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Der Orient · 1848-08-05 · Heft 32 (5.8.1848) · p. Seite 253

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 32 (5.8.1848)
Date
1848-08-05
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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253 hohem Aufschwung von jeher hemmend cntgcgengetreten ist, in eine endlose Masse von unnützen Formen ttnb schädlichen Ecremonien gehüllt wurde, so daß jeder Versuch einer, freien Regung auf dem Gebiete der Religion dem undurchdringlichen Zeremonienpanzer zurückbeben mußte? Der Inhalt unserer Religion wird von dem orientälischen Formeltanze bedroht; der Kern tauft Gefahr, von der Schale zerdrückt zu werden. Schon längst hat mau die gefahrvolle Stellung des Judenthums. erkannt, manche ernste Stimme hat sich erhoben, um unsere Religion Von schmachvollem Untergänge zu retten, haben aber die bittenden und mahnenden Stimmen.einigen Anklang gefunden? Haben insbesondere die Rabbiner den Nothruf so vieler Tausende ihrer Glaubensbrnder gehört? Wenn man sagt, unsere Lehrer und Seelsorger hätten die Zeit und ihre Stellung nicht begriffen , sie hätten nicht ihrem Berufe gemäß gewirkteste hätten zur Belebung des fast abgestorbenen Judenthums wenig oder gar Nichts beigetragen, dann dürfen diese hierin keinen sie kränkenden Vorwurf finden. Ihr Verfahren läßt sich wohl rechtfertigen durch die Verhältnisse der jüngst verflossenen Zeit. . Von oben her wurde ja jeder Weg, der zum Lichte führen konnte, versperrt, mau wollte keine Reform, keinen. Fortschritt, sondern Alles war auf das Znrückgehen berechnet. Eine gefährliche Partei umstrickteganz Deutschland mit dem Netze deö Mysticismus, alle jesuitischen Ränke wurden benutzt, um das Volk in dumpfe Versunkenheit zu bringen. Was Wunder, daß auch auf die ohnehin schwache Zahl der Juden der Mysticismus seinen unheilvollen Einfluß äußerte! Jene Zeit ist aber vorüber; das politische System, welches ,den Völkern das Lebensmark austrocknete, die Blüthe alles-geistigen Lebens mit eisiger Hand erstarren machte, ist zertrümmert, und hiermit ist auch für die Wiedergeburt des Judenthums eine neue Aera aufgegangen. Was kann uns jetzt noch hindern, neue Lebenskeime unsrer der. Auflösung nahen Religion zuzuführen, und diese auf den ihr gebührenden Standpunkt zu setzen? Wir sind freie Deutsche, laßt uns als solche frei sein im Glauben und iui Handeln, laßt uns das Joch abwerfen, welches eine knechtende Geistesherrschast uns aufbnrdete l All Euch, Lehrer des Judenthums, ist es besonders, wieder gut zu machen, was Eure Amtsvorfahrcn au uns verbrechen haben; vereilligt Euch zu einer konstituirendeu Versammlung und bedenkt, daß jeder Verzug gefahrvoll ist. Schaffet ein im Boden des Judenthums wurzelndes Religionsgrundgesetz, und erklärt Euch entschieden gegen alle Satzungen, die weder dem wahren Geiste unserer Religion, noch den Anschauungen der jetzigen Welt entsprechen! Diesen großartigen Plan zu verwirklichen, ist Männern, wie Philippson, Geiger u. A. Vorbehalten. Die nicht zu verkennende Schwierigkeit der zu lösenden Ausgabe wird hinlänglich ausgewogen durch die hohe Bedeutung des zu erstrebenden Ziels. Jede Furcht vor dem MiSlingen des Plans muß um so inehr schwinden, wenn man bedenkt, daß in der jetzigen Zeit für den Dienst, der guten Sache viele Kräfte sich sammeln werden, und daß man da kein Opfer scheut, wo es sich um die heiligsten Interessen der Menschheit handelt. Auf also! Beherziget die gewichtigen Worte eines trefflichen Lehrers: ,,Die Re form frage ist sehr drängend, sie ist unabweisbar, sic ist die höchste Nothwendigkeit. Der ganze Bestand unserer Religion ist dabei interessirt, und wir erblicken keine Zukunft für dieselbe, falls sie sich nicht aufrichtig und ganz der Reform in dieArme wirft." vr. zur. Steinfeld. Karlsruhe, 14. Juli. In Bezug auf den Inhalt des §. XY. des Artikels ,,die Juden in Oesterreich" im Orient v. 8. d. M. Nr. 28 S. 218 erlaube ich mir, ein Exemplar der Verord. des Großh. Bad. Oberraths der Israeliten, Schulkonferenz v. 4. Apr. 1834 Nr. 63, den sogenannten jüdisch-deutschen Dialekt betr. hierbei zu übermachen. Diese Verordnung hat zum Zweck, den fraglichen auch in andern deutschen Ländern zum Theil noch obwaltenden Misstand zu beseitigen und hat auch seither einen entsprechenden Erfolg erzeugt, Ihre Verbreitung dürste daher niche ohne Interesse sein. Hier die Verordnung. (Großherzoglich Badischer Oberrath der Israeliten. Schulkonferenz. Karlsruhe, den 4. April 1834.) Den sogenannten jüdisch-deutschen Dialekt betr. Es ist nicht zu verkennen, daß die allmählige Beseitigung solcher Eigenthümlichkeiten der untern Klaffen der isr. Glaubensgenossen besonders auf dem Lande, welche mit der Verschiedenheit der Religion, in keiner Verbindung stehen, und nur aus ihrer eigenen ehemaligen bürgerlichen. Stellung hervvrgegangen sind , in vielfacher Beziehung sehr wünschenswerth, ja ein dringendes Gebot der Zeit ist! Es muß hierdurch nicht nur unmittelbar auf die eigene Bildung der israel. Glaubensgeilossen wohtthätig gewirkt, „ sondern unzweifelhaft manche eingewurzelten Vorurtheile gegen dieselben bei andern Glaubensgenossen vertilgt, manche Veranlassung zur lieblosen Verhöhnung derselben genommen und deren freundliches Zusammenleben mit ihren christlichen Mitbürgern befördert werden. In dieser vielfachen Rücksicht, verdient das Sprachverhältniß vorzügliche Beachtung» Die Sprache ist die Zierde der Menschheit, das Band der Völker, der Saamen und die Frucht der Bildung, und nicht ohne große Bedeutung auch für den innern sittlichen Charakter des Menschen. Sie bestimmt sehr oft auch den vortheithaften oder nachtheiligen Eindruck, den derselbe auf seine Mitmenschen macht.

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