Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 32 (5.8.1848)
- Date
- 1848-08-05
- Page
- Spalte 503-504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 803 Studien. Ueder -ie HuldigMgs-Hyrnne. Bon Skteinka. zu den positiven Lehren und speciellen Beziehungen des Iudenthums übergeht, welches, wie schon Rapaport und nach ihm Zünz.bemerkt, das charakteristische Gepräge der germanischest Dichter ausmacht. Wenn er gleich im ersten Gesang seine frohe Begeisterung durch'einige elegische Anklänge über den Untergang des Lempeldienstes unterbricht, so ist es nur, wenn wir in Herders sinnvoller Weise sprechen wollten, das Herabsenken der aufgeregten Meereswoge, um sich sogleich mit verdoppelter Kraft erheben zu können. In den nachfolgenden Gesängen gleicht sein momentanes Anhalten bei Israel dem Flug des. kühnen Lustseglers, der nur auf einen Augenblick die Erde berührt, um zu zeigen,- daß er bei seinem Aufschwung zu den unendlichen Räumen noch nicht den festen Boden verloren hat. Wenn wir ihn am siebenten Lage bedeutungsvoll bei dem speziellen Verhältnis Gottes zu Israel weilen sehen, so zeigen Anfang und Ende, daßeben dieses Verhältniß das Bindungsmittel abgeben soll, wodurch der Schöpfer des Weltalls als Regent der Menschheit immerwährend auf Erden - watret. Ist doch die Grundidee des Sabbat das Reinmenschliche im Judenthum, das den Bewohner des Erdballs von dem Anhaften an der Scholle befreit. Darum gestaltet sich auch das Ganze dieses Gesanges zu einem trefflichen Epos im Geist der echten Romantik, aber im Gegensatz zu ihrer Empsindungsweise. Denn anstatt das Schmerzgefühl der Unzulänglichkeit dieses Erdenlebens für unseren höheren Bedarf in wehmüthiger Empfindung auszudrückm, ergötzt sich das Gemüth-mit epischer Stärke an der Quelle des höheren Geistes, die jedem reinfühlenden Herzen genügt. Nur dieses Schlußgedicht der höchsten Weihe scheint selbst Ln der' Empsindungswekse für den Zustand Israels zwischen! Lob und Bitte, zwischen Triumph und Wehmuth, zu schwanken, und weilt am Ende viel mehr als sonst bei der Persönlichkeit. Wir glauben daher unsere bereits bekannt gemachte Ansicht begründet, daß der Sänger im Gefühl der.Unzulänglichkeit dieses Erdenlebens alles .dessen, was er in den sieben Gesängen zum Lob der Gottheit ausgesprochenhat, diesen Schlußgesang zu seiner eigenen Beschwichtigung abgefaßt, und sein Zurückbleiben unter der Würde des Gegenstandes mit dessen Ueberschwänglichßeit "’W) entschuldigt hat, indem wir in unserer Natur zu-sehr beschränkt sind, um ihn aus eigener Kraft erfassen zu können; jene Vorstellungen aber, die uns im Wege der Offenbarung überkommen sind, nur als bildliche Ausdrücke genommen werden können. Darum wählt er die Bilder, wie sie in den Propheten vorfindig sind, weilt vorzugsweise bei dem, nach dem Geist der damaligen Hermeneutik in Beziehung zls Gott exegirten hohen Liede, und gibt zu jedem Bilde sogleich seine Erklärung, um jeden Anstrich von Anthropomorphose zu verbannen. So er- - scheint das ganze Stück, wenn auch auf Kosten der poetischen Stimmung, als Gegensatz zu dem, wofür es gemeinhin gehalten wird. Einen eigenen Anhaltpunkt fand die uns unrichtig scheinende Auffassung des Originals in der Sorglosigkeit, mit welcher gerade diesem Stücke die Uebersetzungen beigefügt worden sind, indeß dieselben bei den sieben anderen Stücken aus Besorgniß einer fast unvermeidlichen Entstellung, durch Mißdeutung und Fehlgriffe gemeinhin unterblieben sind. Wenn in dieser Besorgnißetwas Wahres liegt', so hat gerade die Werthschätzung für dieses Stück demselben aus. Mangel an Konsequenz eine Profanisation zugezogen, welche die Pietät selbst bei den untergeordneten Stücken zu vermeiden suchte. Allenfalls glauben wir das Urtheil einer regellosen Phantasie, womit einer der acceptirtesten Bearbeiter des Gebetbuches diese Gesänge chärakterisirt, wohl schon in den ersten Strophen seiner Uebersetzung, doch keineswegs in dem richtig verstandenen Original begründet zu finden, und hoffen daher wenigstens 'das Uebel nicht zu vergrößeren, wenn wir zur Beseitigung des uns scheinenden Mißverständnisses eine sinngetreue rhytmrsche Uebersetzung liefern, welche die erörterte Ansicht aussprechen, und für jene Gemeinden, welche im Gebet mit dem verständlichen Laut doch den alten Geist zu verbinden wünschen, zum Vortrag, mit oder ohne Musik geeignet sein mag. Hier die Uebersetzung: ' . Ich möchte schön und lieblich singen, Mein sehnend Herz zu dir aufschwingen Im. wohlgefügten Liederkranz; Doch ist es ein vergeblich Streben, Zu spähen hier im Schattenleben Nach deinem unenthüllten Glanz. - So ich von deiner Hoheit spreche, Vergißt die Seele ihre Schwäche, Füllt Lieb' und Sehnsucht mein Gemüth; Darum mocht' ich in.seltnen Weisen Dich herrlich und erhaben preisen, Verehren dich im hohen Lied. Doch wie soll deine Hoheit künden Der schwache- Sinn des Geistesblinden, Dir nie geschaut in dein Gebiet! ' Wohl hast du durch erlauchte Seher, . Durch dienstgeweihte Wahrheitsspäher In Majestät dich offenbart; Allein es ist nur Bild vom Werke, Was sie an Größe odor Stärke Von dir zur Kunde ausbewahrt. Dein Wesen selbst wohnt nicht in Bildern, 4 Wo sie dich oft im Gleichniß schildern, Und rühmen deine Schöpfermacht. Denn Eins bleibst du in deinem Walten, Wenn auch in mancherlei Gestalten- Sie in Visionen dich gedacht. Sie sahen dich hier jung, dort alt; Bald schwarz, bald grau dein Haupthaar wallt In ihrem Phantasie-Gebilde; Denn jung ist deine Heldenkraft, Die vielgewandt den Sieg verschafft, Doch Alter ist.gerecht und milde. Wenn hoffnungslos die Wahrheit sinkt, Dein heil'ger Arm die Rettung bringt Mit Siegeshelm und Lugendschilde.