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Der Orient · 1848-08-19 · Heft 34 (19.8.1848) · p. Seite 269

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 34 (19.8.1848)
Date
1848-08-19
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 Dieses pflegt bei jüdischen Armen leider häufiger, als bei Nichtjuden vorzukommen. Solchem Nebel nachdrücklich zu steuern, ist aber ebenso an Pflicht grenzende Nothwendigkcit, als die große Wohtthat, dem wirklich it n f ch u ldig Bedrückten hilfereichend entgegen ju kommen, indem die große Menschenkette einer theilweisen Austeibnng entgegengeht, wenn nicht jeder einzelne Ring derselben seine physischen und intellektuellen Kräfte zu entwickeln eifrigst sich bestrebt. Wem: aber die zu einer vorzunehmendcnVerbesserung gemachtes! Vorschläge von gutem Erfolge gekrönt werden sollen, gebietet die Vernunft, die zu entdeckenden Fehler bis auf den Grund verfolgend, zuvor die Ursachen des eingeschlichenen Verderbens so rg fäl t ig aufzusuchen. — Der Grund des obgedachten eingefleischten Unfugs der jüdischen. Arinen liegt wahrscheinlich: 1) in den jüd. Ritualgesetzen, wodurch es der niedrigen Arbeiterklasse bei geringem Tagelohn, trotz aller Einschränkung, fast unmöglich wird, jenen entsprechend, die Bedürfnisse zu erschwingen; 2) in der Unterdrückung des Volkes, in dessen Folge das Gefühl gegen Leidensgefährten rege und Jedem, der die Verstellungskunst besitzt, arm und kläglich zu thnn, -Unterstützung angediehen wird, wodurch das Unwesen wuchernd, sich fortgepflanzt hat, und 3) in der Auffassung einiger jüd. Sitten- und Morallehrcn, als lb pnu 'T bi> und npiu 5!wv und Mißachtung der andern, als: -pW2 nb:]2 ML'O hinab TiiDSfn bw und b)n -]naw ntry. Zur näheren Definition der im Judenthume. gebräuchlichen Devise des NDQ b^sn nplädiene beiläufig folgende unmaßgebliche Aufstellung: ■ Das Wort faßt in sich den erhabenen Sinn der gerechten und billigen Ansprüche der Bedürftigen auf Unterstützung der Bemittelten, so wie die Billigkeit dieser, den Rothleidcnden Unterstützung angedeihen zu lassen, und es ist demnach nicht, unwahrscheinlich, daß die zur Wahrheit geschlagene Hypothese niDD b^n npig Almosen schützt (den Spender) vor dem Tode, als Aequivalent der durch Almosen hervorbringenden Wirkung, dem Empfänger desselben das Leben zu erhalten ist, wovon die ursprüngliche Bedeutung demnach heißt: — dem Vordersätze ttb anpassend -— Almosen schützt (der: Empfänger) vor Verderben. — Um obgedachtem Uebelstande nach den angeführten Ursachen endlich abzuhelfen und die Schmach der Trägheit und der Arbeitsscheu abzuwälzcn, wäre es von großen:, unübersehbarem Nutzen, wenn in den Gemeinden, wo jüd. Arme an solcher Schwäche tabvriren, Vereine mit der Tendenz, dem Worte np^ in seiner wahren Bedeutung zu entsprechen, mit der sich .zu stellenden Ausgabe ins Leben treten möchten, ihren gesunden, kräftigen Armen Arbeit anzuweisen; diejenigen fleißigen Arbeiter, welche wegen ihrer zahlreichen, unmündigen Kinder ihren kärglichen Unterhalt durchaus nicht aufbringen können, von den monatlichen Beitragender Vereins-Mitglieder zu uuterstüßeu, die trägen Vagabunden aber der Behörde zu überantworten. Der Klugheit und dem guten Sinne der betreffenden Gemeinde-Vorsteher wird cs wohl neben dem guten Willen an den dazu nöthigeu Dispositionen nicht fehlen. — Prerau (in Mähren), 28.Juli. (Freiheit. Gleichheit. Verbrüderung. Ein kritischer Blick in das mähr. Bürgerihum. Von D. W. Grün.) Freiheit, Dreiheit! Daß doch die Menschen so abgeneigt der Einheit sind,',und allemal ihre Attribute zu so vielen Einheiten steigern, um dadurch nur selbst untereinander in Spaltung zu gerathen! — In vielen Gast - Kaffee- und sonstigen öffentlichen Häusern unserer Hauptstadt und der Provinz, sind noch die Fahnen aus den berühmten Märztagen zu sehen. Sie hängen da an den Wänden umher, halb entfaltet," insgesammt die Inschrift „Freiheit" „Gleichheit" „Verbrüderung" zeigend. Die Inschrift wie ihr Sinn, ist seit den 100 Tagen schon ziemlich abgenutzt und im häufigen nassen Wetter gewaschen worden, was Wunder also, wenn sie, auf Lappen hingezeichnet, hie und da einen gewaltigen Riß erlitten haben, so daß Fetzen daran und herunter hängen. —: Sie waren nur für den Augenblick inprovisirt worden: — Es ging unfern friedlichen Bürgern damals, wie es ihnen im Fasching zu gehen pflegt. Das Juchhe ruft, die Musik schallt, man will doch auch sehen, wie sich die Jugend belustiget. „ Prosit Herr Meister!" wie der feurige Trunk das Herz erfreut! Aber da eilt der kreuzbrave Altgeselle herbei, und bringt den närrischen Kautz zu Ruh. Der Fasching ist ausgeschlafen, der Meister rechnet wie viel er für die Zeche wieder zu sparen habe, schämt sich der gesungenen lustigen Lieder. Aber in der Schenke hängt die Dekoration noch einige Sonntage fort, zur heitern Erinnerung der jungen frohen Gesellen. , Freiheit" „Gleichheit" „Verbrüderung"! Das ist alles zu geistig, echter französischer Champagner, der durchaus nicht in den Haushalt eines Privaten paßt. Die lustigen freien Wiener, die konnten schon so verschwendrisch sein, in solchen spiriruosen Devisen. Die hatten schon vorher für die Mahlzeit einer tüchtigen Gesinnung gesorgt, aber uns auf dem platten Lande fehlt es — an was? — ach ohne Bild zu reden, an die Grundbedingung der Freiheit; an den eigentlichen Boden, in dem sie wurzelt und aus dem sie Nahrung zieht — an Gememsinn. Nicht an gemeinen Sinn, an Gemeinsinn. Wenn du, lieber Leser, nach Brünn gehst, und da den schönen Franzensberg besteigest, und unten im fruchtbaren Thal so hauswirthschaftlich eingefriedet einen Kohlgarten an den andern weit hinaus sich reihen sichst, und das Lied der Gäter und Pfleger, und das Geklapper der nahen Handwerksstätten zu deinen Ohren dringt, gewiß da beschleichen dein Gemüth sentimentale Familiengefühle, daß du der Gevatterin, die dir am Arme hängt die Hand drückest und

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