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Der Orient · 1848-08-19 · Heft 34 (19.8.1848) · p. Seite 267

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 34 (19.8.1848)
Date
1848-08-19
Page
Seite 267 (sequence 5)
Language
German
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267 Ikjicti tiefer Wurzel fassen. Und dicS geschieht'durch die b ürgc r t i ch c dur-.h die Cj v i l e h e. Ich ncnne sie nicht Mischehe; denn, im weiteren Sinne würde dieses Wort alle Ehen überhaupt umfassen, da sie Vermischung von Mann und Frau bezwecken, im eng er n Si^.ne und aus die Civilehe angewandt, würde das Wort Mischehe schon gegen jene präjudiciren; denn es würde eine Mischung von zwei ganz verschiedenen Wesen als Weiße und Neger , Greise und Mädchen re. voraussetzen. S i n fc denn die Beke n n e r v e r s ch irdener R e ligi eneu so verschiedenartige Menschen, daß ihre Verbindung eine Vermischung zu nennen wäre? Uebt denn das Glaubensbekenntnis' irgend einen Einfluß auf die Ehe, in einer ihrer drei Beziehungen: in physischer, juristischer oder socialer Hinsicht? In letzterer jedenfalls; so will uitö ein Artikel aüs Wien in Nr. 31 des ,.Orient^ belehren. In diesem Artikel wird die Ansicht ausgesprochen: durch die Civilehe werde ,,e n t w c d e r das he i l i g e Band d e r Religio n, o d er das heilige Vaud der Ehe, wo nicht ganz gelöst, d o ch m i n d e st e n S das eine auf Kosten des andern gelockert werden."'— Und weiter wird von der Unmöglichkeit der religiösen Erziehung der Kinder gesprochen ,,so der Vater der M u t t e r H e i l i g t h ü m e r, die M u t t e r d e s V at e r s H e i l i g st e s g e r i n g s ch a tz t u u d v e r a ch t e t". — Hierauf werden die Kollisionen bei der Doppelfeier des Sonnabends und Sonntags, bei den Observanzen der Sedernächte, gegenüber dem Gebrauche der Hostien, bei Aufstellung der Wiesusa und des Weihwassers erwähnt. — Es ist nun ein doppelter Fall möglich: entweder der jüdische Theil bei der Civilehe hält streng an den Ceremouien, oder er thut es nicht. In letzterem Falle, in den der Verfasser des obenerwähnten Artikels nicht näher eingeht, gestaltet sich die Sache ganz einfach; entweder es herrschen die Gebräuche des andern christlichen Theileö vor, oder, was weit wahrscheinlicher, die Ncligiensgebräuche treten bei Beiden in den Hintergrund. Die Erziehung der Kinder in den je nach Uebereittknnft der Eltern verschiedenen Religionen wird, wenn anders der Unterricht nicht falsch geleitet wird, den Frieden des Familienlebens im Allgemeinen nicht stören, da doch dieselbe Voraussetzung, die bei allen Ehen gemacht wird: Zuneigung des Ehepaars zu einander und zu ihren Kindern, und kindliche Liebe, auch bei der bürgerlichen Che anzunehmen ist. Es wäre e iu e S chm ähung d er j ü d i sch e n o d er ch r i st 1 i ch e n R e l i g i o n , wollte man behaupten, sie seien im Stande die F amilie n b a n d e, d i e G a t t e n t i e b e, d a s P fl i ch tg.efühl der Kinder zu lösen, oder doch zu l o cker n. Hält aber der jüdische Theil streng an den Vorschriften seines Glaubens, so wird er schon von selbst am Liebsten wieder mit einem Glaubensgenossen sich verbinden. Thuter dies dennoch nicht, so kann nur die Liebe, die Zuneigung es sein, die ihn, den frommen Strenggläubigen, einem frcmbcn Konfessionsgenossen zuführt. Nun, wo Liebe, w.o Zuneigung ist, da kann doch wohl Achtung der fremden Religio n s g e b r ä u ch e, w e n n n i ch t u m i h rer se l b st lv i l le n , so doch a n s R ü ck f i ch tau f d eu th eur e n G a t t e n , die geliebte G a t t i u, d i e sie a il o ü bcu , mit B e st i m m theit vor a usge se tz t werden. An: Alleruvenigsien kann gerade da.mit dem Verfasser des obenerwähnten Aussatzes befürchtet worden: „es werde der Vater der Mutter Heiligthümer, die Mutter des Vaters Heiligstes geriugschätzen und verachten.^— In: Gegentheil ist eS gar wohl denkbar, daß der eine Theil die Retigicnsgebräuche des Andern, insofern sie nicht gerade rein, konfessioneller Natur sind^ und seinen Rcligionsprinzipiell nicht widersprechen , mit beobachtet, wodurch - die KollisicnSfätle sich leicht heben lassen. Was z-. B. wie im vorerwähnten Aufsätze ausgesprochen wird, hindern sollte, daß an der einen Thürpfoste 'die' Mcsnsa, an der andern das Becken mit Weihwasser befestigt 'werde, sehe ich nicht ab. Es würde' dies gerade ein schönes Symbol der friedlichen Vereinigung verschiedener Konfessionen und eine stete Erinnerung für jeden der beiden Theile abgeben. Die Kinder einer solchen Ehe aber, mögen sie nun einer Religion, welcher sie wollen, angehö'rcn, werden gewiß fromm und religiös werden, da sie sehen, wie selbst die nicht ihrer Religion augehörige Mutter re. dieselbe hochachtet; sie werden aber auch fceu fremden Glauben achten und lieben lernen, der in ihrer Mutter re. und deren Gebräuchen ihnen ehrwürdig erscheinen muß. Und ich glaube, Liebe für den fremden Glauben und dessen B'c'ke nu er gefährdet den eignen noch nicht. Nicht zufrieden aber mit dem schon Erwähnten, sucht der Verfasser des in Rede stehenden Aufsatzes seine Ansichten gegen die Civilehe aus der Bibel zu argumentireu. Das Verbot, sich mit den heidnischen Völkern Kanaans zu verschwägern (5 M. 7, 3), wird angewandt auf die Civilehe! Sie, die einen und denselben Gott verehren, wie wir, sie, deren sittliche und moralische Anschauungen gleich den uusrigen sind, sie stellt der Verfasser 'in eine Kategorie mit den heidnischen Götzendienern, mit denen die Verschwägerung eben.wegen ihrer Götzendienern „weil sie deinen Sohn von mir abwendig machen werden, fremden Göttern zu dienen" (ib. 7, 4) verboten war. Unsere deutschen Brüder, bei . und unter denen wir leben, deren Sprache wir sprechen, deren Recht, deren Sitte die unsrige ist, sie stellt der Verfasser zusammen mit den Hcidmvölkern, von denen cs an der angeführten Stelle V. 2 heißt: „Du sollst sie schlagen und sie verbannen und keinen Bund mit ihnen machen,' noch ihnen Gunst erzeugen, sondern 34 *

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