herabzuwürdigen und mit Schimpf und Vorwurf zu überhäufen. Und eben darum muß der Jsraelite sich vor jedeul unwürdigen und verwerflichen Thun noch sorgfältiger als jeder Alldcre in Acht nehmen, muß ihm noch mehr daran gelegen sein, in seinem Berufe und Stande den höchsten Allforderungen der Pflicht zu geuügell und seinen Charakter und seine Ehre rein und unverletzt zll erhalten. Ulld diese Rücksicht darf und wird gewiß allch bei Ench in Enreiu ©taube ihre Wirkung llicht verfehlen. Lasset darum iu Eurem ganzen Benehmen und Verhalten nichts unterlaufen, was auch mir den leisesten Tadel Eurer Obern Euch zuziehen könnte. Leget es an Dell Tag, daß der ungarische Israelin sein ungarisches Vaterland von ganzem Herzen und ganzer Seele liebt, und daß er willig ist, sich ihm ganz hmzugcben und hinzucpstrn, wenn Pflicht mld Ehre e6 erheischt. Suchet Euch durch Gehorsam, Verträglichkeit, Ordnungsliebe, Muth, Besonnenheit, überhaupt durch all die Tugenden und Eigenschaften, die dem tüchtigen und braven Genossen des Wehrstandes