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Der Orient · 1848-08-12 · Heft 33 (12.8.1848) · p. Seite 262

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 33 (12.8.1848)
Date
1848-08-12
Page
Seite 262 (sequence 11)
Language
German
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iaxas ist. Doch so Gott will, werde ich mich zum AbbaJshaq begeben mit Ihren in die, Ghas - (s^) Sprache übersetzten Anfragen, und werde noch Erklärungen'hinzufügen, wenn er sie beim Ausschreiben seiner Antwort wünschen sollte." — In Bezug auf den hebräischen Text des Pentateuch sind zweierlei Fälle denkbar, entweder fehlt es Jzra an den nöthigen Kenntnissen zu dem Verständnisse desselben, oder die Falaxas besitzen den Pentateuch nicht mit den. modernen hebräischen, sondern mit den alten,- sogenannten samaritanischen Buchstaben. Und deshalb habe ich in meinen Anfragen an AbbaZshaq das samaritanische Alphabet neben dem hebräischenausgeschrieben." - - In der Unterredung des Gobat mit einem alten Rabbiner der Falaxas las ich folgende Worte: Gobat: Habt Ihr keine hebräischen Bücher? Der Rabbiner: (nach einigem Bedenken) Ja, wir haben das Gesetz, doch wegen.der jetzigen Unruhen haben wir es mit einigen - andern Büchern . im Quartier der Muselmänner versteckt. (Gobat S. 261). Weiler fahrt d'Abbadie fort: „Meine Beleuchtungen über den Glauben der Falaxas oder Falasian, wie sie sich in der Ghas-Sprache nennen, hatte mich so überrascht, daß ich anfangs das Bedürfniß fühlte, ehe ich irgend etwas daraus folgerte, einen gelehrten Juden zu Rathe zu ziehen; doch ich besann mich bald eines Anderen, und beschloß meinen Brief ohne Weiteres als-Versuch der Oeffentlichkeit zu übergeben." Und er hat sehr recht gehandelt, und wir sind ihm für diese Aufrichtigkeit zu großem Danke verbunden^ Ich hatte d'Abbadie bemerkt, daß man daraus, daß diejenigen welche bas (dem Geiste des-Mosaismus ganz zuwiderlausende) Mönchsthum bei den Falaxas eingeführc, nach der Sage zur Zeit -des abbyssinischen Königs Zar-a Jaigob (1434—>68) gelebt, nicht nur wie er gethan, entnehmen könne, daß die jetzigen Satzungen der Falaxas sehr, verschieden von den früheren seien, sondern auch, daß die Religion derFalaschas nur in Folge der im 14. 15. u. 16- Jahrhundert Seitens der Christen über sie verhängten Verfolgungen verderbt wurde. Ist doch der obenerwähnte Zar-a Jaigob durch die Einführung der Inquisition'und durch die Verfolgung der Heiden und Juden genugsam bekannt. Hierauf antwortete mir d'Abbadie Folgendes: „Es ist leider wahr, daß viele Ueberlieferungen und geschichtliche Erzählungen der Abysssnier/ die noch zur Zeit Ludolfs vorhanden waren, untergegangen fink. Ich habe sechs Lanka nagast, das sind abyffinische Geschichtsbücher, verglichennicht zwei von ihnen stimmen überein. Obgleich ich nun nirgends in diesen Büchern die Inquisition und ihre Einführung durch Zar-a Jaigob, wovon sie mir schrieben, erwähnt finde, wage ich dennoch nicht, Ihre Behauptung in Zweifel zu ziehn, wie wenig diese Inquisition auch mit der außerordentlichen Toleranz und Friedseligkeit der Abyffinier in Glaubenssachen übereinstimmt." Meine Quelle über die ahyssinische Inquisition ist die Geschichte von Bruce; denn darin, steht, daß Amda- Sion, der Torquemada vvn Abyffinien, einen Befehl veröffentlichtes daß alle die am Leibe gestraft werden, und ihre Güter eingezogen werden sollten, die nicht auf der rechten Seite ein Amulet tragen würden mit der Inschrift: Ich entsage dem 'Teufel um unfern Herrn Jesus Christus. Hierzu kommt, daß kurz vor der Regierung des Zar-a Jaigob, die Falaxas die Waffen gegen den abyffinischen König Isaak (regierte 1412 — 1429 > ergriffen hatten. Die Gründe dieses Aufstandes, sagt Bruce,/sind unbekannt, doch sink sie'jeden/aUs in Ungerechtigkeiten, des Königs gegen die Juden zu suchen. Isaak zog gegen die Falaxas in der Provinz Woggora (Wagara), schlug sie in Kossogne aufs Haupt, nahm ihnen diese Provinz unv ließ zur Erinnerung an diesen Sieg auf dem Schlachtfelde eine Kirche bauen, die er Debra-Isaak nannte. Uebrigens mag nun das Mönchsleben den Falaxas (und zwar denen unter ihnen, die Unterthanen des christlichen Königs waren von dem grimmigen Amda-Sion aufgedrungen worden sein, oder mögen die Verfolgungen dieses afrikanischen Torquemada die unglücklichen Falaxas gezwungen haben, sich' vor den Augen der Welt zu verbergen, und mit um so größerem Eifer ihre Blicke dem Himmel zuzuwenden; jedenfalls ist es meiner Ansicht nach Thatsache, daß die Religionsbedrückung des Aar-a Jaigob unmittelbaren Einfluß übte auf die Entstehung der Klöster bei den Falaxas; und dieser Einfluß, weit entfernt zu schwinden, wurde durch die bürgerlichen Beschränkungen und die Proselytenmacherei in der Folgezeit immer mehr befestigt. D'Abbadie scheint in seinem ersten Briefe das Ardir, das Eintauchen der Neugeborenen ins Wasser für eine Halbtaufe zu halten. Ich bemerkte dem d'Abbadie, diese Ceremonie habe wohl gar nichts mit der Taufe zu schaffen, welche die Falaschas gar nicht zu kennen behaupten und für eine Abgeschmacktheit erklären. Wahrscheinlicher ist es, sie halten den Neugeborenen für unrein wie feine Mutter, bis zum Ardit, das bei einem Knaben 40, bei einem Mädchen 80 Tage nach der Geburt stattsindet. Hierauf erwidert d'Abbadie: ,,Jch hakte wie Sie die Ceremonie des Ardiit für eine Reinigung und nicht für eine Taufe, aber dieses letztere Wort heißt in der Giiz-Sprache t img a t, und eben dieses Wort haben auch die Falaxas im Gebrauch. Wunderbar ist, daß das Buch Ardiit,-aus welchem bei jenen Ceremonien gelesen wird, von den Christen angenommen ist-; ich habe es noch nicht rmtersucht." Doch dieses Wunderbare wird erklärlich, wenn man eine Stelle des d'Abbadie selbst gus dem Briese im Journal des Debats vergleicht-(S. 4 Spalte 1a) wo es heißt: „das Buch Ardet scheint von den Falaschas zu den Christen übergegangen zu sein. " — In der That ist es sehr wohl denkbar, daß der größte Theil der Abyffim'er beim Ueberlcitt aus dem Judenthum in ein Halbchristenthum, die Worte limgat und ardiit, die ursprünglich die Ceremonie bei Wöchnerinnen und Neugeborenen bedeutet, sammt dem bei dieser Ceremonie gebrauchten Buchebeibchielten und gerade so, wie man es bei Religionsveränderungen täglich vor sich sicht, in ihrer neuen Re-

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