Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 32 (5.8.1848)
- Date
- 1848-08-05
- Page
- Spalte 501-502 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.Studie». Ueber die Huldigungs-Hymne. Don Skreinka. 502 501 Ueber die Huldigungs-Hymne. (Schir ha-Kabod.) Bon L. Skreinka in Arad. Seitdem Maimuni's überaus detailirte Auseinandersetzung über die Bildlichkeit der biblischen Ausdrücke von Gott als der fasslichste Lheil seiner Abhaltungen mit der Vermehrung seiner Leser der gangbarste Artikel unter den Diskursen des reditirenden Judenthums geworden ist, hat man an dem allzusehr anthropomorphosirenden Anstrich dieses Gesanges vielfältigen Anstoß gefunden. Wenn dennoch die werkthätige Antastung bis auf unsere tilgungsrüstige Zeit unterblieben ist, so geschah es aus jener ehrfurchtvollen Scheu, welche der Geist des echten Judenthumes gegen Alles, was einmal den Nimbus einer höheren Weihe errungen hat, mehr noch durch die entschiedene Gesinnung der Pietät als durch den Buchstaben des Gesetzes auflegt. Das Ansehen, welches die sieben Gesänge für die sieben Lage der Woche, zu denen dieser achte gleichsam den. Schlußstein bildet, im Judenthum erlangt haben, geht nicht nur aus der Begeisterung hervor, mit welcher die Gemeinden an dem gefeiertesten Abend des Jahres ihrer Adacht durch den Vortrag dieser Gesänge die höchste Weihe zu geben gewohnt sind, sondern auch, daß sie eben so iin spanischen Ritns als im deutsch-polnischen ihre Verbereitung gefunden haben. Und selbst in den Zeiten, welche zum Mysticismus wie zur Abentheuerlichkeit mit gleicher Vorliebe hinneigten, weder von den im Geiste der Geheimlehre von einem gewissen Rabbi Josef abgefaßten gleichnamigen Gesängen,' noch von jenen, welche sogar ihren Ursprung von dem Legendengeschlecht jenseits des vielbesprochenen Sambatjon herleitend* * verdrängt werden konnten. Der Gebrauch, erst bei diesem Vortrag die heilige Lade zu öffnen, beweist, daß er gleichsam als die gemeinsame Krone für die sieben Ehrensäulen erachtet wird. Denn, sowie die traditionell überkommene und auch nie bezweifelte Einheit des Abfassers sämmtlicher acht Stücke in dem gleichgehaltenen Versmaß, in der Behandlung der Bibelstellen und in dem ganzen' Charakter des Ausdruckes ihre mehrfache Bestätigung findet, eben so zeigt das lediglich auf Sylbenzahl berechnete Metrum für eine Lokalität oder Zeit, wo der zwar wohlklingende -aber nur selten zwangfreie Versbau der arabischen Schule mit ihrer Bindung an das Schwatz nicht gangbar war. Dieses steht in vollem Einklang mit der Tradition, welche den als prophetisch inlpirirt berühmten Germanen Rabbi Samuel, Vater des Rabbi Jehuda ha- Chasid, aus der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, als ihren Verfasser angibt.**? Die Meinung, welche sie dem *) orrax 'in *)Dr> 'no rfopn ö’'y nirn ’*w. **) p'DnDD1? -dj/d ■mt-.'wp oa upriE' unvi rw. *•*) Wenn die bekannte Bemerkung über den Jtalismus, Sohne zuschreibt, findet ohnehin wenig Zustimmung, und mag durch die von ihm betriebene Verbreitung des väterlichen Vermächtnisses entstanden sein. - Somit aber, zeigen sich uns die germanischen Bestrebungen jener Zeit von einer nachhaltigen Einfluß auf das heutige Judenthum, desgleichen, seit der geomschen Epoche gar nicht, und auch früherher kaum mehr zu finden sein mag.' Wie die Autorität des Rabbenu Gerschom von legislativer Seite in Ehesachen, wie das Ansehen Raschi's als Exeget nunmehr auch weit über die Grenzen ihres damaligen Namensrufes ihre würdigende Anerkennung findet, ebenso sehen wir auch diese liturgischen Stücke bei dem in selbstständiger .Separation .ausgebildeten spanischen Ritus einen hochgeachteten integrirenden Lhell ausmachen. Eine Erscheinung, zu" der noch etwa das prosaische Stück des Rabbi Amnon aus späterer Zeit, ein Beispiel abgeden kann, wenn das Historische in der bekannten Legende auf eine festere Basis als die Legende selbst beruht. . Befremden kann uns diese Aufnahme'nicht. Denn wenn auch das verwerfende Urtheil der begabtesten Spanier über die Radebrechereien der nachmaligen germanischen Reimschmiede größtentheils gebilligt werden muß, so zeigen doch eben diese Gesänge, wie hoch der Germane an Wort und Geist über allen diesen Mängeln stehen konnte, so lange nicht der schwere Druck der Zeiten den heitern ästhetischen Sinn in eine düster grübelnde Mystik, und die grammatische Reinheit in Hermencutische Allusion und akrostische Spielerei aufgehen ließ. An Ausdruck, Empfindung und Jdeengang können diese Gesänge den gelungensten Arbeiten der Spanier an die Seite gesetzt werden; an Aufnahme und Verarbeitung des echten Bjbelgeistes, an Fluß und Leichtigkeit des Vortrags mögen ihnen wenige Dichtungen der Spanier gleichzustellen sein» In dieser würdigenden Ueberzeugung aber muß es. um so auffallender erscheinen, daß der Sänger gerade bei der höchsten Weihe des Alles überbietenden Schlußgesanges die spirituelle Reflexionsweise, welche in den früheren Gesängen nicht selten den Flug der Begeisterung hemmt, mit einer so sinnlichen Vorstellungsweise vertauscht, daß selbst der niedergeläuterte Geschmack daran Anstoß nehmen kann. Eine zweite wenn auch gleichfalls scheinbare, doch eben darum nicht minder, auffallende— Bemerkung drängt sich dem aufmerksamen Beschauer auf, daß der Sänger gerade hier von dem den romanischen Sängern eigenthümlichen Jdeengang des reinmenschlichen Aufschwunges zur Allmacht, der in dem Ausdruck .idnn D'W übergegan^en sein soll, richtig ist, so spricht auch dieser Umstand für den deutschen Ursprung gegen den spanischen; da'zu jener Zeit Italien mir Deutschland mehr, als mit allen anderen Ländern Europas im Zusammenhänge war. Möglich, daß auch der Spanier diese Redeweise hat; aber dem Italiener, bei dem sich die Formgedichte zuerst ausgcbildet haben, istjsie am angemessensten. *) Es bedarf kaum einer Erinnerung, daß in der mittelalterlichen Kulturgeschichte des Judenthums die Bewohnex Nord- * und Mittelfrankreichs zur germanischen Schuld zu zählen sind. 32 *