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Der Orient · 1848-08-12 · Heft 33 (12.8.1848) · p. Seite 258

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 33 (12.8.1848)
Date
1848-08-12
Page
Seite 258 (sequence 3)
Language
German
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und edelste Kräfte / die Träger der deutschen Bildung, in sich faßt. Ist 'aberdann schon"Wes beendet, ist mit' jenem Beschlüsse schon die ganze Sache erledigt, das jahrtausendlange-Vorürtheil' aus dem Herzen des gemeinen Volks gerissen? Ich glaube es nicht. Wir haben dann das Gesetz das Recht', als Stützen auf' unserer Seite; nun aber müssen wir, alle Juden Deutschlands, die wir uns bisher, mit Ausnahme einiger einzelner ausgezeichneten Persönlichkeiten, mehr passiv an der Judenfrage betheiligt haben, uns bewähren als würdige Nachkommen der Makkabäer, als würdige Söhne unseres großen deutschen Vaterlandes. Beharren wir aus unsrem Rechte,- taffen wir uns nicht durch Pöbelgeschrei wankend machen/' weichen wir keinen Schritt'zurück, inu mer niuthig voraw, wie es Deutschen geziemt! Wehe aber auch dem voll uns, der die junge Freiheit..zu schlechten Zwecken mißbraucht; Fluch dem Juden, der durch seine Unredlichkeit, seine Verbrechen den im Pöbel schlummernden Judenhaß'aufweckt; denn noch wird der Pöbel (und der lebt in Palästen sowohl als in Hütten) das Vergehen des Einzelnen -der Gesammtheit zur Last legen. — * Besonders aber an Euch, .deutsche Jünglinge jüdischen Glaubens, Euch ans denen, wie aus der gesammten Jugend Deutschlands . die Zukunft des' Vaterlandes beruht; Euch die Ihr berufen seid zu Trägern des Judenthums , berufen ihm wie seinen Bekenuern Achtung und Liebe zu erwerben; Euch, die Ihr ja so Mauchen unter Eurer Mitte zähltder theilgenommeu an dm Kämpfen der' Märztage in Wien und Berlin , an den heiligen Kämpfen der Freiheit wider die Tyrannei: —■ an Euch richte ich die Bitte, die neuerlangte Freiheit zum Wohle Deutschlands, zur Ehre des Judentums zu benutzen. Alle Zweige des Wissens, der Gewerbe, der Kunst werden sich Euch nun offnen. Weihet Euch diesen und weiset zurück dm schändlichen Schacher' und .Wucher; Erwerbszweige, die nie unter unsrem Volke'um sich gegriffen hätten, wenn, nicht die Fürsten durch Verbot der Erlernung und Ausübung jedes anderen Berufes die Juden zum .Wucher hingetriebm, und so sie als Schwämme benutzt hätten, die das Gold ihrer Völker einsogm, und die sie beliebig dann auspreßten. Die Fürsten, nicht die Juden, waren die eigentlichen Wucherei; zu scheinheilig, vielleicht auch zu furchtsam ihre Völker direkt auszubeuten, verschanzten sie sich hinter die Juden. Und was diese erwucherten, das siel als Leibzott und Schtttzgeld, als Judensteuer und als Familiensteuer, als Licht- und als Fletschsteuer, und wie diese fürstlichen Schröpfmittel alle heißen mögen, in den Säckel der Fürsten. Die Fürsten waren die.Wucherer, die „Juden nur ihre Werkzeuge; iudeß die Juden wurden als Wucherer gehöhnt, verfolgt , geächtet und erschlagen, die Fürsten waren geliebt und geachtet, und ihre Schatullen gefüllt. — Glaube man aber ja nicht, da'ß allein durch muthiges Verfechten uttseres Rechts, durch gewerbliche Betriebsamkeit, durch würdiges achtunggebietendes Verhalten unsre Ausgabe gelöst, das'Vornrtheil des Pöbels bcstitigt sei. -Noch, ist ein wuchtiger Schritt zu thun : - d i c soc i all e A u n ä h e t it n g a lt u n f c r e d e u t s ch e u B rüd c r. .Man wunde mir hier nicht'ein, sie, sei unmöglich) sie gefährde den Glauben und seine Satzungen. Di e^soc t a l e- A n n ä h ent ug ‘ i\t. n t ch t n ux rit ch t u nnt o gl i ch , üi e i u sie i st u n lt tu g ä n g l i ch lt o t h w e 11 •>' ig. Verschlvulldeu ist die Zeit, da -die Juden-in, ihren Ptertctti ein Ganzes bildeten, ganz abgesondert v-osi den Christen lebten, ja leben müßten,- da nnr der Handel sie mit. ihnen zusammenführtc; vcrschwutnden ist die Zeit des Eichhornschm christlichen Staats, da die Judei^ besondere Korporationen bilden, ihre Kinder besondere Schulen besuchen', sollten; verschwunden .sind die Zeiten des' Partikularismus, der Abgränzüngdie 'bei der vollständigen Beobachtung unseres' Ceremoniels bedingt wird. Wir leben in den Zeiten der Association, der Bereinigung Aller zu einem großen Ganzen-. Und als Mitglieder dieses großen Ganzen-, des Staats-, des Gemeilldeverbandes, als Staatsdiener, als Jnnungsgenossen werden die Juden mit und unter den Christen *[e'6crt, und eben so wenig als sie llhr Judenthum zu verleugnet! haben rverden, werden sie.sich gesellig von denjenigen abschließcrl wollen und können, mit welchen sie amtlich verkehren. Die gesellige Annäherung .soll aber, so sagen die Frommgläubigen, den Glauben gefährden. Ich kann dies nicht zugeben. Der reine Glaube des Judentums sollte durch nähere Verbindung mit den Christen schwinden? Sind denn die Christen unserer Tage gar so begierig Proselyten zu machen, und deuten nicht im Gegentheile alle die neueren rationalistischen Bewegungen im Christenthume auf ein Zurückgehen zürn Ursprünglichen, zum reinen Judenthume hin, wie ja auch Jesus §s gelehrt, und das nur dürch Apostel, KircheuväteL und Prälaten zu eiuetn Wüste abgeschmackter, barbarischer Lehren herangeschwollen, den Luther selbst nicht ganz beseitigen konnte, und dessen letzter Ableger der k. prcuß. christliche Staat war? Freilich die Cere.monien dürften durch die sociale Annäherung mehr oder minder gefährdet sein, wenn man das gefährdet nennen kann, was in der Praxis teilweise schon gattz vergessen, oder doch nur wenig geübt wird. Als der unsterbliche Mendelssohn die fünf Bücher Mosis ins Deutsche übersetzt drucken ließ — da wurde er, wie das Werk von orthodoxen Rabbineu in dm Bann gelegt; und diese Rabbinen Hattert in . ihrem Sinne, vollkommen' Recht. Sie sahen mit scharfem Blick in die Zukunft., sie erkannten die Wirkung die diese, deutsche Bibel für die Folgezeit haben würde. Doch die alte Geschichte mit Bileam hat sich -stets bei Bannformeln, christlicher wie jüdischer Seits bewahrt —

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