Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- 30 (22.7.1848)
- Date
- 1848-07-22
- Page
- Spalte 473-474 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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473 Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien. Bon Dr. I. Fürst. 474 nele gehabt haben, wie Viele mögen wie sie gefallen sein, als Opfer in dem Kampfe des Judenthums mit dem Christenthumc— „Oh ne Bewilligt! ng'7 so heißt die letzte Erzählung, deren Stoff die Leiden bilden, die das Familiantenunwesen den österreichischen Juden zufügt. _ Wie so mancher Jude mag, wie hier Jaikew Lederer, vergeblich Jahrelang auf eine „Familie" geharrt haben, und wie so Mancher mag, wenn er dann „ohne Bewilligung" geheirathet, nicht so glücklich gewesen sein, wie Lederers Frau, die, wenn auch nach einundzwanzigjähriger Ehe, doch endlich durch eine Audienz beim Kaiser noch eine „Familie" erhält! —- Dies der Inhalt der Erzählungen. Die darauf folgengenden „Mährchen aus dem Ghetto" sind kurze Geschichten, ganz in dem naiven Tone geschrieben, in welchem stU eben ein „Alt Babele " ihren Enkeln erzählen würde. — Sei es uns noch vergönnt, diese Anzeige mit einigen Wünschen zu schließen. Einmal, daß der Herr Verfasser fortfahren möge, das Leben der Juden, das er so trefflich aufzufassen und wiederzugeben versteht, in Erzählungen darzustellen. Dann, daß auch andere jüdische Novellisten (und wir haben deren - nicht wenige und nicht unbedeutende!) das Beispiel Leopold Komperts nachahmen mögen. Unserer Ueberzeugung nach ist hier noch ein großes Feld zu bebauen, das segensreiche Früchte tragen könnte. Bedenkt man, welchen Vorschub den großartigen Ereignissen unserer Tage die belletristische Literatur gethan hat, bedenkt man, wie besonders gut geschriebene Tendenzromane gewirkt haben (wir erinnern hier vorzüglich an Eugen Sue's Werke), so kann es kaum zweifelhaft erscheinen, von welch heilsamen Nutzen Erzählungen aus dem jüdischen Leben fein könnten. Und zwar kann es um so weniger zweifelhaft sein, als gerade im jüdischen Volke es noch so viel aufzuklären giebt, als gerade bei den Juden der Abstand der wirklich Gebildeten von dem rohen Haufen grell hervortritt. Alle die nothwendigen Reformen im Kultus, in der Schule und im Hause, die bis jetzt noch nicht ins Volk gedrungen sind, könnten hier, in Erzählungen verflochten, in der Person des Helden, für den sich der »Leser intecessirt, ausgesprochen, oder als Bemerkungen gelegentlich eingeschoben, ins Volk dringen, und würden beim Leser um so tiefer Wurzel fassen, mit je beredteren Zügen der Verfasser seine Gedanken zu verkörpern, je mehr er zugleich Herz, Geist und Phantasie des Lesers zu fesseln versteht, und je weniger die Absicht der Belehrung hervortritt. — Und nun noch einen Wunsch: Mögen sich auch an dem Buche „Aus dem Ghetto" des Dichters Worte bewahrheiten: „Was unsterblich im Gesang soll (eben, Muß im Leben untergehn;" -- Ein tüchtiger Schriftsteller hat das Ghetto in die Poesie cingeführr, in einem Werke, das dem Besten, was die deutsche Literatur der Neuzeit geliefert, beizuzählen ist. Das Ghetto lebt also nun in der Poesie — so möge es denn im Leben bald und für immer untergehen. —- Wird dann nach vielen Jahren ein spater Nachkomme das Buch „Aus dem Ghetto" lesen, daun wird er staunen über eine Zeit, die ganze Menscheuklassen in abgesperrte-Verließe — zu deutsch Judenviertel — eingekerkert; staunen über einen Staat, der sich so weit vermaß, Menschen, die keine Erstgeborenen, keine Doktoren, keine Handwerker, keine Kapitalisten, kurz keine „Familiauten" waren, die Ehe zu verbieten. Emil Lehmann- Geschichte der jüdischem Literatur im Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. Zehntes Kapitel. (Fortsetzung des 3. §. aus Nr. 12.) Amsmar, nach Abstammung und Verschwägerung^" in hohem Ansehen stehend, verbreitete zum ersten und letzten Male nach Samuel einen hohen Glanz über Neharde^a, und als glänzender Reigen-Beschließer der neharde^anischen Schuls Häupter kann ein Blick auf sein Leben nicht ohne Interesse sein. Geboren tim.c 345, war sein erster bedeutender Lehrer Chama b. Josef, der von 355—370 als Schulhaupt 792) Es ist bereits erwähnt worden (Anm. 791), daß er sich Amsm a r b. Mar I a n u k a nennt (Ehullkn 18 d) und da Mar Januka sich bech Rab C h asda schreibt (Baba Batra 7 b), so ist sein vollständiger Name demnach Amemar b. Mar Januka b. Rab Chasda Ha-Kohen. Als Enkel Chasda's, der bereits um 302 ». Chr. gestorben war, kann Amömar beim Antritte seines Postens als Schulhaupl zu Neharde*a um 384 n. Chr. nicht mehr jung gewesen sein, da 82 Jahre zwischen diesem Antritte und dem Tode seines Großvaters liegen. Er wurde wahrscheinlich um e. 345 n. Ehr. geboren, wie es" auch sonst als annährend sich ergiebt, so daß er beim Antritte seines Amts fast ein^Vierziger war, was in der That ein nicht unangemessenes Alter für diese Würde ist. Er war aber nicht blos von väterlicher (b. Januka b. Chasda), sondern auch von mütterlicher Seite ein Abkömmling des ehemaligen soramschen Schulhauptes Chasda. Denn seine Mutter war eine Tochter des Ram e b. Chama (Ketubot 21 b Raschi) und dieser hatte eine Tochter des Chasda, so daß Amomar's Vater, Mar Januka, seine Schwestertochter geheurathet, und Amömar war mithin mütterlicher Seits Urenkel des Chasda. — 793) Der berühmte soranische Lehrer Rabbana Asche, der Zeitgenosse unseres Amomar, hatte die «jüngere Schwester seiner Mutter, eine Tochter des Rame b. Chama, zur Frau (Beza 29 b). Der Lehrer unseres Amomar, Chijja b. Awja (Chullin 18 b), war insofern auch mit ihm verwandt, als Awja, der Vater des Chijja, die Schwester des Rame b. Chama zur Frau hatte. —