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Der Orient · 1848-08-26 · Heft 35 (26.8.1848) · p. Seite 274

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 35 (26.8.1848)
Date
1848-08-26
Page
Seite 274 (sequence 3)
Language
German
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- 274 - der Rohheit und der PöbelMth Einiger gelungen , die jüdischen Natronalgardisten auszuscheiden; ja die christliche Liebe verschmähte es nicht/ jüdische Nationalgardisten zu insultiren. Die Gemeinde schickte eine Deputation, bestehend aus den HH. Moritz Je ll i n e k und Joachim P öltach nach Wien, um - die gerechten Klagen beim Minister des Innern Doblhoff vorzubringcn. Sie reichte folgendes Bittgesuch eiu: ,,Excelleuz! Die Unterfertigten, Abgeordnete der israelitischen Gemeinde zu Uug. Brvd, nahen sich mit diesen Worten: Euer E.rcellenz, um Schutz und Recht für sich und ihre Familien gegen die Ucbergriffe eines das Jahrhundert schändenden Vandalismus zu bitten und in Anspruch zu nehmen. -— Nachdem die neue Ordnung der Dinge in Oesterreich eingeführt worden war, nachdem die Verpflichtung eine Nationalgarde zu errichten und sich dieser einreihen Zu lassen, uns bekannt gegeben wurde: entzogen wir Israeliten zu Ung.-Brod dieser An ordnung uns nicht und wollten eben diesem vom Monarchen sanktionirtcn Gesetze gehorchen. Aber da uns die christliche Intoleranz in ihren Reihen nicht duldete: so bildeten wir mit Genehmigung des Oberkommandanten eine eigene Kompagnie und schafften uns Gewehre und Uniformen auf unsere Kosten an. — Doch seit einigen Tagen wurde die Stimmung gegen uns gereihter; mau beschimpfte mehrere Mitglieder unserer Gemeinde ob dem Tragen nationaler Abzeichen; vergebens flehten wir die Behörden an, es wurde uns kein Schutz. Excelleuz, will man uns Juden in den Reihen der Nationalgarde nicht dulden: so werden wir auf allerhöchsten Befehl auf diese Auszeichnung verzichten; aber auf den Willen des Pöbels können wir nicht horchen, denn geben wir heute das eine Recht auf, so raubt man uns morgen das andere u'nb am Ende das Leben. Ercellenz, unter dem' alten Regiment waren wir sehr gedrückt, aber unser Eigenthum, unser Leben war gesichert; sollte die Freiheit, die Frechheit und die Raubsucht gebähren? Excellenz, in kurzer Zeit wird der Reichstag über unser Loos entscheiden; aber bis dahin bitten wir Euer Excellenz einen Befehl des Inhalts ergehen zu lassen, daß man uns in dem gegenwärtigen Zustande unangetastet lasse. Da aber jede Verzögerung Gefahr drohend für uns ist: so bitten wir diesen Befehl nicht auf dem gewöhnlichen Wege, sondern unmittelbar an die Behörde, der wir unterstehen, ergehen lassen zu wollen. Ercellenz, im Namen der Humanität haben wir uns Ihnen genahet; im Namen der Humanität hoffen wir nicht vergeblich um Schutz für unsere Menschenrechte gefleht zu haben. Wien 17. Juli 1848. Moritz Jelliu e k. Joa ch im P oll ad;." Der 'Minister nahm die Deputation sehr freundlich auf und ertheilte den schleunigen Befehl an den Kreishauptmann zu Hradisch, den Gegenstand zu untersuchen Derselbe erschien auch bald' auf dein Schauplätze dc Streites, und hielt eine energische Anrede au den Magistrat für die Juden, die ihre Wirkung nicht verfehlte. .Die Juden erfcnncit dies sehr dankbar an, denn Dankbarkeit ist ein Gruudzug des jüdischen Charakters. — Ist es aber nicht traurig , die christliche Bildung so weit hinter der jüdischen zuruckstehcu zu sehen, daß sie die Intoleranz, den Neid, die Scheelsucht, die Hast Mach Privilegien, die Gier nach Vorrechten, den Haß gegen Menschen-zu ihren treuen Gefährten erkiert? Jene christlichen Raubritter meinen, die österreichische Revolution sei ein Spektakelstück, ausgcfuhrt zum Besten des christlichen Spießbürgertums; sie glauben, daß bei der Schöpfung des Menschen zugleich Privilegien für den christlichen Adam geschaffen worden sein: mit Nichten! Die Revolution ist eine treue Mutter für alle Menschen und die Bluttaufe wird Juden wie Christen crtheilt» Der Judenhaß muß bis auf die Neige geleert werden, damit die Menschenliebe verjüngt emporblühe. Die Liebe siegt, der Haß erliegt. Ad. Jellinek. Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Mähren, im August. Unser Landrabbiner hatte folgenden Aufruf au alle mährischen Gemeinden erlassen: „n"2 (A n d i e ehrsam c n j üdis ch e n G em c i u d e n der P r e v i n z M ä h r e n. Aufforderung zu patriotischen Spenden an Silber oder Silberwerth). Das Vaterland bedarf der Kräfte aller seiner Kinder. Darum dies Wort an Euch, geliebte Brüder. Wohl, meine Brüder, kenne ich Eure gedrückten Vermögensumstände, kenne die Lasten, die Ihr bisher zu tragen habet, weiß, wie namentlich Euch die Gewerbe und Nahrung störenden Folgen der Zeitereignisse getroffen, und wie'sehr Ihr gerade jetzt im nahen und nächsten Kreise in Anspruch genommen werdet. Allein ich weiß auch, daß Ihr jüdische Herzen habet und jüdische Herzen nie zurückgestandcn, wo es galt, Hab und Gut fürs allgemeine Beste hiuzugebeu. NM DDiiN rtan Mtt -vyn atay m itm das Wohl des Landes mit aller Kraft, mit aller Aufopferung zu fördern, das war und ist uns heilige Gottespflicht, und die Aufforderung, die in deren Namen an uns ergangen, hat,uns nie lässig und zaudernd'gefunden. Außerordentliche Zeiten, fordern außerordentliche Opfer von Jedem, und nur .wenn. Jeder das Seinige thut, kann das Ganze zum Heile erstehen. ^chon strömen von allen Seiten Gold- und Sil-

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