Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1848)
- Date
- 1848-08-05
- Page
- Seite 256 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360526-2360559--6504-3534346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 - wurden sie im 16. Jahrhundert nach der tapfersten Gegenwehr und schrecklichen Metzeleien vertrieben, wie Bruce erzähtt, der allerdings in seinem protestantischen Eifer wie in andern Berichten, so auch hier, die Gewalthätig ke i r e n der Wyffinischen Könige, die damals unter dem Einflüsse jesuitischer Missionäre standen, übertrieben haben mag. Auf diese oben erwähnte Geschichte läßt Abbadie eine längere ausführliche und Aar geschriebene Abhandlung folgen über die Religionsgebräuche und den Gottesdienst der Falascha'ö, sowie eine Aufzählung der Fest- und Fasttage mit Angabe ihrer Entstehung, nach der Ansicht der Falascha'ö. A. erzählt nur wie es ihm von mehreren gelehrten FaLascha's mitgetheilt ist, und enthält sich aller Anmerkungen und Erklärungen. Jedenfalls aus diesem Grunde nennt Jost in seiner „Neueren Geschichte der Israeliten von 1815—18-15 (Bcrlin 1847. S. 337 A. 2) den Brief unseres Abbadie „ein' wahres Chaos" aber ich kann die Ansicht des gelehrten Geschichtschreibers nicht theilen. Allerdings auf den ersten Anblick erscheint die Abhandlung über das Religionssystem der Falascha's wie ein unlösbarer Knäuel, aber bei näherer aufmerksamer Betrachtung findet man hier leicht, gleichsam verlarvt und verkleidet, die Hauptdogmen, die wichtigsten Gebräuche, die vorzüglichsten Feste und alle Fasttage des Judentums wieder. Ich will nicht gerade sagen, der Brief des Abbadie laßt gar nichts, zu wünschen übrig, aber eine schlichte historische Abhandlung nach den Originaldenkmalen, nämlich nach den Berichten der Falascha's selbst, ist meiner Ansicht nach einem wissenschaftlich ausgearbeiteten Katechismus bei weitem vorzuziehen. Was würde Herr Jost gesagt haben, wenn Abbadie nur die Ergebnisse seiner eigenen Untersuchungen veröffentlicht hatte? Er würde sie gewiß und mit Recht in Zweifel gestellt haben.' Ich habe diesen Brief des Abbadie vielemal durchgelescn und überdacht und bin zu der Ansicht gekommen, die ich weiter unten mittheile. Um mich nun aber zu überzeugen, ob diese meine Ansicht die wahre sei oder um Irrthümer in derselben zu berichtigen, beschloß ich an Abbadie direkt mich zustvenden, und ihm einige Bemerkungen über seinen Brief mitzutheilen. Dies so wie der Wunsch in Beziehung mit den Falascha's selbst zu treten, veranlaßte mich, den 1. Oetober 1845 durch den Redacteur des Journal des Debats einen Brief nach Abbyssinien an den wackecn 'Gelehrten d'Abbadie zu senden, in welchem ich einen zweiten eingeschloffen hatte für den Abba (Vater oder Oberrgbbinec der Falascha's) Jshak; ick bat d'Abbadie diesen Brief in die abyssimsche Landessprache 4 am har na) zu übersetzen, da ich diese Sprache nicht verstehe, und nicht wußte, ob Abba Jshak einen hebräischen Brief zu lesen vermochte. Ich will aus meinem Briefe an d'Abbadie die Stellen mittheilen, in denen ich von den heiligen Gebräuchen der Falascha's spreche: „Es ist nicht wohl glaublich, daß die F a l a s ch a's Sa m ax i t q n e r oder Karaiiten seien z dennoch stimmen sie in Vielem mit jenen beiden jüdischen Sekten überein, davon die eine nur den Pentateuch, die andre nur die Bibel anerkennt und den Talmud verwirft") ...... Wie sie verschiebrn die Falascha's die Beschneidung, sollte sie aus einen Sabbat fallen auf den nächstfolgenden Lag, wie sie wohnen sie selbst ihren rechtmäßigen Frauen in der Nacht von Freitag zum, Sonnabend nicht bei; wie den Samaritanern gilt auch ihnen die Vereinigung mit Gliedern einer andern Sekte für verunreinigend) wie die Samaritaner und Karäer heiratben sie nicht die kinderlose Witwe des verstorbenen Bruders, wie jene feiern auch sie das Pestchfest nur 7 Lage) wie jene zählen auch sie die 50 Lage zwischen dem Pessach und dem Wochenfeste vom Pessach-Sabbat und nicht wie die Rabbaniten vom ersten Feiertage an. — Das Fasten am Montag und Donnerstag war üblich bei einigen frommen Juden vor der Vertreibung) die übrigen Festtage sind die der Juden, mit Ausnahme der Hidar und des Ligamt, die ich nicht kenne) doch werden sie nicht immer an den Lagen gefeiert an denen die Juden nach der Bibel sie feiern. Ich kenne keine Juden, die den zehnten Sag' im Monate feiern, nur die chinesischen Juden feiern den 14. oder 15. Das Fest Astari ist der Versöhnungstag und Baala Matsalat das Laubhüttenfest, das fünf Tage nach ersterem stattsindet. Die Falascha's scheinen oft zwischen die Monate Mogalut und Miazya einen Monat einzuschalten um das Mondenjahr mit dem Sonnenjahre auszugleichen, gerade so wie die rabbinischen Juden es thun. Jonwani Marar ist das Wochenfest, der Neumond von Lahase scheint das Neujahr zu sein.-- Aus jener' Beschreibung von den Fest- und Fasttagen der Falascha's scheint hervorzugehen, daß sie das Esther- oder Purimfest nicht haben, was daragf hinweist, daß sie von der Zeit des Lerxes an, das heißt seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. dem persischen Reiche nicht mehr unterworfen waren. (Beschluß folgt.) *) Diese Thatsache wurde schon im 16. Jahrhundert von dem hebräischen Kasuisten Da v i d Jbn AbiZim.ra bemerkt, denn in einem seiner Gutachten von den Juden in Abyffinien sagt er: Sie scheinen Karaiten zu sein) denn sie erkennen das mündliche Gesetz nicht an, und zünden am Sabbatabcnde keine Lichter an. nnJ ^31^ fTino D'jnr NM MV Wo. Perfonalchvonik und MiSeellen. Leipzig. In Jassy soll, Briefen zufolge, die Cholera schrecklich gewüthet und bereits 10,000 Menschen, darunter drei Zehntel Juden, weggerafft haben. Verlag von C. L. Fr i tz s ch e. Drück von I. H. Nagel.