Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1848)
- Date
- 1848-08-12
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 261 — reinsten Menschenliebe, .und wenn einst Enkel an dieser Stätte knien , dann werden ste sich laben an den herrlichen Himmelsblttchen, und in stiller Wehmuth dankbar sich Derer erinnern, die sie einst gepflanzt. Nachdem die Leiche beigesetzt war und der biedere Major sowie das wackere Officierkörps noch einige Schaufeln Erde in das Grab geworfen, gaben diese nebst den anwesenden' Garden der 4. Kompagnie, die mit klingendem Spiele auf ihren Sammelplatz zogen, das Ehrengeleite l Ich aber ging mit dem Wunsche nach Hause, Daß überall der Haß, der noch zwischen Bekennern verschiedenen Glaubens herrscht, so verschwinden möchte, und jeder in seinem Nächsten nur den Menschen , den Bruder sehe! Jene Finsterlinge aber, die durch giftige Bosheit diese schöne Zeit hinauszurücken bestrebt sind, mögen in ihrem iimern Richter die größte Strafe finden! — Ueber einen neuen Brief des Anton von Abbadie in Bezug auf die Juden in Abyssimen. . Von ' FilKsseno Buzzatto. (Schluß.) Diese Lhatsachen, die aus dem Briefe des d'Abbadie hervorgehen, sprechen meiner Ansicht nach entschieden dafür, daß die Falaschas wirklich Juden sind, und ich hoffe Herr Jost wird, nicht mehr, wie in Nr. 9 Jahrgang 1839 seiner „Israelitischen Annalen" in seiner Anzeige der „Reise in Abyssinen von Katte " behaupten, er halte die Existenz des Judenthums in Abyssimen bei einem bestimmten Volke für „sehr zweifelhaft^. Ich will noch einige andere Bemerkungen zu den obigen hinzusiigen. Die Falaschas sind Monotheisten (Gobat S. 327), sie leugnen die Göttlichkeit Jesu (das. S. 321—22) und glauben an die Auferstehung der Lobten -d'Abbadie). Mehrere Monatsnamen der Falaschas sind augenscheinlich die entsprechenden hebräischen Namen nur mit verderbter Aussprache, z. B. Lesa für Nisan, Lavt für Level, Lomas für Lamus; der Fasttag in Ab heißt bei den Falaschas Ab rom was nur korrumpirt ist aus Ab z"om ML .IN Fasten in Ab. Die der hebräischen Syntax entgegenlaufende Zusammenstellung dieses Ausdrucks erklärt sich durch den Charakter der eigentümlichen Sprache der Falaschas, sowie der andern Abyffinier, die eben so wie andere Dialekte dieses Landes zum indo-europäischen Sprachstamm gehörig, wie die andern Zwergsprachen dieses Stammes dergleichen Konstruktionen (Ab tom Ab's Fasten) zuläßt, wie ich dies aus meinen vergleichenden Sprachstudien ersehen habe. Das Studium dieser Sprache der Falaschas im Vergleich mit andern abyssinlschen Dialekten und mit den klassischen Sprachen Indiens und Europas hat mich seit einiger Zeit, zu der Ansicht geführt, die Falaschas bestehen zum großen Theile aus Abyssiniern, die zum Judenthume übergetreten, und wie ich glaube aus Egypten gekommen seien, Nachkommen der Hyksos, der alten Eroberer dieses Landes. Ihr Name selbst, Falascha, den d'Abbadie wie wir unten sehen werden Falaxa schreibt, ist, so glaube ich, nichts Anderes als das Wort valaska im Sanskrit, welches weiß bedeutet, und welches jenes Volk zum Unterschiede von den Schwarzen, den eingeborener» Afrikanern sich beigelegt hat. ' Doch zurück zu d'Abbadie. Siebenundzwanzig Monate waren verflossen, seitdem ich meinen Brief für ihn an den Redacteur des Journal des Debats geschickt, und noch hatte ich keine Antwort erhalten. Ich dachte fast nicht , mehr an meinen Korrespondenten in Abyssimen, ich glaubte, der Redakteur des obigen Journals habe keine Gelegenheit gesunden, meinen Brief an ihn abzusenden. Da, den letzten Tag im verflossenen Jahre 1847, erhielt ich unvermuthet vermittelst des erwähnten Redakteurs, dem ich bei dieser Gelegenheit öffentlich meinen Dank abftatte, einen Brief von unserem d'Abbadie. Er hatte meinen Brief vom L Oktober 1845 erst im Juni 1847 erhalten, und den 6. Oktober desselben Jahres aus Mashal in Ligray daraus geantwortet. Zunächst giebt er mir die Gründe an, die ihn bis jetzt verhindert, meinen Brief dem Abba Jshaq mitzutheilen, den er indessen in meinem Namen hatte grüßen lassendarauf sagt er: ,,Jch wünschenden so wie Sie, daß dieUngenauigkeiten m meiner Abhandlung über, den -Glauben der Falaxas durch den Abba Jshak gehoben werden könnten,' aber ich hoffe es nicht. Denn meine Berichterstatter waren David und sein Bruder Jzra, beides Söhne des Priester Zena. Jzra ist Diakonus und liest das Ghaz geläufiger als die'meisten christlichen Geistlichen in diesem Lande." Darauf erzählt er wir, wie ein Falaxa ihn gebeten habe, ihn mir nach Europa zu seinen Brüdern zu nehmen, und ,,ich ging es sofort ein', sagt d'Abbadie, unter der Bedingung, daß ich erst die Quelle des weißen Nll aufsuchen. Der arme Falaxa nahm meine Antwort für eine Ausflucht, und in meiner Abwesenheit reiste er. mit einem Israeliten aus Kairo, der ihn auf dem Wege verkaufte, obgleich ya ayn misa (so hieß der arme Falaxa) nicht als Sklave geboren war. Ich habe Ihnen dies Unglück' erzählt, um Ihnen zu beweisen, wie dieFalaschas mit ihren gebildelern Brüdern in'Verbindung zu treten wünschen, und eben so, welchen Gefahren sie entgegengehen, wenn sie diesen Wunsch auszuführen suchen." Hierauf fährt d'Abbadie fort: „Ich hatte in Gondar eine hebräische Bibel, und habe mich überzeugt, daß Jzra noch keine gesehen hat; dennoch werde ich nicht unterlassen, den Abba Jshaq um den hebräischen Text zu befragen. Ihre Anfragen indeß werde ich ihm nicht mündlich mittheilen, weil sie beträchtlich sind, und ich werde sie ihm nicht in der Amharasprache mittheilen, weil sie nicht die heilige Sprache der Fa-