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Der Orient · 1848-08-05 · Heft 32 (5.8.1848) · p. Seite 254

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 32 (5.8.1848)
Date
1848-08-05
Page
Seite 254 (sequence 11)
Language
German
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254 Die Ausbildung dieser göttlichen Gabe ifl ein wesentlicher Gegenstand der Erziehung. Es ist. eine bekannte Sache , daß sich in früher» Zeiten ein entarteter sogenannter jüdisch-deutscher Dialekt gebildet hat. Er charakterisirt sich unter andern durch unrichtige, zum Theil widerliche Aussprache und Betonung, unrichtige Konstruktionen, Untermischung von verdorbenen hebräischen Wörtern, wodurch die heilige Sprache nur entwürdigt und nicht selten Stoff zu Argwohn gegeben' wird, und einen, ganz dem Geiste und den ausdrücklichen Verboten der israel. Religion zuwiderlausenden, häufigen Gebrauch von Schwuren, Betheuruugen re. Der größere Theil der israel. Glaubensgenossen bat sich durch die gewonnene Bildung längst davon losgesagt, und nur bei einem Theile der untern Klassen hat sich solcher noch erhalten. Die Erfahrung lehrt, daß solche dadurch nicht allein bei andern Glaubenögeuoffen ein Gegenstand des Spottes und der Verachtung werden, sondern selbst bei ihren eigenen Glaubensgenossen ein abstoßendes Gefühl erregen. Beides ist in jeder Beziehung ein Uebel. Die Beseitigung dieses für die moralische und bürgerliche Bildung so nachtheiligen Mißstandes, erfordert alle Aufmerksamkeit der isr. Kirchlichen Behörden. Sämmtliche Rabbiner, Bezirks-Synagogen und' Synagogenräthe werden daher anfgefordert, demselben, bei jeder Veranlassung in ihrem Wirkungskreise, auf jede Weise entgegen zu wirken.' Vorzüglich aber werden die Schullehrer ermahnt, Lei dem Jugendunterrichte, nach allen Kräften dahin zu wirken, daß der Gebrauch jener korrupten Redensarten der Heranwachsenden Generation in und außer der Schule ganz fremd bleibe. Von Seiten der Eltern erwartet man hierbei, da solches nur die Bildung und das bürgerliche Wohl ihrer Kinder betrifft, die zur Erreichung des Zweckes nothwendige Unterstützung in der häuslichen Erziehung. Es versteht sich übrigens von selbst, daß alles, was Affektation und Ziererei in der Aussprache bei der Jugend veranlassen könnte, hierbei sorgfältig zu vermeiden ist. Auch ist sehr zu verhüten, daß durch .die Abwarnung der Jugend gegen jene veraltete Gewohnheit, nicht eine Geringschätzung gegen diejenigen bei ihr erzeugt werde, die solche' unverschuldet angenommen haben, an: wenigsten gegen diejenigen, denen sie Liebe und Achtung schuldig ist. Der Ministerial-Kommissar: Bckk. Epstein. Desterreichische Rebenländer. Lemberg, 16. Juli. In unserer großen Gemeinde herrscht eine grenzenlose Verwirrung und ein durcheinander, sei es auf dem soeial-politischen oder auf dem religiös-reformistischen Wege; .die Gleichgiltigkeit und das Abgelebte ist das hervorragendste Element bei allen religiösen Schattirungen, und wo diese Cholera waltet ist fetten ein Heil zu erwarten. Die große Mär;- revelution, da wir sie nicht persönlich mitgemacht, hat unS mehr verwirrt als beruhigt und die stete Angst vor einem Ansbruche des Polenthums, das Bewußtsein, daß wir auf einem Vulkane stehen, benimmt uns alle Sicherheit, und das Einzige, was hier die große Masse — man zählt hier in der Gemeinde cirea 30,000 Seelen -- als Errungenschaft ansieht, ist die Willkühr, daß man machen kanu> was man will, und somit auch Alles was einem nicht gefällt unterdrücke oder durchkreuze! Von diesem Hauptgedanken geleitet entstanden in unserer Gemeinde einige revolutionäre Bewegungen, die einer ausführlichen Erwähnung schon um deswillen verdienen, weil dadurch die allgemeine Korruption, der verwaltende Egoismus,, die Eitelkeit sich herausstellt und somit das Längstbekannte bestätigt: die Le.mberger ©eincinbe steht n o ch auf einersehr ti e fen Ku ltur stufe. Ich will somit Vorgefallenes hier aneinander reihen, damit aus dem Geschehenen ein Resultat für das, was noch zu .geschehen, gezogen werden soll. Unser Prediger K o h n, ein Mann der Neuzeit, giebt sich sehr viele Mühe, die schmachvollen Reste des alten Erpressungssystems, derLicht- und Fleischsteuer auch aus der Praxis verschwinden zu lassen, wie sie eigentlich theoretisch durch die Verfassungsurkuude nicht mehr existiren. Es scheint, daß die große Finanznoth das schmähliche Fortleben dieser Steuern noch veranlaßt, und es wäre ein Verrath von Seiten unserer Gebildeten, wenn gegen diesen gelben Fleck des vorigen Systems nicht gekämpft werden sollte. Hr. Ko hu versucht alle legalen Wege, die ihm offen stehen, aber einige, nichtswürdige und gemeine Seelen, die ihre Gemeinheit mit dem weiten Mantel der Orthodoxie verdecken, suchen diese Thatigkeit zu lahmen. Einige reiche Orthodoxen, die von der Licht und Fleischsteuer ihren klingenden Nutzen haben, suchen die orthodoxen Massen gegen Hm. Kohn, weil er ein „Neuerer" ist, aufzurcgcn, was bei dem glühenden Fanatismus und bei der Unkultur der Menge nicht schwer wird. An der. Spitze dieser Reaktionäre steht Herr Bernstein., der wohl beim Wegfall jener schmählichen Steuern verlieren mag, und da viele seiner orthodoxen Gleichgesinnten bei der Einführung einer Klassensteuer zu verlieren glauben, wird der Fanatismus aufgeregt, um jede Abschaffung des Alten zu hiutertreiben. Ein veranlaßter Auflauf, eine Katzenmusik vor der Wohnung deS Orthodoxen verhaßten Predigers war das Resultat der Aufreizungen, den jedoch die Nationalgarde schnell auseinander gesprengt. Hr. Kohn und seine Partei fahren nun fort, im Sinne der Neuzeit zu wirken, wie auch die Gegner sich streuben mögen, und da diese Wirksamkeit nicht religiöser, sondern politischer Natur ist, so

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