Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1848)
- Date
- 1848-07-29
- Page
- Seite 248 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 248 - Man achtet keine Religion, Man spricht den Herrn Pastoren Hohn; Die Kirchen — Gotterbarm — stehn leer, Auf Predigten hört Keiner mehr; Herr Gott was giebts für Heiden In unfern bösen Zeiten Drum Sachsen denket früh und spat, Was auch die Heiden schreiben: /Mein Sachsen ist ein Christenstaat Und soll es immer bleiben. Die Kirche, Gottes Gnadenschoos, Die lösen sie vom Staate los: O großer Gott, o heiliger Geist Was das doch für ein Unheil ist! O denket dran, zu was cs führet .Wenn nicht die Kirche mehr regieret! Nein gegen eine solche That Muß man sich eifrig sträuben; — ' Denkt : Sachsen i st ein C h r i st e n st a a c Und soll e s i m m e c bleiben. So höret denn das Neuste an, Was jenes Heidenthum ersann; Wir Christen soll'n nicht mehr allein Wahlfähig, und auch wählbar sein; Auch Juden solL'n beim Landtag sitzen, Auch Juden sollen Sachsen schützen! Wer Jesum einst gekreuzigt hat Soll uns Gesetze schreiben? Nein, Sachsen ist ein Chrrstenstaat Und soll es immer bleiben. So höret denn auf meinen Rath: Es giebt ein sächsisches Mandat, Vom Jahre siebzehnhundertsechs-- Und vierzig; diese Judenlex, Geschrieben von den frommen Alten, Sie werd' hinführo beibehalten. So stimmt, laßt von der Heiden Rath Bei Leib Euch nicht betäuben — Denkt: Sachsen ist ein Chriftenstaat, Und solls für immer bleiben. Der Jud ist nur ein Kammerknechr, So sagts das alte Sachsenrecht; Der heil'ge Geist hat ihn verdammt, Drum bleib er fern von Ehr und Amt. Mag er mit Schachern sich ernähren, — DaS wollen wir ihm nicht verwehren — Doch folget er nicht dem Mandat,, Dann wolln wir ihn vertreiben — Denn Sa chsen ist ein Christenstaat, Und soll es immer bleiben. Pcrsvnalchronik und Miseellen die Juden geplündert worden./, weil sie dem dortigen Pfaffen ihre Stimme nicht geben wollten. Ein schönes.Völkchen! — Erlange n. In dieser protestantisch-pietistischen Stadt durften bis jetzt keine Juden wohnen. Bei dem großen Umschwünge der Zeit haben die Erlanger sich doch bekehrt und entschlossen , wenn ein Jude 20,000 Gulden besitzt und ein eignes Haus kaust, ihn zuzulassen. Es giebt noch immer solche nichtswürdige Philister. — München. Das hier neu erschienene Wahlgesetz nach einem Beschlüsse der Kämmer bestimmt, daß die Juden das aktive und passive Wahlrecht haben sollen. Die Durchsetzung dieses Beschlusses hat De. Bauer, der Referent, bewirkt. Auch der Eid, der ganz christlich ist, wurde für Juden abgeändert. ~ * Fü r th. Advokat Dr. Berlin ist als solcher in Unrerfranken an^estellt wordcn, was früher auch nicht geschehen konnte. München. Unser für freisinnig verschriener Minister Thon-Dietmar sucht an den Juden ein Herostrac zu werden. Das niederträchtige Matrikelgcsetz, welches die Juden Baierns seither so furchtbar geknechtet, ist nicht nur bis Hetzt nicht aufgehoben, sondern dieser saubere Minister sucht es mit einer Strenge zu handhaben, die einem Pharao Ehre machen würde. Sogar jüdischen Handwerkern' verweigert er die Ansässigmachung über die Matrikelzahl. Möge die Franksurter Nationalversammlung diesem Treiben ein Ende machen. Warschau. Den ö. Juli wurde der Bankier I. S» Rosen, einstiger Vorsteher dieser Gemeinde, beerdigt, und der dortige Prediger Dr. Goldschmidt hielt die Grabrede. Warschau. Den Israeliten hier ist es gestattet worden, noch in einigen andern Straßen als den bisher von ihm» inne gehabten wohnen zic dürfen, namentlich ist es die Ziegen- und Georgstraße. Dabei ist aber das Ghetto keineswegs aufgehoben. Krefeld. Das hiesige israel. Konsistorium ist bei dem Justizminister eingekornmen, den Eid more judaico abzuschaffen , was früher schon oft von Gemeinden und-Rabbinm geschehen. Wir hoffen, daß mit der vollständigen Emancipation auch dies fallen wird oder schon gefallen ist, und wird wohl keine specielle Antwort nöthig sein. Schonungen (bei Schweinfurt). In dieser löblichen Stadt Baierns, wo der katholische Fanatismus blüht, sind Verlag von C. L. Fritzsche. Papa (in Ungarn). Unser Rabbiner Leop. Löw beabsichtigt, ein „System der talmudischen Glaubens- und Sitten-! lehre" herauszugeben, wozu er bereits manche Vorarbeiten! gemacht. _ Druck von I. H. Nagel.