Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1848)
- Date
- 1848-07-29
- Page
- Seite 243 (sequence 5)
- Language
- German
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243 gen müßten, wir erlauben uns nur noch den einen Umstand heraus und hervor zu heben. Bei dem Eingänge einer Jndenwohnillig soll, nach religiöser Vorschrift, die auf Einheit Gottes und dessen allwaltende Vorsehung bezügliche Bibelstelle — Mcsnsa genannt — befestigt sein, und Leim Eingänge einer Christenwohnung soll das heilige Weihwasser sich befinden; welches von beiden soll nun Lei einer Mischehe den Platz behaupten, und welches weichen? oder sollen Leide zugleich bestehen, Leide gleich nicht bestehen? Aus allem Besagten könnten wir die Absicht und das Motiv des Gesetzes 02 ]nnnn erkennen, ,,Verschwöre dich nicht mit ihnen, gib deine Tochter nicht seinem Sohne, und nimm seine Tochter nicht für deinen Sohn" (5 M. 7, 3), wenn uns ein Recht zustünde in die Absichten Gottes und seiner Gesetze einzudringeu; doch wir sagen mit dem Propheten 'n TtD2 ~\Dy „Wer und wo ist der Sterbliche hicnieden, der mit des Ewigen Absichten vertrauet ist?" Der Einwurf, daß auch außer dem Religionsuutcrschlede, durch Verschiedenheit des Standes, des Alters, des Vermögens, der Bildung unglückliche Ehen entstehen können, ist schon dadurch vollkommen grundlos, indem alle diese Differenzen, so sie auch vereint stattfinden, dennoch der Wichtigkeit der Religion Lei weitem nicht gleich kommen und mit derselben parallelisirt werden können, daher auch gegenseitige Neigung weit leichter jene Verschiedenheiten auszngleicheu vermag, als die der Religion. Ucbrigens warnen auch der Talmud und die Kasuisten vor uu v erhä l tu iß mäßigem Alter (Sanhedrin fol» 76. S. 2. Eben Ha-Escr 2, 9), auch auf Gleichheit derBildnng sott wo möglich, nach ihrem Anrathen, Rücksicht genommen werden; Vermögen und Stand bleiben unerwähnt, weil das Judenthum nie diese Vorzüge als solche-anerkannt hat. Das Jndenthum hat sie nicht anerkannt, wird sie auch nicht anerkennen, cs verdankt dem seine Erhaltung durch mehr als 3600 Jahre, trotz allen Stürmen der Zeiten, die an ihm vorübcrgezogen; und wenn an dasselbe die Worte gerichtet werden, wie sie einst der chiwische Fürst an die Söhne Jakobs gerichtet: „Verschwägert euch mit uns, gebt uns euere Töchter und unsere Töchter nehmet euch, ihr könnt Lei uns wohnen, das Land soll euch offen sein, besetzt euch, ziehet darin herum und erwerbt darin," so wird es auch jetzt mit den Söhnen Jakobs antworten: „wir können dieses nicht thun, daß wir unsere Schwester einem Manne geben, welcher eine Vorhaut hat re.; jedoch alsdann wollen wir euch zu Willen sein, so ihr auch sein wollet wie wir" re. Es hat allen Gefahren getrotzt, allen Verlockungen widerstanden, stets eingedenk der göttlichen Verheißung, mit der cs ins Leben getreten und darum hat cs sich erhalten stark und kräftig, darum ist es nicht nntergegangen in den Stürmen und Strömen der Zeiten, darum sich erhalten bis auf den heutigen Tag. Nicht umsonst gerieth daher PinchaS in Eifer gegen Simri, einen Fürsten in Israel, als sich derselbe von der Midjanitin zum Laster verleiten ließ; und der große Schriftgelehrte Eöra war über kein Vergehen, das sich das jüdische Volk zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft, hat zu Schulde,: kommen lassen, so entrüstet, als eben über das Amalgamicen mit fremden Völkern. „Ihr habet euch vergangen, sprach er, und fremde Weiber genommen, um Israels Schuld noch zu vermehren, wohlan denn! feget dem Ewigen, dem Gott euerer Väter ein Bnßbckenntmß ab, thnet seinen Willen, trennet euch von den Völkern des Landes und von den frclndcu Weibern". Auf gleiche Weise hören wir Nehemia erzählen, welche energische Mittel er in Bewegung gesetzt gegen das Vorgehen der Amalgamation. „Ich haderte mit ihnen, verwüilschte sie, schlug einige von ihnen, rauste sie bei den Haaren und beschwor sie bei Gott, daß sie nicht geben ihre Töchter den fremden Söhnen rmd nicht nehmen von jenen Töchtern für ihre Söhne oder für sich." Und als der Gott begeisterte Esra so geeifert, antwortete die ganze Versammlung und rief mit lauter Stimme: Es sei, wir wollen thun was du verlangst." Sie ließen dieses aber nicht nur" beim Versprechen bewenden, sondern erfüllten mit aller Bereitwilligkeit, was sie angclobt hatten; hatten sie sich aber etwa dadurch die Gehässigkeit der Völker zngezegen, oder die Leiden ihres Exils vermehrt? ihren Schmerz verschärft? Nein, gerade das Gegentheil beweist uns die Geschichte. Die Befreiung von ihrer Gefangenschaft und die Wiedereinsetzung in ihre Rechte, folgen unmittelbar ans diesen Separatismus. Lazar Horwitz, Rabbiner in Wien» Berlin, 18. Juli. Es bestätigt sich, daß unser Glaubensgenosse, Dr. Kosch, Arzt in Königsberg, der in der Nationalversammlung nicht zur Linken sondern zum Ecntrum gehört, vom Staatsministerium für die Uebernahmt des Kultusministeriums designirt war. Der Umstand jedoch, daß er jüdischer Religion ist, und bei aller Emancipation diese Stelle als Kultusminister für einen Israeliten bei der Bevölkerung Bedenken erregen könnte, wurde au seiner Stelle Prof. Rosenkranz berufen. Fast hätte Preußen dieselbe Erscheinung wie Frankreich dargeboten, wo Cremieux und Goudchaux im Ministerium gewechselt und für Preußen wäre dies um so bedeutender, als gerade früher diese Stelle ein Mann bekleidete, der die unsinnige Idee von einem christlichen Staate bis in ihre traurigsten Konsequenzen sestgehalten. Johann Jacob y hat durch seinen hervorstechenden Radikalismus von Früher keine Aussichten in das Kabinet zu kommen, so sehr er es auch durch seine Befähigung verdient. Sein Deppelantrag, Km er vor 31*