Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1848-07-29 · Heft 31 (29.7.1848) · p. Seite 245

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 31 (29.7.1848)
Date
1848-07-29
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360526-2360558--6492-3534325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

die Bohcimcr, und erst spätere slavistische Stürme haben das deutsche Leben dort getrübt. Aber so gewiß es ist, daß das deutsche Element immer dort die Oberhand behalten wird, so entschieden das Deutsche siegen muß, da es ja nur durch diplomatischen Verrath in seiner Entwickelung gehemmt wurde, ebenso ist es nothwendig. daß die Juden zu den Deutschen zählen müssen. Das Ezechenthum ist eine künstliche Pflanze eines von Rußland ausgeheckten panslavistischcu Strebend, weder in Kultur, noch in Industrie, noch in der Literatur haben die Eiferer des CzechenthumS .einen natürlichen Boden, und für Juden ist daS Kokettiren mit der czechischen Sprache u. s. w. ein Verrath. Leider hat die Schwachkopfigkeit in unserer Jugend solche Verrätherei gezeigt, und Niemand ist da, der über die wahre Sachlage ausklärt. Unsere Rabbiner und Prediger sind mehr als orthodox, sie sind auf dem Gebiete der Tagesfragen nicht heimisch. Prediger und Vorsteher und viele andere haben in den schrecklichen Tagen der Entscheidung das Hasenpanier ergriffen, andere ftafai Tehillim gesagt. Keiner trat mit Würde auf. — Frankfurt a< Wt!/18^5uli. Unter denÄnträgen, die heute in der deutschen Nationalversammlung vorgckommen, ist auch einer vom Abgeordneten Schüfe lka, die Inden betreffend. Er verlangte nämlich, daß die Nationalversammlung vor weiterer Berathnng der Grundrechte die völlige Gleichberechtigung der Juden für eine Ehren- und Gewissenspflicht der deutschen Nation erkläre. Die Mehrheit fand diesen Antrag nicht so dringend, unr ihn sogleich begründen zu lassen und er wurde mit andern Anträgen abgeworfen. Es ist in der That nicht nvthig, daß ein besonderer Antrag darüber gemacht werde, da die Emancipationssache in den Grundrechten deS deutschen Volkes schon eingeschlossen ist und die Nationalversammlang hat auch für andere Rechte die Gewiffenspflicht einzustehen. — Der geheime Staatsrath Dr. H. K. Jaup, der schon im Vorparlament auf Emancipatiou der Juden angetragen, ist für Hesseu-Darmstadt zum Minister des Innern ernannt. Wien, 16. Juli. Ich erlaube mir. Ihnen einige kurze Notizen, wie sie die Zeit darbietet, einfach und schmucklos mitzuthcilen. In dem Leopoldstädter Wahlbezirke traten als Kandidaten zu ReichStagsdeputirten unsere Glaubensgenossen Dr. Lud. Aug. Frankl, Vankdirektor Freiherr v. Eskeles, Dr. Gold mark und und Dr. Köck, Arzt neben andern auf. Jeder dieser Herren hatte eine Anzahl Stimmen, ohne daß jedoch einer von ihnen wirklich gewählt wurde. Als der ehemalige Minister P i l l e r s d or s ebenfalls bei einer Versammlung der Wahlmänner sich cingefunden und durch seine Rede großen Beifall cinerndtete, interpellirte ihn Dr. Frankl, welcher den Vorsitz führte, in Bezug aus die Emaucipationsfrage, und der gewesene Minister äußerte, daß er in der Judenfrage mehr eine konfessionelle als eine politische Angelegenheit sehe, ohne daß er jedoch zweifele , daß der Reichstag die konfessionelle Gleichstellung auösprechen werde. Die Antwort befriedigte jedoch nicht, da bekanntlich diese Frage rein politischer Natur ist. — Seit dem 1. Juli erscheint hier eine großartige HandelSzeitung, wobei Hr. Josef Wertheimer es unternommen, tägliche Berichte über Handel, Industrie, Börse u. s. w. zu liefern. Diese Geschäftsberichte erscheinen, der Schnelligkeit wegen, lithographirt. Von der hebräischen periodischen Schrift Kochbe Jizchak. redigirt und hcrausgegeben von M. E. Stern, ist das zwölfte Heft bereits erschienen und laut Ankündigung werden von nun an auch deutsche Aufsätze, soweit sie das religiöse, sittliche und wiffenschastliche Leben de§ Judenthnms betreffen, Aufnahme finden. — Die Brüder Szünto (Josef und Simon), durch ihren trefflichen hebräischen Kommentar, genannt nfcbty "NM, zum Pentateuch bekannt, wie nicht minder durch anderweitige schriftstellerische Arbeiten, haben sich entschlossen eine Pensionsanstatt zu errichten, die im Geiste der Zeit und des Judenthums wirken soll. Die hier allgemein geachteten Dr. Mannheimer und Dr. L. Breuer wollen sich, wie ich höre, dieses Instituts eifrig annehmen und es wäre demselben ein Gedeihen zu wünschen. Bei dem Namen Breuer fällt mir Ed. Dreier ein, wenn auch der Name anders geschrieben ist, dessen letztes Büchlein: ,,Alt- und Jung-Jsrael. Sittenbilder (Geld und Herz — Indische Sprüchw ortet in erzählender Form— Erzählungeil beim Federschleißen) Wien, 1848, 8." eine kurze Anzeige in Ihrem Blatte wohl verdiente. — Der Auswanderungs -Verein, von welchem man es bedauern muß, daß einige geachtete Namen an dessen Spitze stehen, wird, wie ich Ihnen mit Bestimmtheit versichern kann, ohne alle praktische Wirksamkeit sein und wird höchst wahrscheinlich mit einer kolossalen Lächerlichkeit seine Thätigkeit beschließen. Eine Kritik seiner 13 Glaubensartikel oder vielmehr sei- - ner 13 Paragraphen des Programms werde ich Ihnen nächstens einscnden. — Von der monatlich in einem großen Bogen erscheinenden hebräischen Zeitschrift “UB OTW tru, die, soviel ich sehe,Js.Reggio redigirt, ist weiter nichts als der erste Bogen erschienen; der geistige Bankerott scheint zu früh ausgebrochm zu sein» Köln, im Juni. Durch einen eigenthümlichen Zwischenfall haben wir erfahren, daß das Ehrenrecht als Geschworener zugetassen zu werden, miS eigentlich niemals entzogen war und blos die strafbare Eigenmächtigkeit der ftühern Behörden mit solcher nichtswürdigen Entschiedenheit uns dies entzogen, daß wir am Ende selbst glaubten, es ward durch irgend ein Gesetz ausgesprochen. Hr. Abr. Ochse-Stern hier kam bei dem jetzigen Regierungspräsidenten v. Raumer ein, nur Zulassung Zu diesem Ehrenrechte und benannter Regierungspräsident ertheilte am 15. Mai die schriftliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.