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Der Orient · 1848-08-26 · Heft 35 (26.8.1848) · p. Seite 276

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 35 (26.8.1848)
Date
1848-08-26
Page
Seite 276 (sequence 7)
Language
German
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276 - Politik — mit Gewalt die Reformen tu; Ausführung bringen solle? Ja da mögen Sie recht haben, Sie scheinen aber die Hindernisse dabei übersehen zu' haben. 1) Sie wollen den alten Glaübcnszwaug abgetvicsen wissen, wie können Sie nun neuen Zwang fordern? Wo bleibt da der jetzige Wahlspruch: Freiheit . und Gleichheit? 2) Wo sollen die frommen Väter die Macht hernehmen, ihren weisen Lehren Eingang zu verschaffen? Die Central-Versammlung in Frankfurt kann und will sich, in den ersten drei Monaten gar nicht um Koscher und Trefe kümmern, und die Rabbinen haben keine Truppen, um einen Kreuzzug zu veranstalten und Gewalt zu gebrauchen. Uebcrdies haben sie ja auch die Gewalt versucht. In mancher kleinen Gemeiltde hat der Rabbiner sein neues deutsches Gebetbuch durch die Regierung einzuführen' gewußt. Sie waren (von heiligem Eifer getrieben) die ärgsten Angeber, sie haben den ganzen Eisenmenger geplündert. Aber vergebens, alle Ge- . walt ist an dem Eigensinn der Alten gescheitert, an diesem Eigensinn, der sie schon zweitausend Jahr erhalten hat. Wäre gleich nach der Austreibung aus Jerusalem eine Rabb. -Versammlung entstanden, wären gleich die Reformen 'in Kraft getreten, so wären die Juden schon längst mit den anderen Völkern so gleich gestellt, daß jetzt nicht Ein Jude mehr zu finden gewesen wäre. Sie sehen Ihre Anklage ist ungerecht, und daß Sie Ihren Aufruf widerrufen mußten, das werden Sie als Jurist höchst billig finden. M o se ö Men d elsen. Desterreichische Nebenländer. Pesth, 7. Ang. Die Centralkommission des Repräsentantenhauses hat folgenden Bericht betreffs des eingereichten Gesetzentwurfs über die E m a nci p a tion d er I u d e n erstattet: Die Sektionen haben ohne Ausnahme die Meinung getheilt, daß man sowohl in Gemäßheit des in den neuesten Gesetzen ausgesprochenen Gleichheitsprinzips als der ewigen Gesetze der Wahrheit und Humanität, wie auch aus Rücksicht der ungethcilten Einheit und Kraft der Nation, die Israeliten in den bürgerlichen Rechten mit den übrigen Landesbewohnern gleichstellen müsse. Drei Sektionen haben sich für unverweilte Erörterung des Gesetzentwurfs ausgesprochen, die übrigen sechs Sektionen aber, indem sie ein dieser Angelegenheit vorausgefchicktes, die ungarische Nationalität sicherstellendes allgemeines Heimaths- und Niedcrlassungsgesetz für unumgänglich erachten, und berücksichtigend, daß die nothwendigen Verfügungen zur Vertheidigung des gefahrbedrohtm Vaterlandes die Sorge und Zeit des gegenwärtigen Reichstags in Anspruch nehmen, haben die Verhandlung dieses Gegenstandes für eine nächste Session aufzuschieben und das Ministerium zugleich damit beauftragen zu müssen geglaubt, daß eS. über das allgemeine Heinraths- und Niederlassungsrecht und mit diesen! entweder in Verbindung stehend ober es voraussetzend über die Judenenraneipation einen Gesetzentwurf dem Hause unterbreite. > Damit aber die Ernancipation einerseits den Ideen der Freiheit und Gleichheit entspreche, andererseits die Ansprüche der gesellschaftlichen und nationalen Verschmelzung befriedige, hat die Mehrheit der Sektionen es für zweckmäßig erachtet, daß behufs der durch eine zweckmäßige Reform zu erzielenden Beseitigung der im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben so sehr auffallenden schädlichen Abschließung und gegenseitigen Entfremdung das Ministerium sich mit den Jntelligentcrn unter den Israeliten selbst in erörterndes.Einvernehmen setze. (P. Z.) Pesth, 8. Juli. (Rede an die israelitischen Freiwilligen, Gehalten vor ihrer Abreise im Hofraume des Jnvalidenpalais am 22. Juni vom Oberrabbiner Hrn. L. Schwab in Pesth.) Liebe Brüder l Ihr stehet hier vor Gottes Angesicht, unter dem freien Himmel, der'sein Thron, und auf der Erde, die sein Fußschemmel ist, um einige Worte der Ermahnung und Ermunterung anzuhören, die ich Euch auf den Weg, den Ihr nun bald antrcten werdet, tm Namen unsrer heiligen Religion mitgeben will. Möget Ihr sie mit denselben aufrichtigen Gefühlen und Empfindungen vernehmen, mit welchen ich sie an Euch richte l Möget Ihr sie treu im Herzen bewahren und Euer Thun und Verhalten stets darnach richten! Der Beifall Gottes und Eures Gewissens, die ehrende Anerkennung Eurer Vorgesetzten und aller Wohlgesinnten wird Euch dafür zum Lohne werden und Euch wahrhaft beglücken. Brüder! Ihr habt durch einen heiligen Eidschwur Euch dem vaterländischen Waffendienste geweiht. Ihr habt Gott zum Zeugen angerufen, daß Ihr entschlossen seid, für das Gemeinwohl des ungarischen Vaterlandes Gilt und Blut, Leib und Leben zu wagen und im Kampfe mit den Feinden desselben tapfer und redlich auszuharren bis zum Ende. — Der Zeitpunkt ist nun da, wo Ihr Euren Schwur einlösen, Euer Versprechen zur Wahrheit machen, Eure patriotische Gesinnung durch Thaten beweisen und bewähren sollet! — Das Vaterland ruft Euch zur Vertheidignng seines Rechtes, seiner Ehre, seiner unzertrennlichen Einheit. Auf denn, folget seinem Rufe mit freudigem Herzen, mit glühendem Eifer, mit Noth und Tod verachtenden: Muthel Eilet dahin, wo Verrath und Empörung gegen das'Vaterland gesponnen und geübt wird. Zeiget Euch dort als echte Söhne Ungarns, so wie als würdige Nachkommen der heldonmüthigen Haomonäer: ausdauernd in Beschwerden, unerschrocken in Gefahren, tapfer im Kampfe, menschlich im Siege, mäßig und bescheiden in der Ruhe. Brüder! Es ist ein Vierfaches, was ich Euch

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