Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1848)
- Date
- 1848-07-29
- Page
- Seite 247 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360526-2360558--6494-3534327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
247 jüdischer Gemeinden die Bitte, Anmeldungen -zur Niederlassung in der zu gründenden Kolonie freundlichst anzunehmen, und nur dann, nicht einzeln, sondern in größerer Anzahl zukommcn zu lassen. Uebrigcns ist der Kondukteur Taurke in Kirchberg beauftragt, die Baustellen denen anzuweisen, welche sich mit dem betreffenden Annahmescheine zur Aufnahme in die Kolonie auöweisen können. Schloß Zülz in Oberschtesien, im Juni 1848. Der Gutsbesitzer Berliner» Leipzig, 23. Juli. Die alten Ketten sind gefallen, die Sonne der Freiheit ist auch über Germanien aufgegangen, was von seinen eigeneu Fürsten seit Jahrhunderten geknechtet, jetzt zum ersten Male seine Ketten gebrochen, die cS zu seiner Schande so lange getragen. Die Presse ist srei, die Reaktion unmöglich, ihr Eulengekrächze verstummt vor dem Lichte des jungen Tagcö; das Volk wird sich seiner Rechte bewußt, seiuer heiligen, unantastbaren Rechte, die shm eure freche^Aristokratie, ein verderbtes Fürstengeschlech't^, eint" finstere'^Camarilla oder eine scheinheilig-jesuitische Clique seit Jahrhunderten entzogen, aber das Volk, immer edel, immer groß, erinnert sich in seinem Freiheitsransche auch seiuer Pflichten, und in dem Augenblicke wo feine Banden fallen, ist es auch bemühet, die Fesseln des Vorurtheils, deS Aberglaubens und des religiösen Wahnsinnes zu brechen, Fesseln, deren Gewicht mit Centn er schwere auf den Juden Deutschlands lasteten. In Preußen, Weimar, Baiern, Würtemberg, Baden, Großherzogthnm Hessen, Nassau und in mehreren andern Staaten Deutschlands hat mau die Juden emaneipirt und durch eine Handlung der Gerechtigkeit zum Theil jenen schwarzen Flecken ausgelöscht, den Flecken der Intoleranz, des Glaubens- und Gewisseuzwanges, der wills Gott auf immer der Geschichte anheilu gefallen ist. Wahrend fast alle deutsche Staaten sich beeilten, eine Schuld den Juden abzutragen und durch zeitgemäße Veränderungen mit dem Geiste unserer humanen und gerechten Zeit fortzuschreitcn, während die deutsche konstituireude Nationalversammlung, indem sie mehrere Juden wie Kmanda, Rießer, Hartmann, Dr. Veit und Cohn in sich aufnimmt, Männer deren Namen schon lange glänzten in den Reihen derer, die mit der Kraft des Wortes, mit der allmächtigen Gewalt des Geistes die neue Freiheit unermüdlich ankampfen, das Prinzip der Neligionsgleichheit faktisch anerkannt, während Frankreich und das ans langen Tedcsschlnmmer ncuerwachte Venedig, Juden zu den höchster! Staatsämtcrn beruft, wahrend der Papst den Juden das Ghetto öffnet und laut wie Mailand und Turin die Emancipation der Israeliten verkündigt, während ein neuer, frischer, lebenskräftiger, Freiheit athmender Geist alle germanischen und romanischen Völker durchwehet, geschehen irr jenen Ländern, die eine slawische Bevölkerung bewohnt, Rückschritte zu den finstern Zeiten des Mittelalters, Thaten, die zu schildern die Feder sich sträubt, Verbrechen, vor denen der Engel der Menschheit znrückfchaudert. Auf welche Weise benutzt Böhmen und Mähren die neugewonnene Freiheit? Die nichtswürdigen, jedes menschliche Gefühl empörenden Judenverfolgungen.geben ein schreckliches Zeugniß davon; indem man Ihnen die Freiheit gewährt, zu deren Erkämpfung gerade diese Länder am Wenigsten beigetragen, wissen sie keinen bessern Gebrauch davon zu machen , als sic zur Unterdrückung Anderer anznwenden, in ihrem Frendenransche strecken sie die Hände nach den Gütern ihrer Brüder aus. Die preußischen Polen, von fanatischen Priestern zum Morde der Andersgläubigen angeführt, zerstören die Häuser,, plündern das Eigenthum, gefährden das Leben ihrer jüdischen Brüder, und in einer Zeit, deren Großthaten, deren Erhebung Alle mit Begeisterung erfüllte» Die Vorgänge in Wreschcn u. s. w. legen ein trauriges Zeugniß ab von der Unfähigkeit der Slawen im Allgemeinen, den Geist der Freiheit zu erfassen und die Gegenwart gebührerrd zu würdigen. Während viele der edelsten Magyaren ihre Stimme für die geknechtete und gemißhandelte jüdische Bevölkerung erhoben, weiht die slavifche Bevölkerung in Ofen, Pesth, Preßburg, Eisenstadt und Fünfkirchen die neue Freiheit durch Judenverfolgungen ein, die in ihrer raffinirten Grausamkeit selbst das vierzehnte Jahrhundert beschämen. Und diese Ereignisse wiederholen sich in rrnunterbrochener Folge immer in jenen Ländern, in denen die slavische Bevölkerung die Mehrzahl bildet und die Hierarchie noch ihre finstere Geißel schwingt. (Beschluß folgt.) Lieder eines Juden von Emil Lehmann. VI. An die Sachsen. Motto-: Sachsen ist ein christlicher Staat und mög es immer bleiben. Rittncr. (f.d.A.Zeit,v. 6. Juli Art. Dresden.) Du heilige Dreifaltigkeit Was ist doch jetzt für schlimme Zeit; Was sie in Frankreich ausgchcckt, Das har auch Deutschland angesteckt, Man schimpfet auf die Alten — S'ist nicht mehr auszuhalten. Auch dich will von dem Tugendpfad, Mein Sachsenrand, man treiben, Drum denk: Du bist ein Christenstaat Und sollst es immer bleiben-