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Der Orient · 1848-07-29 · Heft 31 (29.7.1848) · p. Seite 242

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 31 (29.7.1848)
Date
1848-07-29
Page
Seite 242 (sequence 3)
Language
German
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— 242 ... - um die sich so viele Fragen und Zweifel in der jüdischen Jetztzeit erheben; Erhaltung und Fortbildung! Wer möchte es irbernehmeu, diese zwei Töne in Harmonie und Einklang zu bringen, daß sie Ln einander aufgehen, sich verschmolzen und eine neue Gestaltung bilden, die für Zeit und Dauer, der Wahrheit gemäß ausfalle! Wo ist nun der Lehrer und Meister, der diese Aufgabe, die ftd) so oft im Leben wiederholt, zu lösen im Stande ist? — So gewahren wir in einem hiesigen Blatte den Wunsch ausgesprochen , wegen Beleuchtung und Lösimg der'jetzt überall zur Sprache kommenden religiös-politischen oder politisch-religiösen Frage in Betreff gemischter Ehen, ob sie vom Standpunkte unserer Religion zulässig seien oder nicht, deren. Lösung sich jedoch, wie cs dort heißt, ,,von der Schutarena wegbegäbe, und mehr auf praktischem Boden bewege, Vor- und Nachtheil eher in Erwägung ziehe, als Schriftdeutung und Sylbenstecherei." — Müssen wir es zwar von Vornherein als durchaus ungeeignet und höchst unzweckmäßig, ja sogar als uach- Lheitbringcnd bezeichnen, daß die Lösung religiöser Fragen vor das Forum der politisch-socialen Journalistik gebracht werde; hat es auch die Erfahrung zur Genüge gelcht, wie gering und winzig der Nutzen öffentlicher Polemik sich herausgestellt gegen den ominösen Schaden der Zwietracht und der Zcrfallenheit, welche sie im Judenthume herbeigeführt: nicht zu gedenken der Verirrungen und Mißverstände, zu denen sie nur zu oft Anlaß gegeben, und was des Uebels mehr war, daß das Lesepublikum am Ende gar nicht gewußt, wohin es sich zu wenden habe, wessen Stimme es hören und wem es ein geneigtes Ohr leihen sollte: so können wir doch nicht anstehm, unsere Ansicht über den fraglichen Gegenstand offen und unumwunden auözusprcchen, zumal sich ja, nach obiger Aufforderung, die abzugcbende Erklärung von der Schularena fern halten und mehr auf praktischem Boden bewegen soll. Sonderbar, ungemein sonderbar! Es soll dieser Gegenstand vom Standpunkte der Religion beleuchtet werden, und doch soll die Erörterung nicht auf dem Gebiete der Rcligionsgesttze und Vorschriften, sondern auf praktischem Grund und Boden gepflogen werden, soll mehr auf Berechnung der Vor- und Nachtheile, als auf Schriftdeutung und Sylbenstcchcrci baflren; dieses überbietet die Forderung, Erhaltung und Fortbildung in Einklang zu bringen, noch um Vieles. Indessen wir leisten Folge, und wollen vor der Hand besagten Gegenstand von der praktischen und politischen Seite beleuchten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Harmonie und Eintracht in Geist und Sinn zwischen Ehegatten die unbedingtesten Erfordernisse des häuslichen Friedens sind, von welchem einzig und allein alle irdischen Freuden abchängen, in welchen jede Glückseligkeit ihren Ursprung hat. Harmonie und Eintracht können aber nur da eine Stätte sinden, 'wo die Ansichten über gewisse Lebensfragen, seien sie weltlicher oder geistiger Natur (insofern sie auf die Lebcnsverhaltnisse Einfluß Haben), nicht gctheil.t und verschieden sind, nicht aber wo verschiedene Denkungsarten,/Meinungen und Ansichten herrschen, wo 'die Wahrheiten, des Einen von dem Andern verworfen und als Lüge bezeichnet werden, unt: diese Lüge von dem anderen Theile wieder als das Ideal der Wahrheit anerkannt wird. Und daß. Glaube und Rcligionsbekennt- ' ruß für Jedermann eine'' der wichtigsten Lebcnsangetegenhcitcn ist, wird wohl doch Niemand bezweifeln und in' Abrede stellen. Demnach ist leicht zu ermessen, wie sehr der häusliche Friede da gefährdet sein würde, so MannundWeib in ihren heiligsten Interessen getheilten Sinnes und getheilter Meinung wären, falls denselben der Name und Begriff der Religion entweder ganz oder doch wenigstens zum Theil nicht fremd geblieben ist. Es müßte nothweudiger Weise entweder das heilige Band der Religion, oder das heilige Band der Ehe, wo nicht ganz getöset, doch mindestens das eine aufKosten des andern gelockert werden. Wie stünde es aber auch überhaupt um die Familienbande zwischen Eltern und Kindern, zwischen Brüdern und Schwestern, so der Bruder in einem andern Glauben erzogen wird, als die Schwester, der Sohn in einem andern als die Mutter, die Tochter in einem andern als der Vater? Und wie stünde es da um die religiöse Erziehung der Kinder, so der Vater der Mutter Hcitigthümcr, die Mutter des Vaters Heiligstes geringschätzt und verachtet? Ist es da noch iin Bereiche der Möglichkeit, ..daß es den Eltern gelingen könnte, religiöses Gefühl und Sittenrcinheit in den Herzen der Kinder zu befestigen, oder auch nur deren Sympathien bei ihnen zu wecken? Zn wie vielen Mißhelligkeiten würde die Doppelseier, die des Sonnabends und die des Sonntags führen; was für Zerwürfnisse durch die verschiedenen Fejä- und Feiertage, durch die Speisegesetze entfielen, so beide Ehegatten, wie ihre Kinder beiderseitigen Geschlechts, über die Religions-Vorschriften —- und dieses müssen wir doch wohl voraussetzen — und deren Observanzen nicht ganz den Stab gebrochen? Man denke sich die strenge Vorschrift über das Wegräumen Alles und Jedes von gesäuertem Brode au den Ostertagen aus den Wohnungendie Observanzen der Seder-Nächte, gegenüber der Beobachtung, des von der katholischen Kirche so unzertrennlichen Gebrauches der Hostie; wenn nun die eine Ehehälfte auf den Gebrauch dieses heiligen Abendmahls, die andere aber auf die Wegräumung alles gesäuerten Brodes dringen würde, welche Zerwürfnisse müßten hier entstehen? Es würde uns zu weit führen um alle derlei Fälle, aufzuzählen, die unumgänglich ähnliche Konflikte erzeu-

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