Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1848)
- Date
- 1848-08-19
- Page
- Seite 271 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Aschenhüll'e der Sorgen mit sanftem Hauch von seiner Seele geblasen. In seiner Heimat, in seinem Herzen müßt ihr die edle Natur des Juden aufsuchen, da ist sie reich an Freude und Schmerz, da waltet er fr ei.und gut. Schließet ihm dieses Herz in.Liebe auf, gebet seiner Heimat Oeffentllchkeit, und Ihr werdet die reichen Segnungen einer sittlichkrästigen Aussaat, in den Boden der Menschheit gestreut, bald gewahren. — Der Jude wird und kann bei seinem U n i ver sa l - Geiste nickt in seiner Absonderung verharren, froh und freudig wirft ec jedes Abzcichin von sich, und dem Mamon seinen elenden Bette! zurück Er ist so seines Geistes nicht werth. Er war ihm auch niemals Zweck, sondern Mittel. Der jüd. Geist hat höhere Zwecke, höhere Interessen, höhere Leidenschaften. Er wird den Wink der Freiheit wohl am besten verstehen, denn Freiheit, die wahre innere Freiheit, ist sein Erbtheil, sein still von ihm gepflegtes Eigenthum. Er trug ihre lebendige Idee von jeher in sich, nur nach dem Bedürfnisse der Zeiten von sinnlicher Satzung umgeben und befestiget. Mit diesem Maßstabe durchwanderte er — ein ewiger Jude — Welttheile und Jahrhundert. Er weiß das richtige Maß von den Tyorheiten und der Weisheit der Völker, das richtige Urtheil der Thatcn und Unthaten, die er geschehen sah; denn er hatte dazu immer den günstigsten wenn auch nicht erfreulichsten Standpunkt: fern genug um frei von Einfluß und Befangenheit zu verbleiben, doch auch nahe genug, um richtig und genau sehen und urtheilen zu können. Ueber manches Ereigniß schüttelte er bedenklich das graue Haupt, manche Thorheit gewann ihm ein sarkastisches Lächeln ab; aber überall wo er Licht über Finsterniß siegen, und das Panier der Freiheit erheben sah, da lodert auf im Stillen sein Geist und pochte sein Herz der Verwirklichung seiner Idee entgegen. Diese Wahlverwandschaft des jüd. Geistes mit der Freiheit, hat sich in der merkwürdigen Epoche, bei der ersten Umarmung der Freiheit mit dem Volke, faktisch erwiesen, und giebt sich noch beute in Wort und Thaten kund. Engherziger Neid, und sinnlose Philister, nennen dieses Kämpfen und Streben einer edlen, ihrer selbst kaum bewußten Begeisterung unbescheidenes H e r v o r drän g e n! nun fürwahr! dann waren Luther, Huß, Arnold v. Brescia, Winkelried die anmaßlichsten und zudringlichsten Menschen. „Sie sind Juden!" Was Ihr ihnen zum Vorwurf macht, bestimmt gerade ihren Werth. Eben weil sie Inden sind, beweist daß sie nicht für ihre, sondern für die gemeine Sache kämpfen. Wenn Ihr einmal die Schlasmütze auszieht, auf den Markt hinauslaufet und Lärm macht, so steht Ihr da um Euer Haus und Feld Euer Recht und Freiheit zu verteidigen; doch was macht der jüd. Jüngling an Eurer Spitze, für was ist er da, und müht sich und arbeitet und blutet? Der Jude kämpft und stirbt für seine Idee — doch das versteht Ihr nicht und das ist's was ich Euch sagen wollte Fraget die Aufgeklärten und Bessern unter Euch, sie werden es Ench auch sagen. —- Ja Ihr versteht nicht einmal Euch selbst, denn man muß zuerst aus sich selbst hinausgestiegen fein, mit andern gedacht gefühlt-und gelitten haben, um sich'selbst recht zu verstehen. Aber Ihr seid wie Polypen an den schlammigen Boden fest angewachsen, sich selbst lebend und sich selbst absterbend. Zur Gattung steigern könnt Ihr Euch nicht, denn wie ich . schon sagle, es fehlt Euch der Gemeinsinn. Nichts als die Gemeinheit habt Ihr miteinander gemein. — Schmiegel, 15. Juli. In meinem Aussätze (Ein Wort zu seiner Zeit) Nr. 27 dieses Blattes l. I. wurden die.Hrn. Rabbinen auf eine zur möglichen Befestigung unseres dem Einstürze 'nahen Religionsgebändes unumgänglich nothwendig vorzunehmende Reform des Judenthums i m Allge m eine n aufmerksam gemacht. — Diesem als Ergänzung hinzuzufügen, fühle ich mich gedrungen, die durch Vereinzelung demWachSthume der genießbaren Erzeugnisse schädlichen Pflanzen aus dem Weinberge Gottes zu säubern, der in Folge der Ucberwucherung denjenigen vorzüglich zur Last fallen müsse, welche vermöge ihres Berufes die Obliegenhesten übernommen, für das geistige Wohl der Kinder Sorge zu tragen. — Schon die jüngsten Zerrüttungen in den verschiedenen Staatsgcbäuden konstatireu genügend, wie wenig alles Festhalten au das als Hemmschuh der Entwickelung bekannte Altherkömmliche mit dem Anfwärtsstreben des unwiderstehlichen, utächtigen Zeitgeistes im Einklänge ist, und ein Ueberstürzcn des scheinbar Feststehenden als unausbleibliche Folge erscheint, wovon mau sich aber eine Spanne Zeit zurück nur als ein leeres Pantom Vorstellung gemacht hatte. ... Auch den Rctigionsdamm hat der anschwellende Attfklärüngsstrom bereits locker gemacht, ja stellenweise durchbrochen, und hat wie natürlich nicht auf ein neues Bett stch beschränkt, sondern bei der Ueberflnthung Alles überschwemmt und tiesgewurzelte Eichen der Rcligionswahrheiten mit fortgerissen. — Die mit den jüdischen Wissenschaften sich nicht befassende Jugend, verliert nämlich bei der ersten Ueberzengung von der Unverträglichkeit mancher zum Gesetze erhobenen Sittetl mit den Grundsätzen der Moralität ihr ganzes durch Geburt und Erziehung eingeimpftes- Vertrauen zu den bestehenden Satzungen; wirft in Folge dessen Alles in eine Kategorie, und dann steht die Religion bei ihr nur noch als Skelett oder wesenloser Schatten da. Die aber mit den Grundsätzen und Konsequenzen talmudischer Lehren vertraueteu Laien sind wiederum theils indifferent, größtentheils aber wegen Mangels an Autorität zu schwach, ihrer besseren Ueberzcugnng Geltung zu verschaffen. Die Schuld liegt also einzig und allein au den Trägern der Religion, den Rabbinen, welchen eS obliegen muß, die im Judcnthume wahrzunehmendcn Schäden (gleich dem Arzte) zu schneiden und zu heilen, selbst