Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1848)
- Date
- 1848-08-12
- Page
- Seite 260 (sequence 7)
- Language
- German
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260 ~ bedeutende monarchische Staaten und unsere Schwesterstadt Hamburg zurückstehen und Frankfurt die breiteste Grundlage, welche Oesterreich, Preußen, Baieru, Nassau, Hamburg für ihre konstituirenden Versammlungen wählten, für eine blos vorberathende verlassen wollen? Gleichwie von dem allgemeinen Standpunkte des neuen öffentlichen Rechts aus, unfern Glaubensgenossen die Mitwirkung bei einem Bcrfassungöwerke nicht zu versagen ist, so bietet unser besonderer Standpunkt noch wesentliche Momente, welche es als nothwendig erscheinen lassen, uns eine Stimme dabei zu gönnen. Die Verfassungsvechandtung wird nämlich das religiöse Gebiet und die Stellung der Gemeinden im Staate nicht unberührt lassen, sollen wir bei allen diesen wichtigen und unfern heiligsten Jnteresseu uuvertreten bleiben? Alle diese Verhältnisse zeigen, wie wichtig es ist, daß kein Rückschritt geschehe , welcher darin liegen würde, wenn die neue Organisation so eingeleltet würde, daß unsere Gemeindeangehörigen dabei ausgeschlossen bleiben. Wir hegen aber'das Vertrauen, daß ein hoher Senat, unsere Rechte wahren werde und bitten in diesem Vertrauen ehrerbietigst: ,,Hochdieselbe wolle sich daher auszusprechen geruhen, daß bei der beabsichtigten Einberufung eines vorbcrathenden Verfassungsrathes hinsichtlich unserer Gemeindeangehörigen keine Zurücksetzung stattfinde, sondern daß denselben gleich ihren christlichen Mitbürgern die Wählbarkeit und die Mitwirkung bei den Wahlen zugestanden werde." Irr tiefster Verehrung verharren wir als eines Hohen Senats gehorsamster Vorstand der isr. Gemeinde. gez. Dr. Man Hayn. Dr. med. Emden. Homburg v. d. H., Ende Juli. Auch in unserer Grafschaft ist die Civilehe zwischen Juden und Christen, wie Ln Braunschweig und Preußen gestattet worden. Dieser Fortschritt in einigen Staaten Deutschlands ist die Losung in der modernen Emaucipationssrage und sie wird und muß allenthalben gelöst werden, weil das Gesetz bei wahrer 'Freiheit den Separatismus nicht aussprechen darf. Wie wir so eben Horen, haben die Stände in Kasse! auf Antrag eines Abgeordneten ebenfalls auf Gestattung der Civilehe zwischen Bereit Konfessionen angetrageu. Teplitz (in Böhmen), 26. Juli. Der gestrige Tage brachte einen erhebenden Beweis der zwischen den Bewohnern hiesigen Ortes herrschenden Eintracht, und zeigte, daß die wackern Bürger durch die That am besten jene verleumderischen Gerüchte Lügen strafen, die von crbärnllichen Subjekten ausgestreut werden, in der Absicht, die freundschaftlichen Verhältnisse unserer Stadt zu stören. Es fand gestern die Bestattung eines Nationalgardisten israelitischer Konfession statt, und zwar auf eine Weise, in der sich die Humanität und Toleranz der Teplitzer Einwohner so charakteristisch ausspricht, daß man mir schon eine nähere. Beschreibung erlauben wird. Nachmittags 4 Uhr versammelten sich das Ofsicier- Corps der Nationalgarde, dem sich ein guter Theil der Garde angeschlossen hatte, sowie da'S Mnsikkerps (sämmtlich in" Uniform) vor der Wohnung des Majors , und erwarteten da die 4. Kompagnie, in deren Reihen der Verstorbene stand; nachdem diese unter Trommelschlag angernckt war und sich in' einigen rasch und gut ausgeführten Schwenkungen in militärischer Ordnung ausgestellt hatte, begaben sich die Anwesenden vor die Wohnung des Verblichenen, und begleiteten von hier in feierlichem Zuge ihren Gefährten zu seiner letzten Ruhestätte. — Vor dem Leichenwagen, aus welchem Czako und Waffen des 'Dahiugeschiedenen lagen, ging das Mustkkorps, einen Trauermarsch blasend; dann folgte eine Abtheilung der 4. Kompagnie unter Waffen, hierauf der Sarg, den von beiden Seiten Gardisten mit Fackeln begleiteten, dicht hinter dem Sarge der Prediger der israelitischen Gemeinde im Ornat, das Offieierkorps und viele Garden. Geschloffen wurde der Zug von einer bewaffneten Abtheilung der braven 4. Kompagnie, die durch ihr fast vollständiges Erscheinen das beste Zeuguiß von dem in ihr herrschenden Geiste der brüderlichen Einigkeit gab. Auf dem Friedhofe* hielt der würdige Seelsorger der israelitischen Gemeinde, Hr. Piek, eine gelungene Rede, in welcher er nach einigen kurzen, den Verstorbenen und dessen Angehörigen berührenden Worten auf die Wichtigkeit des heiligen Moments zeigte, der hier auf geweihter Stätte die Bekenner verschiedener Konfessionen vereinte, in dem brüderlichen Bestreben, ihrem Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Dieses einmüthige Bestreben sei eine Frucht der errungenen Freiheit, die die Scheidewand zwischen christlichem und jüdischem Bruder gestürzt, und so das vollbracht habe, was so vielen Menschengeschlechtern, ja ganzen Jahrtausenden nicht möglich gewesen. — Den Bürgern dieser Stadt gebühre der Ruhm, die Sonne der Freiheit nicht allein nicht befleckt, sondern durch hochherziges Benehmen ihre Klarheit noch erhöht zu haben, und daß ein solches Benehmen nur dazu beitragen feinte, den bewährten Ruf unserer Stadt noch zu steigern.' Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß diese allgemeine Menschenverbrüderung sich immer frischer und lebenskräftiger entfalten möge. — Wer hätte da nicht aus vollem Herzen ,,Amen" gerufen!' Die Rede verfehlte auch nicht auf alle Anwesende einen tiefen Eindruck zu machen; jeder schien die hehre Bedeutung des heiligen Augenblicks erfaßt zu haben, und so manchem Auge entrollten Thranen; wo sie Hinsielen, werden einst Blumen sprossen, Blumen der +) Hier ruht der vortreffliche Mann, I. G. Seume aus Sachsen.