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Der Orient · 1848-08-19 · Heft 34 (19.8.1848) · p. Seite 266

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 34 (19.8.1848)
Date
1848-08-19
Page
Seite 266 (sequence 3)
Language
German
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266 Schmählichkciten gethan und er werde später der Versammlung einen Plan vorlegen, wie dann für immer diese brandmarkenden Steuern aufhören sollen. Es liegt an den dortigen Juden, namentlich an den Intelligenteren, sie mögen Advokaten oder Aerzte sein, darüber streng zu wachen, daß nicht irgend eine Beamtengemcinheit, daß nicht ein reaktionäres Kreisamt, oder ein bestechlicher Bürgermeister oder gar ein metternich'scher Nachzügler die niedergestürzte Scheidewand wieder anfrichte. Bei der geringsten Anmaßung, irgend eine Separation, sei "es in Steuern oder in Famllienten-Sachen, herbeizusnhren, müssen die energischsten Schritte geschehen, und. zwar nicht im Orte, sondern -gleich in Wien, in der Nationalversammlung. Diesen angenehmen Erscheinungen gegenüber muß das Treiben der Judenfeinde was mit derr Reaktionsgelüsten offenbar identisch ist, um so schmählicher erscheinen. Wie ein rother Faden Zieht sich durch unsere fast fünfmonatliche Freiheit eine Jndcnfeindschaft, die sich durch Plakate der erbärmlichstell Art bemerkbar macht. Die Partei, welche diese Plakate ausheckt, ist in tiefster Nacht gehüllt, wie ihr Handwerk ein finsteres ist, und fast möchte man vcrmuthen, daß ihr letztes Ziel gar nicht die Juden silld, . da bekanntlich gerade hier die Israeliten durch ihre Handlungsioeise große Achtung genießen. ' Aber wenn auch dergleichen Plakate , gerade weit sie so hundesgemcin, so lügenvoll und so offenbar gehässig sind, keinen Schaden aurichtcn,. indem sie, einflusßlos auf die öffentliche Meinung, kaum ein ephemeres Leben haben, so ist doch die Störrigkeit, mit der solche immer sich wiederholen, zu beklagen, da kaum einige Tage ohne solche Bescherung vorübergehen. Vor Allem muß ich aber hier eines Plakats gedenken, das wegen der Ofnein aus der, und wahrscheinlich auch der Person, von der es ausgegangen, die tiefste Verachtung hervorgerufen. Der Inhalt des Plakats war, eine Verdächtigung der jüdischen Bevölkerung, daß sie, einer geheimen Partei dienend, auf ihrem Freithofe Montourstucke und Munition versteckt hätte, eine Beschuldigung, die in unserer Zeit am Schwerster! wiegt. Aus der Offiein des Hrn. Franz Edl. v. S ch mid ging dieses Plakat hervor, und da es anonym erschienen, so ist vmnuthlich der Drucker auch zugleich Abfasser. Dieser Mann, der auf Kosten der Juden unter dem alten Regime privilegirt war, der überhaupt Ursache hat/ den Juden dankbar und erkenntlich zu sein, dieser wurde an ihnen zum Ritter. Die Juden ließen natürlich auf amtlichem Wege die Sache untersuchen und da stellte sich gar bxe' Sache wunderlich heraus. Der Hausmeister am jüdischen Freithofe, bei dem dieser Fund niedergetegt sein soll, ist gar kein Jude, sondern ein Katholik, der dort für sein Amt freie Wohnung hat Der, welcher die Kisten deponirt, war wieder Christ, nämlich der Schwager des Hausmeisters , Ziegelbrenner, der neben dem Leichenhofe seine Ziegelbrennerei hat; dieser Ziegelbrenner hat die Kisten vom Hauptmann Wirth, der, weil er eine Reise gemacht, diese Kisten nicht zu .Hause lassen konnte, und der Inhalt der Kiste war nicht Munition. Das hat nun der Sicherbeitsausschnß ermittelt und es hat sich in dem Plakate die absichtliche Verläumdnng heransgestetlt. So endigte diese Klatschgeschichte. — Die Wiener Universität, welche in unserer jungen Freiheit einen so bedeutenden Namen erworben, hat im vorigen Monate auch noch aus Nordamerika einen schönen Beweis der Sympathie erhalten, und die Uebcrbringer dieser Sympathien waren Israeliten» Die Glaubensgenossen, die Brüder Salomo n und I ak ob Hohen stamm aus New-Uork, hatten von ihren Landstenten in der neuen Welt den Auftrag, die Sympathien Amerikas den Wienern zu Überbringer, und in der Aula, wo einer der Abgesandten eine begeisterte Anrede an die versammelten Studenten gehalten, entledigten sie sich ihrer Mission, die von der akademischen Legion feierlich ausgenommen wurde. Sie händigten noch im Namen ihrer Landsleute die Summe von 8000Fl. CM. zum Besten der Universität dem Verwaktungsvorstande der akademischen Legion ein und nachdem Prof. Firster ihre Rede erwiedert, wurden die Abgeordneten mit großem Jubel nach Hause geleitet. In diesem Aula-Intermezzo haben wir das Band der Brüderlichkeit doppelt geknüpft, einmal das zwischen Amerika und Wien als Band der errungenen Freiheit, und dann das der Bekenntnisse, als Band der religiösen Freiheit. Von der Elbe, 1. Ang. (Schluß.) Es h err sch t eine H alb h e i t i n unserem eeremon i e l l e n I u d e rr t h u m, die praktisch b e w e i st, w i e u n m o g l i ch e i n e B e i b e h a l tri n g d e S g a nzen Eeremonialö für unsere Zeiten ist. Diese Halbheit hat sich meist durch die Praxis, durch die Zeit herausgestellt, und darum ist es ganz folgerecht, wenn man auch jetzt noch die Beobachtung der Ceremonien dem freien Willen jedes Einzelnen überläßt, wiewohl hierbei das Mißliche ist, daß Familienverhältniffe hindernd eintreten können, was bei einer Vereinigung Mehrerer zur Reform des Ceremonials, also da/ wo der Einzelne sich auf eine Gesammtheit stütze), kann, minder der Fall sein dürfte. Dem sei wie ihm wolle; Sabbatruhe, Speiseverbote re., sind der freien Praxis des Einzelnen überlassen; — und, wir glauben nicht zu irren: die gebildete Mehrheit der deutschen Juden hat sie überwunden. Diese Hindernisse der geselligen Einigung mit den Christen sind also zum großen Theile wenigstens beseitigt; ein Punkt aber ist noch zu berücksichtigen, der, der Gipfel und Ausläufer der Association mit den Christen, dem Haß und dem Vorurthcit derselben den letzten Stoß geben, den Glauben aber, ich meine den wahren, reinen Glauben, keineswegs gefährden, sondern im Gegentheite nur stärken würde; 'denn wenn die Humanität, die Nächstenliebe aufflammt, dann muß wohl auch die Ne-

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