Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1848)
- Date
- 1848-08-26
- Page
- Seite 275 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 275 — berspeuden der Staatsverwaltung zu. Lasset uns nich t d i c L c tz ten sein, meine Brüder. Geld werden die Meisten in dieser schwergedrückten Zeit nid;t wohl spenden können; aber einiges Silbergeräthe haben die Meistrn, und gerade Silber zur Münzauöprägung ist der Staatsverwaltung am willkommensten. Darum meine dringelidste Bitte an die jüdischen Häuser unserer Provinz, VT HJnDD W'N jedes nach Kräften, jedes über seine Kräfte lege eine gottgefällige Spende auf den Altar des Vaterlandes! r * Die ehrsamen Vorstände der Gemeinden wollen sich gefälligst sofort nach Eingang dieser Zeilen der Sammlung in ihren Gemeinden unterziehen. Jeder Beitragende beliebe Zahl und Gewicht der gespendeten Silberstücke einzuzeichncn und wollen die ehrsamen Verstände gefälligst die gesammelten Effekten sammt beigegebencr Smnmlungsliste im Wege der Herren Komiteglieder oder unmittelbar an den Unterzeichneten längstens bis 11. Juni versiegelt zusenden, und erlaube ich mir, die Herren Komiteglieder hiemit höflichst einzuladen, am 12. Juni der Eröffnung und Anfertigung des Gesammtausweises hier beizuwohnen, womit die Sammlung dem Bestimmungsorte zu übcrmachen sein werde. Möge auch bei dieser Gelegenheit und in dieser Zeit der ächte Sinn jüdischer Freigebigkeit sich bewähren, der zu aller Zeit und in jeder Lage für gottgefällige Zwecke uns geleitet. Nik o lsburg, 1848. Der Oberlandesrabbiner Hirsch. Dieser Aufforderung wurde auch vor: vielen Seiten Folge geleistet, und Hut der Landesrabbiner in den österreichischen Blättern die Erfolge seiner Bemühungen bekannt gemacht. SUtmta, im Aug. Ich kann Ihnen etwas Neues und Hochwichtiges nnttheilen, welches der Reichsverweser noch nicht weiß, und wodurch die Zeitgeschichte einen gewaltigen Ruck erhalt. Der Zionswächtcr, diese liebe Seele, liegt tu den letzten Zügen. Der Verleger hat allen Muth zur fernem Herausgabe verloren. Sie ist bereits einem Verleger in Hamburg, dem Drucker Halberstadt, angctragen worden, er wollte sich aber nicht daran wagen. Er hat Recht! Der ZW. hatzwar noch 400 Leser, die gehören aber alle zu den Finsterlingen; und man weiß, wie es diesen immer an Geld und Energie fehlt. — Die Nachricht erhielten wir gerade Tischa-beab in der Synagoge,, als der Chasan den zweiten Zion saug, da steht der Vers: , rrn -nbro -p-MN "tw pV und da glaubten viele der ganze Zion autb diese Stelle deute auf den Ziens-Wächter-Fabrikant. Aber wer kann das wissen?— Übrigens soll das liebe Kind schon mit Geistesschwäche zur Welt gekommen sein, Milch konnte ihm die Mutter nicht geben, nichts als Wasser, und so wird es gar seinen Geist nicht aufgeben, die Wassersucht streckt ihn darnieder. Der Uhrmacher. Hamburg, im August. Im Orient Nr. 32 ist' zu lesen, daß ein gewisser Dr. Juris einen Aufruf erlassen habe, ,,die Rcf. Rabbiner mochten dafür sorgen, daß die Judenheit sich ganz in die Arme der Reform werfe/' Auch möchten, sie entschieden austreten, um das Judenthum von einer Mas s e s ch ä d l i ch e r Cer c m onien zu befreien, und. zu diesem Zweck .sich zu einer konstituirenden Versainmlung zu vereinigen." — Schreiber dieses gehört nicht zur Reformpartei, aber ihn schmerzt jede ungerechte Anklage, selbst gegen Andersgesinnte. Weiß denn dieser Dr. juris gar nichts von der in aller Welt bekannten Rabbiner-Versammlung? Nichts von den Tausenden von Reform-Reden, Schriften und Prebißtcn? Nichts von all den neuen Weisen in Israel, die mit frommer Beharrlichkeit, fast das ganze Cermonialwesen abzuschaffen gestrebt, als Glaubenshelden gekämpft? Wurde nicht in der Rab.-Versammlung sogar über die Verlegung des Sabbats, über die Misch-Ehen, über die Abschaffung der hebräischen Sprache beim Gebet gestimmt, ja diese Sprache, als Erhalterin der schädlichen Ccrcmonien, von vielen Seiten, verhöhnt und verspottet? Und gingen diese Glaubenshelden nicht außerdem — jeder auf eigne Hand — noch weiter? Haben nicht der Herr Dr. Einhorn und mehrere seiner Amtsbrüder ,,zur Erhaltung des heiligen Glaubens" sogar die Befchneidllng, diese schädliche Haupt-Ceremonic, als nicht bindend für den Inden, erklärt? Hat nicht noch neulich Herr Dr. Stein , Butterbrod mit Fleisch, zur Bequemlichkeit in der Haushaltung, erlaubt? Der jetzige Jude steht nun, nach der neuen Lehre, unbefchnitten da, hält sein christliches Weibchen in den Armen, fein Fleisch- Buttcrbrod in der Hand, raucht sciu Pfeifchen am Sonnabend, und doch rufen Sie, Herr Dr. jnris, in Ihrem Aufruf aus: ,, Haben die Rabbiner den N o t h r n f so vieler tausend Glanbensbrüder gehört?" Freilich haben sie das. Ja noch mehr, sie haben diesen Nothrnf gar nicht abgewartet, und mehr eingeräumt als die Tausende verlangt hätten, denn mit der Abschaffung der Beschneidung ist alles Schädliche und Unschädliche abgeschafft, die Reform-Maschine steht nun still, denn sic hat keinen Stoff mehr zu bearbeiten. Was wollen Sie denn noch mehr? Warum rufen Sie denn diesen Rabbinen noch zu: „Es ist an Euch wieder gut zu macheu, was Eure Amtsvorfahren verbrochen haben"? Haben denn diese Rabbinen nicht schon ihre Vorfahren gerichtet, als Scheinlogiker verdamurt, und ihre himmelschreienden Verbrechen zu tilgen gesucht? O der Undankbaren, die so ihre Wohlthätcr verkennen! — Aber vielleicht wissen Sie dies Alles; Sie wünschen nur, wie Sie sagen, eine k o n st i t u ir en d e Versammlung , die — wie in der 35 *