Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1848)
- Date
- 1848-07-22
- Page
- Seite 239 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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239 So lang Ihr Grundbesitz uns wehrt, Uns nicht wollt Bürger nennen z So lang gehäßig Ihr begehet, Euch von uns abzutrennen: So lang von Neid und Haß Ihr glüht, Und unsere Gesellschaft flieht — So lange will ich klagen. So lang Ihr Rechte uns gewährt, Statt uns das Recht zu geben; So lang wir vogel frei erklärt, Statt frei wie Ihr zu leben: So lang Ihr statt Gerechtigkeit, Gerechtigkeiten uns verleiht — So lange will ich klagen. So lange noch zum Schandmal man Den Namen „I ude" brennet, So lang sich Einer schämen kann, ' Wenn man ihn „I u d e" nennet: So lang den Geiz man „jüdisch" schilt, Und „Jude" gleich wie „Gauner" gilt — Sö lange will ich klagen. So lang noch'Einer so gemein Und einen Juden höhnetz So lang noch Leute sich erkreun Wenn's „Jude hep hep" tönet: So lang man uns verschmäht, verlacht, Spottlieder, Zoten, auf uns macht — So lange will ich klagen. So lang noch Einer von Euch glaubt, Daß Brunnen wir vergiftet z Daß Christenkinder wir geraubt, Und Kriege angestiftet: So lang die blut'ge, düstre Zeit Des Judenmetzelns sich erneut: So lange will ich klagen. So lang Ihr unsre Religion Nicht, wie wir Eure, achtet, So lang Ihr sie mit Spott und Hohn Als eitlen Wahn verachtet: So lange, was uns lieb und werth, Ihr nicht mit heil'ger Scheu verehrt So lange will ich klagen. So lang uns noch umgiebt die Nacht, So lang wir nur geduldetz * So lang' Ihr es nicht gut gemacht, Was tausend Jahr' verschuldet, So lang Ihr uns nicht Freiheit gönnt, Uns Bürger, Freunde, Brüder nennt, So lange will ich klagen. So lang noch eine Kett' uns zwängt Noch eine Schrank' uns hemmet, Ein Vorurtheil noch uns bedrängt Und unsre Fre-Heit dämmet So lang noch einen Unterschied Man zwischen Iud' und Christen zieht, So lange will ich klagen. Und dämmert es nach langer Zeit, Und fängt es an zu tagen, Und sind die Wolken all' zerstreut, Die um den Erdball lagen: Zerfließt des Hasses mächt'ge Qual Hin vor der Liebe sonn'gen Strahl — Dann hLr.' ich auf zu klagen. Und sind dann Iud' und Christ vereint, Und lieben sich wie Brüder; Und richten sie zum Herrn vereint Der Inbrunst heil'ge Lieder: Ist ein Hirt, eine Heerde nur, Verschwunden aller Feindschaft Spur - Dan n sin g' ich F r e u d en l i e d e r. v. Nach dem Februar 1848. Die Zeit ist da, die Nacht verschwandz Seht hoch die Sonne ragen. Gelöset ist des Druckes Wand, . Drein.Herrschsucht Euch geschlagen. Wir standen treu bei Euch im-Streit — Nun da Ihr freie Männer seid Nun sollten wir noch klagen? Die Freiheit, sie ist allgemein, Wie's Sonnenlicht, wie's Leben; Sie ist die Eure nicht allein,. Sie ward auch uns gegeben; Und wenn Ihr uns nicht Freiheit gönnt, Dann zeigt Ihr, daß Ihr noch nicht könnt Zur Freiheit Euch erheben^ Auf deutsches Volk, auf deutsches Reich! Wollt Freiheit Ihr erringen, Weweist's, ob Ihr vermöget Euch Zu ihr hinaufzuschwingen: Hebt auf d e n G l a u b e n s u n t e r s ch i e d,, Dann, dann will ich ein Jubellied Von Deutschlands Freiheit singen. Der kirchliche Verein für alle Religionsbekeuntnisse in Leipzig. V. (Schluß.) Durch diesen Bescheid war allerdings die Möglichkeit, zum Ziele zu gelangen, nicht ausgeschlossen. Wurde die von Anfang erlangte Genehnlignng des Stadtraths als nicht ausreichend erachtet, so konnten nur noch die Stadtverordneten (welche man freilich bisher als berechtigte Vertreter der Kirch e ngemeinde nicht hat gelten lasten wollen) in Frage kommen. Stand mm ein abschlägiger Bescheid von Seiten dieses Kollegiums nicht zu fürchten, so würde dann die Gewährung der Kirche von Seiten der Königs. Kreiödirektien unter der Bedingung erfolgt sein, daß sich der israelitische Prediger aller (angeblich) . ,Liturgischen Handlungen" enthalte.. Auf einen gegen diese Beschränkung eingelegten anderweiten Rekurs an das Königs. Ministerium wäre nun allerdings ein'abfälliger Bescheid wohl kaum zu fürchten gewesen.