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Der Orient · 1848-08-19 · Heft 34 (19.8.1848) · p. Seite 268

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 34 (19.8.1848)
Date
1848-08-19
Page
Seite 268 (sequence 7)
Language
German
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268 (V. 5) also sollt Ihr mit ihnen verfahren: Ihre Altäre sollt Ihr niederreißen, ihre Säulen zerbrechen, ihre Haine abhauen und ihre Götzen mit Feuer verbrennen!" — Und weiter fuhrt der Verfasser noch die Stelle (IM. 34, 9 ff.) an, in welcher der chiwische Fürst den Söhnen Jakobs das Anerbieten der Verschwägerung macht, und die Söhne Jakobs ihm. antworten: „Wir können das nicht thun , unsere Tochter einem Manne zu geben, der eine Vorhaut hat re., jedoch alsdann wollen wir Euch zu Willen sein, wenn Ihr sein wollt wie wir, und Euch beschneiden wollt". „So — sagt der Verfasser .— wird das Iuden thum auch jetzt (?) noch mit den Söhnen Jakobs antworte iu" .(!!!). Ich will nun ganz absehen davon, wie unpassend es ist, Stellen wie die letzterwähule zu bringen, aus einer Erzählung, die keineswegs zu den ehrenvollen für die Israeliten gehört,, von der schändlichen Hinterlist Simon' und Levi's,'die Jakob selbst aufs Höchste mißbilligte; nur an' die Sache will ich. mich .halten, nur davon will ich sprechen, wie schmerzhaft es sein muß, gerade jetzt/wo die Liebe zum deutschen Vaterlande, zu ihren - deutschen Mitbrüdern' mehr als je entflammt ist in den Herzen der Juden Deutschlands, gerade jetzt, wo mehrere von ihnen die glorreichen Errungenschaften der Märztage aufdenBarrikadenSBiciiö und Berlins mit erkämpften, wo sie Alle Theil genommen an den Wahlen der Nationalvertreter, gerade jetzt endlich, wo wir stündlich dein Verhandlungen über unsere Gleichberechtigung entgegen sehen: von einem.Rabbinen, einem. Vertreter des. Judeuthmns , Ansichten aussprechen zu. hören, die die Christen Deutschlands mit den Heiden Kanaan'S in eine Kategorie bringen, und die verlangen/ die Juden sollen, wie damals abgesondert von den Heiden, so jetzt noch abgesondert von den Deutschen ihre Nationalität wahren, einen jüdischen Staat im gesammten deutschen Staate bilden. Die Juden sollen also, wieder Fremde sein in Deutschland, ihre Hoffnung: der Messias, und ihr Vaterland Palästina. Gott b e w a h r e uns vor uit serenFr eun den, mi t u n ser n Feiud en werden w ir h.o ffen tlich b a l d un d für immer fertig sein. — Gegen solche Ansichten über die Civilehe, über das Christenthum, über die Gesinnungen der Juden Deutschlands mußentschieden protestirt werden. Die gebildete Mehrheit der Juden Deutschlands erkennt in dem Christenthum nichts weniger als Götzendienerei, in den Deutschen nichts weniger als feindliche Völker, vor denen es sich abschtießen müsse; im Gegentheile haben sie stets ihre Liebe zum deutschen Vaterlande, zu ihren deutschen Mitbrüdern an den Tag gelegt; an den Tag gelegt in Zeiten, wo ihnen diese Liebe noch mit Haß vergolten, ihre Anhänglichkeit noch als Vordringtichkeit verschrien wurde. ' Die Civilehe wie überhoupt die'Gleichstellung, der Juden steht der Entscheidung der deukschen Nationalversammlung anheim; ihr -Ausspruch, wird gelten, und es wird keines. Für oder Wider irgend eines Nabbinen bedürfen. Mit gespannter Erwartung harren die Inden Deutschlands der endlichen Entscheidung der Frage entgegen, die für sic allerdings eine Lebensfrage ist. Kaum zweifelhaft kann ihnen das Resultat erscheinen., es kann und darf nicht anders lauten als: D er Unte rsch ied d er Konfessionen in P o l i t i s ch e r H i n s i ch t. i st a u fgehoben, die Juden sind den Christen durchw eg gl e i ch b ere ch t-ig t. Der Tag aber, an dem das ausgesprochen, an dem das Unrecht von Jahrtausenden gesühnt wird, er sei ein Fest- und Freudentag für immer, der Tag. unserer Vereinigung mit unfern deutschen Brüdern , der Tag an welchem Deutschland, unser Vaterland, uns als seine gleichberechtigten Söhne anerkennt. Möge er bald kommen! Schmiegel, I.Aug. (lieber Allmosenspenden, dessen Mißbrauch, besonders im Jndenthume und eine Vorlage zur Abhilfe .desselben.) Unter Allmosen (nplä), mit Beziehung auf die Spender desselben, versteht man, zeitige zur gewissenhaften Verwaltung dem Menschen anvertraute Mittel, , der Bedrückten Noth nach Kräften zu mildern; in Rücksicht auf die .Empfänger: ein den Armen in der Wüste ihres Lebens erquickende Oase int Gefühle der' mitleidig e n Bemittelten. Diesen. Bemittelten legen Gefühl und Moral die heiligste. Pflicht auf, das Geschick derer, von der-Vorsehung gleichsam stiefmütterlich behandelten Mitbrüder zu mildern', der . wirkti ch'vorhandenen Noth nach den zu Gebote stehenden materiellen Kräften,möglichste abzuhelfen, wodurch sie sich der ihnen anvertrauten zeitigen Güter würdig zeigen dürfen, und auch den Geizhals an die eiserne Nothwendigkeit zur Sicherung seines. Eigenthums mahnt, nicht ganz taub 'für die flehende Stimme eines Nothleidenden der großen Menschenfämilie - zu seiit. ' Andererseits ist auch der vom - Glück unberücksichtigte, von des Geschickes Mächten verfolgte, unglückliche arme Mensch, ohne in die tiefeingreifende, unlösbare, abstrakte Frage: Warum und wozu die Gerechtigkeit Gottes nn-' - ter die gleichberechtigten Menschen verhältnißmäßig ungleiche Gaben vertheilt, einzudringen, schon als ebenbürtiger Mitbruder der Kinder Gottes auf dem großen Erdenrunde, berechtigt, die. Wohlthätigkeit seiner , durch des Schicksals Wurf begünstigten Mitmenschen bean- ' spruchen zu dürfen. . Mancher aber tritt, gestützt auf die von den mild- und wohlthätigen Leuten nicht zu refüsirende Beanspruchung, sein eignes Glück durch zweckmäßigen Gebrauch der von der Natur ausgerüsteten Kräfte sich seinen Unterhalt zu verschaffen, dadurch mit Füßen, daß er sich jedem ehrenhaften, aber Anstrengung fordernden Erwerb entzieht und so lieber den Bettelstab zum Erwerbszweige macht.

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