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Der Orient · 1848-07-22 · Heft 30 (22.7.1848) · p. Seite 238

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 30 (22.7.1848)
Date
1848-07-22
Page
Seite 238 (sequence 11)
Language
German
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238 hat uns noch nicht von einem Uebel geheilt, — aber der D\np hy2 der Hirsch? Gestatten Sie uns eine Stelle aus einer getreuen Mittheilung hier anzuführen -und Sie werden bald sehen, wie wenig uns trotz seiner vielgepriesenen Getchrsamkeik. der große Wurf gelungen, auch daß wir mit unsrem Oppenheimer, Plaezck und Ouetsch besser gefahren wären. Diese Stelle lautet: ,,der ehrwürdige Hr. Rabbiner (Hirsch) hat sich in Ansehung der politischen Wirren und in Anbetracht der zweideutigen Stellung in dem. großen Kaiserstaate, in der letzten Samstagpredigt zu bemerken bewogen gefunden, daß nur ein festes Halten aller Zeremonien sie aus dem wogenden Strome der Zeiten zu reiten im Stande sein konnte, daher er mit aller Strenge, (welche steht ihm denn zu Gebot?) darauf zu sehen beflissen sein wird und will, daß ja keine Frau mit ihrem eignen Haar sich blicken lasse, daß keine Mannsperson sich-mit einem Messer rasire und daß beide Geschlechter sieh' streng des Trinkens christlichen Weines enthalten." — Was hält der Herr N. Sch. von diesem Breve unseres Pontifer maZmus, meint er eine innere Emaneipation thue uns weniger als eine äußere noth , wir müssen ewig gegen unsere Ueberzeugung leben, beten unsere Kinder erziehen? Was hilft es, daß der riesige Geisteömorder der Metternich darnieder liegt, insofern die Luft nicht rein vom Gifthauche seiner pygmäischen Nachtreter, seiner Schützlinge; —'und muß uns nicht recht traurig zu Muthe sein, wenn wir daran denken, ob es unfern Kindern gelingen wird, nach einer heuchlerischen Erziehung, umgeben vom trügerischen Scheine, zur lauteren Erkenutniß der reinen Wahrheit sich aufzuschwingen?'— Dennoch müssen wir die Klugheit des Hrn. Sch. loben, die ihm ein festes Zusammenhalten der Priester in einer Zeit, die diesem Stande nicht sonderliche Sympathien bewahrtangcrathen, ihrn aber auch versichern, daß wir keine Jagd auf den Hirsch gemacht; sein System ist's, daß uns und Andern mißfällt, Schade also für das Prolegomenon, die eigentliche Medulla und die uueigentlichen fremdsprachlichen Brocken die wir mit Muhe im Kaltschmidt" suchen müssen; wie kommt ein Benziouökaudidat zu dem Engeläuder-Cicero? höchstens zu einem Rabbinen, um ein Beuzious-Zeugniß, doch braucht auch dieses nicht mehr. Der Familiaut. Wien, 11« Juli. In der gestrigen vorberathendeu Sitzung des österreichischen Reichstages gewahrte' man Dr. Fisch Hof, Dr. Gold mark und Prediger- Jos. Mannheimer und diese Erscheinung schon gießt uns die Hoffnung, daß unsre Zukunft im großen Kaiserstaate eine heiterere sein wird. Dr. Mannheimer wurde vorläufig als Vice-Präsident der Versammlung bestellt, 'was er nur auf Bitten, der Versammlung augcnommcit. Moldau und Walachei. ' Aus der Walachei/ 10. Juli. Hier herrscht durch die gewaltigen Einflüsse Rußlands völlige Anarchie, da alle Welt wesß, wie der nordische Koloß die große Umwälzung hier zu Gunsten einer Freiheit hintertreibt. Die vom Fürsten Bibesco in Folge eines großen Umschwunges gegebene Konstitution ist in Gefahr; denn . in Folge der russischen Umtriebe ist Bibesco mit 200 Bojaren flüchtig und viele reiche Juden haben mit ihnen das Land verlassen. Die ausgesprochene Emancipation der Juden bleibt bei solchen Umständen natürlich nur ein geschriebenes.Wort. Schweden und Norwegen. Aus Norwegen, 4. Juli. In unserer Hauptstadt wurde bekanntlich ein Konstitutions-Komitee nicdergesetzt, um eine Reform und Neugestaltung der Verfassung vorzubereiten. In diesem Komitee ist es nun mit 5 gegen 2 Stimmen durchgegangen, daß das bekannte barbarische Verbot, kein Jude dürfe sich in Norwegen aufhatteu, aufgehoben werden soll. Die Härte und die Barbarei, mit welcher dieses Verbot zeither gehandhabt wurde, ist allbekannt und wir wollen uns auch dieses Sieges der Gegcrechiigkeit freuen. Lieder eines Juden von Emil Lehmann. XV.*. So lange will ich klagen. „Wann endet Jud dein Trauerlied Von Lasten und voki Plagen? Wann lernst mir ruhigem Gemüth Du dein Geschick ertragen? ' Erkennest unsere Milde an, Die schon so viel für Ench gethan, Wann hörst du auf zu klagen? — So lange noch der letzte Rest Von einem Ghetto modert, So lang man Schutzgeld noch erpreßt, Und Judensteuern fordert: So lang noch Israels Geschlecht Hinschmachtet ohne M e n sch e n r e ch t — So lange will ich klagen. So lange noch ein Trödelort, -Wo Juden Schacher treiben; So lange wir noch hier und dort Ohn' ehrend.Handwerk bleiben: So lang ohn' Ansehen, Stell' und Amt * Der Jud' zum Wucher ist verdammt *— So lange will ich klagen. *) Die 3 ersten Nummern s. Or. 1847 Nr. 27; ib. 1848 Nr. 24 u. 27.

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