Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1848)
- Date
- 1848-08-05
- Page
- Seite 255 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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255 wird hoffentlich der Orthodorismus, der hier mit Roheit identisch ist, später doch einsehen, daß sie eher einen Dank als Verdächtigungen verdient. Von dieser Partei ging hier auch die Idee ans, ein jüdisches National- Ko mite zu organisircn, um die Juden ür Ackerbau und Industrie hcranzubilden, welches Komite bereits organisirt ist. Allein durch die Gegenwirkung der Orthodoxen wird dieses Komite zur Unthätigkeit verurthcilt, was gerade in diesem Falle um so leichter wird, als das Komite kein Geld hat und noch nicht ein ordentliches Programm ausgefertigt. Nächst der Abschaffung der Sondersteuern, um welche Hr. Kohn sich bemüht, hat derselbe auch darauf gedrungen, daß die kreisämtliche Prüfung der Brautleute mit den damit verbundenen Erpressungen aufhören mögen. Diese Prüfungen, welche eigentlich auf Verbreitung' der Bildung und eine Germanisirung der Jtlden abgesehen waren, haben weiter nichts bewirkt als eine Demoralisirung der Menge und jene Unmasse der ungesetzlicher Ehen, die als ungesetzlich nur in dem Gehirn eines verrosteten Beamten spuken. Es ist schmachvoll, daß auch bei der Ehe eine Scheidung zwischen Juden und Christen gemacht wird, daß man einen solchen Akt zum Gegenstände der Geldcrpressung gemacht, und da in der Neuzeit bei der neuen Vcrfassungsurknnde dieses keinen rechtlichen Boden mehr hat, so war Hrn. Kohn's Antrag auf sofortige Abschaffung gewiß gerechtfertigt. Das dritte Streben des Hrn. Kohn ging dahin, die Regierung zu ersuchen, eine Aufforderung zur Errichtung jüdischer Schulen ergehen zu lassen, damit einmal die aufwachsende Jugend eine zeitgemäße Erziehung erhalte. Keak'au, 24. Juli. Unter den hiesigen Juden giebt es einige aus wenigen jungen Leuten zusammengesetzte Partei, die ihren Patriotismus für die Polensache öffentlich ausposaunt, und die eine moralische Guillotine errichtet zu haben scheint für jeden nicht entschieden und öffentlich ihrer Fahne Zuschwörenden. So suchen diese sogenannten Patrioten auf jede mögliche Weise das Fortbestehen der hiesigen israelitischen Handelsschule zu untergraben, weil sie den an der Spitze derselben stehenden. Hrn. Direktor A. Lewinski für nicht genug Polenfreund hält. Rcf. glaubt aber versichern zu können, daß unter all diesen Schreiern und sogenannten Patrioten kein einziger eine solche zwar nicht marktschreierisch auskramende aber stille und ehrliche Sympathie für die gerechte Polensache hegt, wie Hr. L., und blos Scheelsucht und Neid könnten ein solches Zetergeschrei gegen Hrn. L. und gegen das Fortbestehen der Schule hervorgerufen haben. Uebrigens wahnen diese Halbgebildeten die Errungen- . schäften der letzten Monate dadurch sicher stellen zu müssen, indem sie ohne Unterschied alle bis nun bestehenden Institute veruichteu und zerstören, zu denen sie auch das Schulwesen rechnen, uneingedenk der einflußreichen Wirkungen, die dasselbe auf die Erziehung und Heranbildung der Jugend ausübte. Es thut uns zwar leid diesen faulen Fleck in dem Leben und den Sitten der hiesigen Juden berührt zu haben,^allein nur fonntcit nicht umhin das Unwesen derselben in seiner ganzen Nacktheit bloszustetten, denn vor allem gilt die Wahrheit: 81 ex yerilate nascitur scandälum, melius est nasci scandalum quam;verilas occultatur. UcBcr einen neuen Brief des Anton von Abbadie in Bezug auf die Juden in Abyssinien. Von . Filoffeno Luzzatto. Die Berichte des schottischen Reisenden I. Bruce, dir zu Ende des vorigen Jahrhunderts erschienen, haben dir Reisenden aufmerksam gemacht auf die Juden in Abyssinien, deren zuerst der berühmte Marco Polo Erwähnung thut» Sie heißen Falascha's, und behaupten, zur Zeit Salomo'S nach Abyssinien gekommen zu sein, geführt von einem gewissen Menilik, einem Sohne Salomo's und der Königin von Saba oder der HimjariNn (in Jemen), welche wie die heilige Schrift erzählt, nach Jerusalem gekommen war, um die Pracht und die Weisheit Salomo's zu bewundern. , Alle englischen, deutschen und französischen Reisenden, die nach Bruce Abyssinien besuchten, sprechen in ihren Berichten von diesen Falaschass, ohne jedoch die Mittheilungen ihrer Vorgänger durch irgend eine wichtige Notiz. zu bereichern, mit einziger Ausnahme vielleicht des englischen Missionärs Samuel Gobat, welcher in seinem „Lagebuche eines Aufenthaltes in Abyssinien in den Jahren 1830, 3l und 32 (Paris 1835)" eine Unterredung, mittheilt, die er mit einem Rabbinen der Falascha's gepflogen und in derselben die ersten'genaueren Berichte über die religiösen Glaubenslehren dieses zerstreuten Stammes giebt. Die Berichte und Erzählungen des Herrn Gobat, der durchweg in seinem Lagebuche als ein gewissenhafter, und glaubwürdiger Mann erscheint, waren bis vor wenigen Jahren die einzigen, die überhaupt'über die Religion der Falascha's vorhanden waren. Dem unermüdlichen und weisen französischen Philologen von Abbadie, der seit 7 Jahren Ln Abyssinien wohnt, und ohne Unterlaß die Sprachen der dortigen Völker studirt,. war es Vorbehalten, die genauesten und umfassendsten Mittheilungen über diesen Gegenstand zu machen. In einem Briefe, datirt von Anokrullon in Abyssinien den 3. November 1844, veröffentlicht im Journal des Dcbats vom 6. Juli 1845 erzählt er in wenig Worten die Geschichte der Falascha's. Er bestätigt die Behauptung des Bruce und anderer Reisender, daß diese Juden viele Jahrhunderte hindurch unabhängig gewesen, und einen Staat unter eignen Königen auf den hohen Gebirgen Abyssiniens gebildet haben. Von ds